Hilligsfeld

Stadtteil von Hameln From Wikipedia, the free encyclopedia

Hilligsfeld ist eine Ortschaft der niedersächsischen Stadt Hameln und flächenmäßig der größte Bezirk. Er besteht aus den beiden Ortsteilen Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld, die sich östlich der Stadt Hameln befinden und zusammen 936 Einwohner haben (Stand Juni 2022).[1] Zwischen den beiden Ortsteilen fließt die Hamel. Die Bundesstraße 217 führt durch Groß Hilligsfeld.

Blick vom Schweineberg über Groß Hilligsfeld und das von Baumreihen verdeckte Klein Hilligsfeld nach Osten. In Bildmitte hinter dem Ort das Gut Oehrsen, im Mittelgrund rechts der Eichberg, im Hintergrund der nördliche Teil des Ith, 2025
Schnelle Fakten Stadt Hameln ...
Hilligsfeld
Stadt Hameln
Koordinaten: 52° 7′ N,  26′ O
Fläche: 11,67 km²
Einwohner: 936 (30. Juni 2022)[1]
Bevölkerungsdichte: 80 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 31789
Vorwahl: 05151
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Klein Hilligsfeld, Blick vom Eichberg über den Ort nach Nordwesten, im Hintergrund links der Schweineberg und rechts der Süntel, 2025

Geografie

Hilligsfeld liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln auf 87 m NHN in der Hamelaue und ist jeweils von Teilen des Weserberglands im Westen bzw. des Leineberglands im Osten umgeben. Hilligsfeld wird vom mittleren Abschnitt des Flusses Hamel, eines rechtsseitigen Nebenflusses der Weser durchflossen, deren Quelle im Süntel liegt und die im Stadtgebiet von Hameln in die Oberweser einmündet.[2] Der Fluss Hamel wurde 1309 erstmals schriftlich erwähnt. Der Nebenbach Herksbach fließt im Ortsgebiet von Hilligsfeld in die Hamel. Seine Quellen liegen ebenfalls im Süntel. Entlang des Verlaufs der Hamel sind abschnittsweise Erlen-Eschen-Auenwälder meist galerieartig ausgebildet. Die Böden der Auen sind sehr fruchtbar und werden vorwiegend landwirtschaftlich genutzt. In der Hamel und im Herksbach gibt es geschützte Vorkommen von Groppe und Bachneunauge. Die Hamelaue ist ein Nahrungsgebiet des Schwarzstorchs.[3]

Geschichte

In Groß Hilligsfeld wurde in den späten 1980er Jahren im Boden eines Gartens eine aus Quarzit gefertigte Geröllkeule gefunden, die in die mittlere Steinzeit datiert wird. Es ist jedoch möglich, dass der Gartenboden von Bauarbeiten an der Rathaus-Tiefgarage in Hameln stammt, so dass die Geröllkeule durch moderne Erdarbeiten verlagert sein könnte.[4] Beim Bau der Landstraße von Hameln nach Hannover, der heutigen B217, wurde bei Hilligsfeld ein vorgeschichtliches Gräberfeld gefunden. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung beider Orte war im 9. Jahrhundert, sie wurden damals Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld genannt. Namensvarianten waren Hillikesfelle, Hillingesfeldo, Hilligesulde, Hillingesfelden, Hillingesfelda, Hillingesvelt, Hildingesvelt, Hillincesvelde, Hilliesfelde.[5] Ludolf Fiesel deutet die Anfänge von Hilligsfeld in den Hamelauen als fränkische Siedlung im altsächsischen Gebiet[6]: „Westlich und östlich sind die Orte Wengen (Wangelist) und Hilligsfeld zum Schutz des Weserüberganges Hameln vorgelagert.“[7] und weiter: „Das GW (Grundwort) '-feld' ist, wie bei Hünfeld, als Bezeichnung einer karolingischen Funktionssiedlung anzusehen.“[8] Zu dieser Zeit besaß das Stift St. Bonifatius (heute evangelisch-lutherisches Hamelner Münster St. Bonifatius) eine Hufe Land in Hilligsfeld (das sind ca. 30 ha).[9] Der Kirchenkreis Hameln-Pyrmont schreibt: „Die erste Gründung einer Pfarr- oder Hauptkirche geschah im 8. oder 9. Jahrhundert.“[10] Erste Kirchen wurden bewusst an Orten errichtet, die seit alter Zeit durch den Glauben geweiht sind. Ludolf Fiesel erläutert: „Die Kirche von Hilligsfeld hat den Stammesheiligen der Merowinger und Karolinger, den Martin von Tours, als Schutzpatron.“ (St. Martinikirche) „Hiltop... unam habam in Hillingesfeldo cum domo et familia.“[11] Die Dorfkirche wird auch im 11. Jahrhundert erwähnt. „Im 13. Jahrhundert ist Hilligsfeld ein Kirchspiel (mit umliegenden Höfen, Häusern und Katen). 1540 wird Hilligsfeld durch den Reformator Hamelns, Rudolf Moller, lutherisch.“[12]

