Howeitat
Stammesverband auf dem Gebiet des heutigen Jordanien und Saudi-Arabien
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Die Howeitat (arabisch الحويطات, DMG al-Ḥuwaiṭāt) sind ein großer Stammesverband auf dem Gebiet des heutigen Jordanien und Saudi-Arabien. Die Howeitat bestehen aus mehreren Stämmen, beispielsweise die Ibn Jazi, die Abu Tayi, die Anjaddat und die Suleimanniyin.


Die Howeitat haben in der Vergangenheit viele Soldaten der Saudi-Arabischen Nationalgarde und der Jordanischen Streitkräfte gestellt. Sie besitzen viel Land um Wadi Rum bis hinein nach Saudi-Arabien.
Geschichte
Die Huwaytat-Nomaden wurden im 16. Jahrhundert als die einzigen Stammesangehörigen verzeichnet, die im südlichen Binnenland des Karak-Sanjaks des Osmanischen Reiches lebten.[1]
Die Howeitat führen ihre Abstammung auf einen einzelnen Vorfahren, einen Ägypter namens Howeit, zurück. Kamal Salibi zufolge könnte ihre Anwesenheit in der Region jedoch auf das 18. Jahrhundert zurückgehen, als die Stämme der nordarabischen Wüste durch die Expansion der mit den Wahhabiten assoziierten Beduinen Zentralarabiens weiter nach Norden gedrängt wurden. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erhoben die Howeitat bereits Anspruch auf Gebiete um Akaba und den weiteren Norden.[2] Ein Teil begann zu siedeln und betrieb Landwirtschaft und Pastoralismus. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden sie wieder zu Nomaden, weil zwei rivalisierende Scheichs, Abtan Ibn Jazi und Auda Abu Tayi, sich auf weitreichende Raubzüge (ghazw), der systematischen Eintreibung von Schutzgeldern (khawa) und großflächiger Kamelzucht konzentrierten.
Rolle während des arabischen Aufstands

Der Stammesteil um Auda Abu Tayi unterstützte während der Arabischen Revolte die Haschimiten und stellte einen bedeutenden Teil der Streitkräfte von Prinz Faisal bin Hussein. Auda Abu Tayi gelang es, eine Truppe aus Beduinenstammesangehörigen zu rekrutieren, die bereit waren, unter dem Banner des späteren Königs auf Akaba zu marschieren und die Stadt einzunehmen.[3] Der Stammesteil um Abtan Ibn Jazi blieb dagegen dem Osmanischen Reich loyal. Ihr Anführer wurde Anfang 1917 vom Reich ausgezeichnet.[4]
Im Jahr 1938 wurde der Stamm der Howaitat in Transjordanien auf etwa 1.000 Zelte geschätzt. Sie lebten in der Region Ma'an und Akaba, in der Gegend von Tafilah und im Gebiet von Ash-Sher'ah in Edom.[5]
Heute hat der Stamm der Howeitat seine nomadische Lebensweise weitgehend aufgegeben und sich in Dörfern niedergelassen.[6]
Heutiger Status und saudische Vertreibung
Die Pläne zum Bau von NEOM sehen die Zwangsumsiedlung von ca. 20.000 alteingesessenen Beduinen vor; viele protestierten gegen das Vorhaben. Medien berichten von Zwangsumsiedlung, immer mehr Stammesangehörige setzten sich gegen die Pläne zur Wehr. Die saudische Menschenrechtsorganisation Alqst berichtet von mehreren Verhaftungen von Stammesmitgliedern, die sich weigerten, ihre Häuser zu verlassen.[7][8]
Am 6. Oktober 2020 berichtete "The Independent", dass der alte saudische Stamm der Howeitat durch das 1,5 Billionen Dollar teure Hightech-Stadtprojekt "Neom" bedroht sei. In den letzten Monaten sollen die saudischen Behörden Mitglieder des Stammes verhaftet, schikaniert, verfolgt und getötet haben, weil diese ihre Pläne hinterfragten und sich weigerten, ihr Land an den Staat zu verkaufen. Alya Alhwaiti, eine in London ansässige Aktivistin und Sprecherin des Stammes, gab bekannt, dass Mitglieder des Stammes die Vereinten Nationen aufgefordert haben, die Angelegenheit zu untersuchen. Alhwaiti behauptete, der Kronprinz des Königreichs, Mohammed Bin Salman, habe dem Stamm 2016 versprochen, ihn am Neom-Projekt zu beteiligen und ihm einen Anteil an der Entwicklung und Verbesserung des Gebiets zu gewähren. Im Jahr 2020 wurde der Howeitat-Stamm jedoch dazu gezwungen, sein Land zu verlassen, ohne eine neue Bleibe zu erhalten.[9]
Im Mai 2023 verurteilte die saudi-arabische Regierung sechs Mitglieder des Stammes der Howeitat wegen ihres Widerstands gegen die geplanten Neom-Siedlungsprojekte wegen Terrorismus. Drei der Verurteilten empfingen die Todesstrafe, während die anderen drei zu Haftstrafen zwischen 27 und 50 Jahren verurteilt wurden. UN-Sonderberichterstatter, die im Auftrag des Amtes des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte tätig sind, bestreiten die Richtigkeit der Anklagen und der Verurteilung und erklären, dass die Männer „wegen Widerstands gegen Zwangsräumungen“ verhaftet wurden, und behaupten, dass die Inhaftierten gefoltert wurden.[10][11]