Hexanitroethan

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Hexanitroethan ist eine aliphatische Nitroverbindung. Im Molekül sind alle sechs möglichen Substituenten­positionen jeweils durch eine Nitrogruppe ersetzt. Als hochnitrierte Verbindung wirkt es als starkes Oxidationsmittel und ist ein Explosivstoff.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Struktur von Hexanitroethan
C2N6O12
Allgemeines
Name Hexanitroethan
Andere Namen
  • HNE
  • 1,1,1,2,2,2-Hexanitroethan
Summenformel C2N6O12
Kurzbeschreibung

farblose Kristalle[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 918-37-6
EG-Nummer 213-042-1
ECHA-InfoCard 100.011.857
PubChem 61232
Wikidata Q411442
Eigenschaften
Molare Masse 300,0544 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,85 g·cm−3 (20 °C)[2]

Schmelzpunkt

135,5 °C[2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
keine Einstufung verfügbar[3]
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Darstellung und Gewinnung

Eine erste Herstellung wurde schon 1914 durch Wilhelm Will beschrieben.[4] Diese gelingt durch die Umsetzung des Kaliumsalzes des Tetranitroethans mit Salpetersäure.[1]

Das Kaliumsalz des Tetranitroethans kann in einer Synthesesequenz ausgehend vom Tribromnitromethan gewonnen werden.[1] Im ersten Schritt erfolgt eine Dimerisierung zum Tetrabromdinitroethan.

Im zweiten Schritt erfolgt eine nucleophile Substitution mit Kaliumnitrit zum Dibromtetranitroethan.

Das Tetranitroethansalz entsteht dann durch die weitere Umsetzung mit Kaliumcyanid.

Eine für eine industrielle Herstellung praktikable Synthese geht von Furfural aus,[5] welches im ersten Schritt unter Ringöffnung oxidativ zur Mucobromsäure (2,3-Dibrommalealdehydsäure) bromiert wird.[6] Alternativ kann auch Furan-2-carbonsäure als Edukt verwendet werden.[7] Im Folgeschritt wird die Mucobromsäure bei Temperaturen kurz unter Raumtemperatur mit Kaliumnitrit zum Dikaliumsalz des 2,3,3-Trinitropropionaldehyds umgesetzt.[5] Die Zielverbindung erhält man durch die Nitrierung dieses Salzes mittels Salpetersäure und Schwefelsäure bei −60 °C.[5]

Eigenschaften

Hexanitroethan kann in zwei polymorphen Kristallformen auftreten.[8] Unterhalb einer Temperatur von 18 °C liegt die Kristallform II vor. Am Umwandlungspunkt bei 18 °C erfolgt die Bildung der Kristallform I mit einer Umwandlungsenthalpie von 12,4 kJ·mol−1.[8] Die Kristallform I schmilzt bei 135,5 °C.[2]

Hexanitroethan ist ein explosionsgefährlicher Stoff im Sinne des Sprengstoffgesetzes. Wichtige Explosionskennzahlen sind:

Tabelle mit wichtigen explosionsrelevanten Eigenschaften:
Sauerstoffbilanz42,7 %[2]
Stickstoffgehalt28,01 %[2]
Normalgasvolumen678 l·kg−1[2]
Explosionswärme3020 kJ·kg−1[2]
Spezifische Energie813 kJ·kg−1 (68,1 mt/kg)[2]
Bleiblockausbauchung24,5 cm3·g−1[2]
Detonationsgeschwindigkeit4950 m·s−1[2]
Verpuffungspunkt175 °C[2]
Schlagempfindlichkeit10 Nm[2]
Reibempfindlichkeitmit 253 N Stiftbelastung Zersetzung[2]

Die thermische Zersetzung wurde am Feststoff und in Lösung schon ab 60 °C detektiert.[9] Oberhalb von 140 °C kann die Zersetzung explosionsartig erfolgen.[10] Die Zersetzung verläuft als Reaktion erster Ordnung. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist dabei in Lösung signifikant höher als im Feststoff.[9] Für die Zersetzung des Feststoffs kann die folgende Gleichung formuliert werden.[9]

Bei der Zersetzung in Lösung wird im ersten Schritt Tetranitroethylen gebildet, welcher über seine Diels-Alder-Addukte z. B. mit Anthracen oder Cyclopentadien nachgewiesen werden kann.[11][12]

Bei der Umsetzung in Alkoholen unter Rückfluss erfolgt eine Addition an das intermediär gebildete Tetranitroethylen. Die gebildete Dinitroalkoxyalkylstruktur ist nicht stabil und bildet nach Umlagerung der Nitrogruppe zum Salpetrigsäureester und Abspaltung von Stickoxiden den entsprechenden Ester der Dinitroessigsäure.[12]

Der Dinitroessigsäureester dimerisiert bei der Lagerung langsam zum entsprechenden 3,4-Bis(alkoxycarbonyl)furazan-2-oxid.[12][13] Bei höheren Temperaturen kann der Dinitroessigsäureester zum Dinitromethan verseift und decarboxyliert werden.[13]

Verwendung

Hexanitroethan kann in Treibsätzen als sauerstoffausgleichender Zusatz eingesetzt werden.[2]

Einzelnachweise

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