St. Martini-Kirche in Groß Hilligsfeld

Die Goe auf der Hamel war ein mittelalterlicher Gerichtsbezirk für 14 Dörfer im altsächsisch-engernschen Tilithigau, beiderseits der Hamel, in dessen Zentrum Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld lagen. Die Goe gehörte während des Mittelalters und der frühen Neuzeit zum Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden (das historische Bistum Minden wurde 1803 aufgelöst). Ein Platz auf dem Eichberg südsüdöstlich von Klein Hilligsfeld war der Gerichtsort (auch Malstätte oder Mahlstätte genannt) der Goe auf der Hamel. Dort wurden Versammlungen aller Eingesessenen (erven) der Goe abgehalten. Der Gograf des Gogerichtsbezirks Goe auf der Hamel war in Groß Hilligsfeld ansässig.[13] Im Mittelalter gehörten der Eichberg und das Behrenser Eichholz bei Klein Hilligsfeld sowie der Schweineberg bei Groß Hilligsfeld zur Ostermark, das heißt, die Bauern aus Hilligsfeld konnten diese Waldgebiete etwa für die Viehweide, die Holzgewinnung, die Mergelgewinnung und anfangs, nach altem mündlich überlieferten germanischen Recht auch für die Jagd nutzen.[14][15] In Hilligsfeld waren die Edelherren von Hilligsfeld ansässig.[16]

"Im Siebenjährigen Krieg erstreckte sich nach der Schlacht bei Hastenbeck (1757) das Lager der Franzosen über 8 Kilometer von der Weser bis über Groß Hilligsfeld hinaus."[17]

Im Ersten Weltkrieg hatte Hilligsfeld überdurchschnittlich viele Gefallene zu beklagen. "Die Ortschaft Hilligsfeld lag mit 36 Gefallenen bei 640 Einwohnern (= 56 auf tausend Einwohner) sehr hoch, wobei Klein Hilligsfeld mit 19 Toten bei 179 Einwohnern eine extreme Rate zu verzeichnen hatte."[18]

Im Zweiten Weltkrieg wurden auf den Bauernhöfen in Hilligsfeld Zwangsarbeiter eingesetzt.

Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinden Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld im Rahmen der Gebietsreform in die Stadt Hameln eingegliedert.[19]

Politische Zugehörigkeiten

Im Frühmittelalter um 1000 n. Chr. gehörte das Dorf Hilligsfeld mit den beiden Ortsteilen Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld zum Stammesherzogtum Sachsen.

Das nur ca. 400 Meter nordöstlich von Klein Hilligsfeld gelegene Gut Oehrsen gehörte im Spätmittelalter und in der Neuzeit (13. bis 16. Jahrhundert) zur kleinen Grafschaft Spiegelberg mit deren Hauptort Coppenbrügge.

Von 1432 bis 1692 gehörte Hilligsfeld zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, von 1692 bis 1810 zum Kurfürstentum Hannover, von 1810 bis 1816 zum Königreich Westphalen, Departement Leine von Jérôme Bonaparte, von 1816 bis 1866 zum Königreich Hannover und nach dessen Annektierung durch Preußen von 1866 bis 1946 zur preußischen Provinz Hannover.[20]

Ab 1945 gehörten Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld zur Britischen Besatzungszone, 1946 zum Land Hannover und in demselben Jahr zum Regierungsbezirk Hannover im Land Niedersachsen. Am 31. Dezember 2004 wurden die Regierungsbezirke aufgelöst.[21]

Von 1411 bis 1852 gehörte Hilligsfeld zum Amt Springe, einem Verwaltungsbezirk des Fürstentums Calenberg. Von 1852 bis 1885 gehörte es zum Amt Hameln, einem Verwaltungsbezirk des Königreichs Hannover bzw. ab 1866 der preußischen Provinz Hannover. Von 1885 bis 1922 gehörte es zum Kreis Hameln und von 1922 bis heute zum Landkreis Hameln-Pyrmont.

