Hudora

Familienunternehmen in Remscheid From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Hudora GmbH (Eigenschreibweise: HUDORA) ist ein deutscher Hersteller von Sport-, Spiel- und Freizeitprodukten mit Sitz in Erkrath. Sie vertreibt in mehr als 30 Ländern unter anderem Rollschuhe, Inlineskates, Schlittschuhe, Scooter (Tretroller), Skateboards, Trampoline und Zubehör für Tischfußball.

Schnelle Fakten
Hudora GmbH
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1919
Sitz Erkrath, Deutschland
Leitung Pieter Coelewij (Geschäftsführer)
Mitarbeiterzahl ca. 60 (2016, ohne Produktion)[1]
Branche Sport/Fitness/Freizeit
Website www.hudora.de
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Der Firmenname ist eine Abkürzung, bestehend aus jeweils den ersten beiden Buchstaben des Vor- und Nachnamens des Gründers Hugo Dornseif sowie des Gründungsstandortes Radevormwald (Hugo Dornseif Radevormwald). Heute hat Hudora seinen Sitz in Remscheid, wo rund 60 Mitarbeiter rund 40 neue Produkte im Jahr entwickeln.[1]

Geschichte

Gründung bis Zweiter Weltkrieg

Hudora-Gebäude, 1919

Hudora wurde am 4. August 1919 von Hugo Dornseif als Schlittschuhfabrik gegründet. Eine technische Neuerung war die Produktion eines Schlittschuhs aus einem Stück im Jahr 1926. Dadurch wurde das Unternehmen zum Ausrüster von Profisportlern.[2] Bald darauf nahm man auch die Fabrikation von Rollschuhen auf. In den 1920er-Jahren verkaufte Hudora Schlittschuhe in ganz Europa. In den 1930er-Jahren rüstete die Marke diverse Medaillengewinner[3] im Eiskunstlauf aus, etwa die Paarläufer Maxi Herber und Ernst Baier[4].

Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Hudora von einer Demontage durch die Alliierten betroffen, ein Teil der Maschinen wurde abtransportiert. Der Ingenieur Hans Erich Dornseif († 1992), Sohn des Firmengründers, trat im Januar 1949 als Betriebsleiter in das Unternehmen ein. Ein weiterer Einschnitt war der Tod von Firmengründer Hugo Dornseif im Jahr 1950. Daraufhin übernahm Erich Dornseif gemeinsam mit seinem Bruder Heinz die Geschäftsleitung.

Übernahme durch die zweite Generation (1950er bis 1980er Jahre)

Mit mehr als 60 von Hans Erich Dornseif entwickelten Patenten, darunter die „kugelgelagerte Rollschuhrolle“ (DE 893172; angemeldet 15. Oktober 1953)[5], der „lenkbare zweispurige Rollschuh“ (DE 1019942; 30. April 1958)[6], die „kugellagergestützte Rolle“ (DE 2836756 A1; 23. August 1978)[7] sowie die „Achseinheit für Rollschuhe“ (DE 3031222 A1; 19. August 1980)[8], trug er in den folgenden Jahrzehnten maßgeblich zum Erfolg bei. Von 1956 an prägten neue Produkte wie der Gleitschuh und Rollschuhe mit Gummirollen den Markt. Von Hudora ausgerüstete erfolgreiche Sportler dieser Zeit waren unter anderem die Paarläufer Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler sowie die Einzelläufer Manfred Schnelldorfer, Gabriele Seyfert, und Dagmar Lurz, später auch Rudi Cerne, Norbert Schramm und Katarina Witt.[4] Hudora entwickelte außerdem den Kunstlaufrollschuh K 50.

1968 trat Gründerenkel Eike Dornseif in die Geschäftsführung ein. Er setzte sich als erster in Deutschland für eine Standardisierung von Roll- und Schlittschuhen nach DIN ein. Der internationale Wettbewerb führte veranlasste Husora dazu, die Produktion teilweise aus Deutschland hinaus zu verlagern: Das Unternehmen kaufte im damaligen „Ostblock“ zunächst Lederstiefel für Schlittschuhe, später auch für Rollschuhe.

1980er-Jahre bis heute

1980 wurde aus dem Hudora-Werk Hugo Dornseif die Hudora GmbH. Evelyn Dornseif übernahm die Geschäftsführung. 1984 wurde die Fertigung in Radevormwald eingestellt. Gleichzeitig ging Hudora eine Kooperation mit dem größten Schlittschuhhersteller der Welt ein: SLM, St. Lawrence Manufacturing Company, Quebec. Neue Trendsportprodukte wie Rollerboots, Skateboards und Inlineskates erweiterten das Sortiment, zudem schloss Hudora Kooperationspartnerschaften in Fernost ab. 1998 gab das Unternehmen den Standort in Radevormwald auf und verlegte den Firmensitz in ein neues Gebäude nach Remscheid. Mit dem Inliner-Boom zur Jahrtausendwende begann der Absatz in diesem Trendsport deutlich zu wachsen: Zwischen 2000 und 2002 brachte Hudora jeweils fast 1 Million Inlineskates pro Jahr auf den Markt, mehr als jeder andere Hersteller in Deutschland.[9]

Gleichzeitig begann der Scooter den Markt zu erobern, in diesem Segment wurde Hudora mit einem an der Universität Wuppertal konstruierten Verschlusses für den „Hudora Big Wheel“ bedeuten.[9] Damit einher ging eine neue Unternehmensausrichtung: Statt Roll- und Gleitsportartikel für den Leistungssport zu fertigen, bot Hudora nun Sport- und Freizeitgeräte für breite Kundenschichten an. 2007 wurde das Tochterunternehmen Hudora Asia Ltd. mit Sitz in Hongkong gegründet. Im gleichen Jahr wurde Maximillian Dornseif, Sohn von Eike und Evelyn Dornseif, Geschäftsführer der Hudora GmbH.[4] Mit ihm war die vierte Generation der Familie in der Leitung der Firma aktiv. 2013 wurde in Remscheid am Firmensitz die Verkaufsstelle Hudora – Der Laden eröffnet.

Seit Anfang 2024 befindet sich der Sitz des Unternehmens in umgebauten Werkshallen der Alten Papierfabrik in Erkrath. Die Geschäftsführung liegt nicht mehr in den Händen der Gründerfamilie.

Hugodrom

Im Mai 2017 eröffnete Hudora das Hugodrom, einen Indoor Action Park. Auf einer Fläche von 2.500 m², am Firmensitz in Remscheid u. a. mit Indoor-Kunsteisbahn, Pumptrack zum Testen von Skateboards und Scootern, Kletterwand bis zur Stufe 7+, Kleinkindbereich, Fußballfeld und Tanzautomaten. Ende April 2023 wurde das Hugodrom geschlossen.[10]

Weitere Marken

  • Mit der Marke Hornet ist das Unternehmen mit einer niedrigpreisigeren Zweitmarke vertreten.
  • Im Jahr 2000 entwickelte das Unternehmen mit joey eine eigene Kindermarke, deren Logo ein Känguru ist.

Literatur

  • Padtberg, Beate-Carola: Die Wirtschaftsgeschichte des Oberbergischen Kreises: ein Lesebuch zur Regionalgeschichte, Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln, Köln 2000 (= Schriften zur rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgeschichte, Bd. 41), ISBN 3-933025-36-2

Einzelnachweise

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