Hippothontis
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Die Hippothontis (altgriechisch Ἱπποθοντίς Hippothontís) war eine im Rahmen der kleisthenischen Reformen 508/507 v. Chr. eingerichtete Phyle im antiken Athen. Innerhalb der 10 kleisthenischen Phylen nahm sie die 8. Stelle ein.
Phyle
Wie jede Phyle war auch die Hippothontis in drei Trittys genannte Verwaltungseinheiten unterteilt: eine Stadt- oder Asty-Trittys, eine Land- oder Mesogeia-Trittys und eine Küsten- oder Paralia-Trittys. Die Trittyen umfassten eine unterschiedliche Anzahl an Demen. Die Trittys mit den vermutlich meisten Demen war bei der Hippothontis die nach dem Hauptdemos benannte Küstentritty Eleusis mit 7 (?) Demen, gefolgt von der nach dem Hauptdemos benannten Stadttrittys Peiraieus mit 6 Demen. Die kleinste war die Landtrittys Dekeleia (?) mit nur 4 Demen. Wie alle Phylen entsandte die Hippothontis 50 Ratsmitglieder (Bouleuten) in die Boule, den Rat der Stadt Athen.
Die Phyle setzte sich aus zahlreichen kleinen, meist unzureichend lokalisierten Demen zusammen.[1] Viele stellten nur 1 oder 2 Ratsmitglieder. Ausnahmen bildeten Eleusis mit 11 (?) und Peiraieus mit 9 Bouleuten.
Als im Jahr 307/306 v. Chr. zu Ehren des Demetrios I. Poliorketes und des Antigonos I. Monophthalmos die Phylen Demetrias und Antigonis eingerichtet wurde, musste Hippothontis mit Koile und Oinoe zwei Demen an die Demetrias und den Demos Auridai (oder Korydallos) an die Antigonis abgeben. Um weiterhin 50 Bouleuten entsenden zu können, wurde die Anzahl für Eleusis auf 12, für Peiraieus auf 10, für Dekeleia auf 6 und für Eroiadai auf 2 erhöht.[2] Mit der Neugründung der Phyle Ptolemais zu Ehren des Ptolemaios III. 224 v. Chr. wechselte Oinoe abermals die Phyle.[3] Außerdem musste die Hippothontis den Demos Oion Dekeleikon an die Ptolemais abgeben.[4] Als die Demetrias und die Antigonis 201 v. Chr. wieder aufgelöst wurden, kehrten die Demen Koile und Auridai zur Hippothontis zurück. Allerdings musste Hippothontis nun für die im Jahr 200 v. Cnr. neu eingerichtete Phyle Attalis zu Ehren des Attalos I. den Demos Korydallos abgeben.[5] Und als 126/127 n. Chr. die Phyle Hadrianis zu Ehren des römischen Kaisers Hadrian gegründet wurde, verlor Hippothontis mit Elaious einen weiteren Demos.[6]
Folgende Demen gehörten zur Hippothontis:[7]
| Demos | Lage | Bouleuten 508/507 v. Chr. | 307/201 v. Chr. | 200 v. Chr. / 126/127 n. Chr. |
|---|---|---|---|---|
| Hamaxanteia | Stadt? | 2 | 2 | ? |
| Keiriadai | Stadt | 2 | 2 | ? |
| Koile | Stadt? | 3 | Demetrias | ? |
| Korydallos | Stadt | 1? | Antigonis? | Attalis |
| Peiraieus | Stadt | 9 | 10 | ? |
| Thymaitadai | Stadt | 2 | 2 | ? |
| Anakai | Binnenland | 3 | 3 | ? |
| Eroiadai | Binnenland | 1 | 2 | ? |
| Dekeleia | Binnenland | 4 | 6 | ? |
| Oion Dekeleikon | Binnenland | 3 | 3 | ? |
| Acherdous | Küste? | 1 | 1 | ? |
| Auridai | Küste? | 1? | Antigonis? | ? |
| Azenia | Küste? | 2 | 2 | ? |
| Elaious | Küste? | 1 | 1 | Hadrianis |
| Eleusis | Küste | 11 | 12 | ? |
| Kopros | Küste | 2 | 2 | ? |
| Oinoe im Westen | Küste | 2? | Demetrias | ? |
Benannt wurde die Phyle nach Hippothoon, dem Sohn des Poseidon und der Alope. Als Phylenheros genoss er kultische Verehrung und seine Statue wurde mit jenen der neun anderen Phylenheroen Athens als Teil des Phylenheroenmonuments auf der Agora von Athen aufgestellt. Auf der Schauseite des Monuments wurden unterhalb der Heroen Verlautbarungen der einzelnen Phylen befestigt.[8] Auch auf dem Marathon-Weihgeschenk der Athener in Delphi, das ebenfalls die Phylenheroen darstellte, wurde seine Statue aufgestellt.[9]
Literatur
- Peter J. Bicknell: The City and Inland Trittyes of Phyle VIII Hippothontis. In: Antichthon. Band 7, 1973, S.–4.
- Sarah C. Humphreys: Kinship in Ancient Athens. An Anthropological Analysis. Oxford University Press, Oxford 2018, S. 1099–1133.
- Hans Lohmann: Hippothontis. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 5, Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01475-4, Sp. 610 (Digitalisat).
- John S. Traill: The Political Organization of Attica: A Study of the Demes, Trittyes, and Phylai, and Their Representation in the Athenian Council (= Hesperia Supplements. Band 14). American School of Classical Studies at Athens, Princeton [NJ] 1975, S. xvii, 11 f., 21 f., 24 Nr. 13, 26 f., 52 f., 102, Tabelle 8.