Einwohnerentwicklung

Groß Hilligsfeld
Weitere Informationen Jahr ...
Demografische Entwicklung
Jahr 168918481933195019611970197220002001200220032006 2023[22]
Einwohnerzahl 230394487881731781770840836857855879 756
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Klein Hilligsfeld

Klein Hilligsfeld hat am wenigsten Einwohner im Vergleich aller Ortsteile von Hameln.

Weitere Informationen Jahr ...
Demografische Entwicklung
Jahr 168918481933195019611970197220002001200220032006 2009 2023[23]
Einwohnerzahl 113222185363255193183155142145147141 134 139
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Ortsrat Hilligsfeld

Kommunalwahl 2016
Ortsrat Hilligsfeld
 %
50
40
30
20
10
0
41,92 %
37,84 %
20,24 %
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
a FWGH = Freie Wählergemeinschaft Hilligsfeld (FWGH)
   
Insgesamt 5 Sitze

Wahlergebnis der Kommunalwahl 2016:[24]

FWGH41,92%
CDU37,84%
SPD20,24%

Sitzverteilung des Ortsrats Hilligsfeld:

FWGH2
CDU2
SPD1

Wappen

  • Die Blasonierung des Wappens von Groß Hilligsfeld zeigt drei grüne Spitzen (unten) im silbernen Schild (in der Form ähnlich dem Fränkischen Rechen). Aus den Spitzen ragen ebenfalls grüne Eichenzweige mit je zwei goldenen Früchten. Darunter befinden sich zwei waagerechte „Balken“ in Gold, die einen Altar darstellen, da hier in der Vergangenheit ein germanisches Heiligtum gewesen sein soll.
  • Das Wappen von Klein Hilligsfeld zeigt drei ockerfarbene Spitzen in blauem Schild. Aus den Spitzen wächst je ein Baum, darunter befindet sich ein heraldisch rechtsgewendetes Pferd, von unten nach oben langsam von schwarz zu weiß werdend.
Kriegerdenkmal in Klein Hilligsfeld

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Früheisenzeitliches Steinhügelgrab (Grabhügel mit Steineinlagen) am Kammweg auf dem Schweineberg, umsäumt von Eiben, ca. 800 v. Chr.
  • Vorgeschichtliches Gräberfeld an der B217 bei Groß Hilligsfeld, Funde zeigen keltische Einflüsse.
  • Gogerichtsstätte („Gohenstuhl“) des mittelalterlichen Gerichtsbezirks "Goe auf der Hamel" im altsächsischen Tilithigau auf dem Eichberg bei Klein Hilligsfeld.
  • St.-Martini-Kirche in Groß Hilligsfeld, erbaut 1815 auf Vorgängerbauten, die seit dem 8./9. Jahrhundert existierten. Die evangelisch-lutherische Kirche verfügt über eine frühromantische Orgel, die 1839 von dem Hoforgelbaumeister Ernst Wilhelm Meyer aus Hannover gebaut wurde. Die Kirche wurde 1989 gründlich renoviert. Das Orgelwerk wurde im Jahre 1991 von der Firma Hillebrand aus Altwarmbüchen renoviert.
  • Herrenhaus auf Gut Oehrsen.[25][26][27]
  • Kragsteingewölbe aus Natursteinquadern, erbaut 1875, Durchlass am Eichberg für die frühe Eisenbahnlinie Elze-Löhne über einen temporären Wasserlauf bei km 23,816, Objekt-Nr. 1362.[28]

Söhne und Töchter des Ortes

Vereine

  • Der Turnerbund Hilligsfeld von 1911 e.V. hat heute über 300 Mitglieder. Folgende Sportarten werden angeboten: Badminton, Fußball, Gymnastik und Tischtennis.
  • Der DRK-Ortsverein Hilligsfeld hat über 100 Mitglieder.
  • Freiwillige Feuerwehr von 1909 mit Jugendfeuerwehr und Kinderfeuerwehr „Blaulicht Kids“, heute insgesamt ca. 120 Mitglieder.
  • Schützengilde „Horrido“ Hilligsfeld von 1959 e.V.
  • Heimatverein „Go up der Hamel“ e. V.
  • Dorfladen „Spritzenhaus Hilligsfeld GBR“
  • Förderverein der Grundschule Hilligsfeld-Rohrsen.

Einzelnachweise

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