Horst Linde

deutscher Architekt, Stadtplaner und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Horst Eduard Linde (* 6. April 1912 in Heidelberg; † 10. September 2016 in Freiburg im Breisgau[1]) war ein deutscher Architekt, Stadtplaner und Hochschullehrer. Er wirkte zudem als Direktor des Instituts für Städteplanung in Stuttgart.

Horst Linde (1981)
Innenraum der Stadtkirche in Karlsruhe
Landtag in Stuttgart
Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart
Ludwigskirche in Freiburg
Eigenes Wohnhaus in Freiburg

Leben

Horst Linde war der Sohn des Architekten und Denkmalpflegers Otto Linde. Seine Großeltern mütterlicherseits waren der Fabrikant Eduard Hager (1848–1901) und Julie, geborene Wenker (1854–1890).

Linde besuchte ein Gymnasium in Baden-Baden und studierte an der Technischen Hochschule Berlin und der Technischen Hochschule Karlsruhe, wo er Schüler von Otto Ernst Schweizer war und das Studium als Diplom-Ingenieur 1939 abschloss. Von 1933 bis 1934 und von 1938 bis 1939 war er bereits als freier Architekt tätig. Er arbeitete zunächst in Emmendingen und Baden-Baden, 1939 arbeitete er als Regierungsbaumeister (Assessor) und städtischer Baurat in Lahr. 1940 begann sein Wehrdienst. Nach dem Krieg kehrte er 1946 aus der Kriegsgefangenschaft zurück und war dann von 1947 bis 1949 wieder als freier Architekt tätig. Er gründete 1947 das Baubüro für die weitgehend zerstörte Universität Freiburg. Dort arbeitete er gemeinsam mit Auguste Perret, der von der französischen Besatzungsmacht delegiert wurde. 1948 gewann Linde den Architekturwettbewerb für den Wiederaufbau der Kaiserstraße und des Stadtzentrums in Karlsruhe,[2][3] ebenso 1953 für den Wiederaufbau der dortigen Stadtkirche.[4][5] Ab 1950 war Linde als Baudirektor Leiter der staatlichen Bauverwaltung des Bundeslandes Baden in Freiburg im Breisgau, von 1957 bis 1959 Leiter der Hochbauabteilung im Finanzministerium Baden-Württemberg und damit Ministerialdirigent der Landesregierung. Seit 1955 war er Mitglied der Akademie der Künste (bzw. zunächst Akademie der Künste in Berlin (West)). Berufen 1959 wurde er 1960 Professor für Städtebau an der Technischen Hochschule Stuttgart (ab 1967 Universität) und wechselte 1961 in den neu gegründeten Lehrstuhl für Hochschulplanung.[6] Bis zum Ausscheiden aus der staatlichen Bauverwaltung im Jahr 1971 bzw. seiner Emeritierung 1976/77 plante und errichtete er viele öffentliche Gebäude, unter anderem Krankenhäuser, Universitätsgebäude, Schulen, Verwaltungsbauten, Siedlungen und zudem – parallel zum öffentlichen Dienstverhältnis – als freier Architekt[6] auch Kirchen wie die Ludwigskirche in Freiburg.

1953 war Linde im Wettbewerb für den Neubau des Mannheimer Nationaltheaters Mitglied des Preisgerichts, befürwortete den Wettbewerbsbeitrag von Ludwig Mies van der Rohe und beteiligte sich an der Bauhaus-Debatte. Zeigte der Landtag von Baden-Württemberg in Stuttgart Mies’schen Einfluss, richtete Linde sein Bauen auch am Brutalismus aus. Bei den wiederaufgebauten Gebäuden verband er das Erbe der vergangenen Jahrhunderte behutsam mit der Vision der Moderne.[7] Moderne Materialien verwendete er in einer skulpturalen und manchmal sogar pittoresken Weise (z. B. Wendeltreppe), bei der Innenraumgestaltung kooperierte er mit Künstlern und Handwerkern. Als Vertreter der Nachkriegsmoderne betrachtete er die Faustregeln der Moderne nicht dogmatisch. Nach seinen Worten von 2012 sei seine Architektur immer funktional gedacht, was dem damaligen Zeitgeist entsprach; eine Selbstverewigung des Architekten durch sein Werk lehnt er als Ziel der Architektur ab.[8]

Horst Linde war evangelisch. Mit seiner Ehefrau Elfriede Linde, geborene Jennicke, einer zwölf Jahre jüngeren Journalistin, mit der er in zweiter Ehe seit März 1962 verheiratet war, lebte er in Freiburg in dem Einfamilienhaus in der Schlierbergstraße, das er 1950 für sich entworfen hatte und in dem er starb.[8]

Ehrungen und Auszeichnungen

Werk (Auswahl)

Rezeption

Publikationen

  • Hochschulplanung. Beiträge zur Struktur- und Bauplanung. 4 Bände. 1972 ff. ISBN 3-8041-2510-7

Literatur

  • Linde, Horst. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 766.
Commons: Horst Linde – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

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