Hugh Griffith
britischer Schauspieler (1912-1980)
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Leben und Karriere
Der gebürtige Waliser Griffith arbeitete zunächst einige Jahre als Bankangestellter, ehe er 1938 ein Schauspielstipendium für die Royal Academy of Dramatic Art erhielt. Im folgenden Jahr gab er sein professionelles Bühnendebüt in London in dem Stück Der Held der westlichen Welt und war bis zu seiner Einberufung ins Militär 1940 in weiteren Produktionen zu sehen.[1] Ebenfalls 1940 hatte er auch eine erste kleine Kinorolle in Carol Reeds Thriller Night Train to Munich. Während des Zweiten Weltkrieges diente er mit den Royal Welsh Fusiliers in Indien und Burma. Nach seiner Entlassung aus dem Militär im Jahr 1946 setzte Griffith seine Schauspiellaufbahn fort und machte sich allmählich einen Namen als Theaterschauspieler. Neben vielen Auftritten in London wirkte er auch regelmäßig am Shakespeare Memorial Theater in Stratford-on-Avon, wo er unter anderem Falstaff und König Lear spielte.[1][2] 1951 gewann er für seinen ersten amerikanischen Bühnenauftritt, in einem Stück von Jean Anouilh, den Clarence Derwent Award.[1]
Nach anfänglich kleinen Filmrollen kam Griffith auch im britischen Nachkriegskino zu Prominenz, so spielte er 1953 an der Seite von Laurence Olivier die Titelrolle in Peter Brooks Kostümfilm Die Bettleroper und war im selben Jahr außerdem als schrulliger Eisenbahnarbeiter in der Komödie Titfield-Expreß zu sehen. Die New York Times schrieb in ihrem Nachruf auf Griffith über dessen häufigen Rollentyp: „Mit seinem rötlichen Gesicht, seiner kräftigen Statur, seinen dunklen Augen und seiner tiefen Stimme verkörperte Griffith robuste Männer, die oft einen ländlichen Hintergrund hatten und einen entsprechenden Akzent sprachen.“[1] Solche oft ausgefallenen Charaktere spielte er etwa in Komödien, Literaturverfilmungen, Historienstreifen und Horrorfilmen.
Seinen wohl größten Erfolg hatte der Charakterdarsteller im Jahr 1959, als er für seine Darstellung des Scheich Ilderim in dem Monumentalfilm-Klassiker Ben Hur mit dem Oscar in der Kategorie bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde. Im selben Jahr trat er zudem am New Yorker Broadway in einer Theateradaption von Thomas Wolfes Roman Schau heimwärts, Engel! auf und erhielt hierfür eine Tony-Nominierung. 1963 spielte er erneut am Broadway, als Lehrer in Max Frischs Andorra.[3] In diesem Jahrzehnt war Griffith als Nebendarsteller in diversen internationalen Filmerfolgen und Großproduktionen wie Exodus (1960), Meuterei auf der Bounty (1962), Wie klaut man eine Million? (1966) und Oliver (1968) präsent. 1964 war er für seine Darstellung des lebenslustigen Squire Western in der Historienkomödie Tom Jones – Zwischen Bett und Galgen erneut für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert. In den 1970er-Jahren trat er besonders in britischen Horrorfilmen sowie gelegentlich im Fernsehen auf. Insgesamt umfasst sein filmisches Schaffen mehr als 100 Film- und Fernsehproduktionen bis in sein Todesjahr.
Griffith war mit dem Dichter Dylan Thomas befreundet.[1] Verheiratet war er von 1947 bis zu seinem Tod mit Adelgunde Margaret Beatrice von Dechend (1911–1983), einer Enkelin des preußischen Bankiers Hermann von Dechend. Er starb 1980 im Alter von 67 Jahren nach längerer Krankheit.[1] Beigesetzt ist er auf dem Friedhof St. Eugrad's Churchyard auf der walisischen Insel Anglesey, wo er auch geboren wurde.[4]
Filmografie (Auswahl)
- 1940: Night Train to Munich
- 1949: Adel verpflichtet (Kind Hearts and Coronets)
- 1949: Kampf ums Geld (A Run for Your Money)
- 1950: Die schwarze Füchsin (Gone to Earth)
- 1951: Wer zuletzt lacht (Laughter in Paradise)
- 1952: Der Titfield-Expreß (The Titfield Thunderbolt)
- 1953: Die Bettleroper (The Beggar’s Opera)
- 1953: Sein größter Bluff (The Million Pound Note)
- 1955: Eine Frau kommt an Bord (Passage Home)
- 1955: Quatermass II
- 1957: Volltreffer ins Glück (Lucky Jim)
- 1959: Ben Hur (Ben Hur)
- 1959: Sensation auf Seite 1 (The Story on Page One)
- 1960: Bankraub des Jahrhunderts (The Day They Robbed the Bank of England)
- 1960: Exodus
- 1962: Verrat auf Befehl (The Counterfeit Traitor)
- 1962: Der Inspektor (The Inspector)
- 1962: Meuterei auf der Bounty (Mutiny on the Bounty)
- 1962: Spiel mit dem Schicksal (Term of Trial)
- 1963: Tom Jones – Zwischen Bett und Galgen (Tom Jones)
- 1965: Die amourösen Abenteuer der Moll Flanders (The Amorous Adventures of Moll Flanders)
- 1966: Mohn ist auch eine Blume (The Poppy Is Also a Flower)
- 1966: Wie klaut man eine Million? (How to Steal a Million)
- 1967: Der Keuschheitsgürtel (La cintura di castità)
- 1967: Nur eine Frau an Bord (The Sailor from Gibraltar)
- 1967: O Vater, armer Vater, Mutter hängt dich in den Schrank und ich bin ganz krank (Oh Dad, Poor Dad, Mamma’s Hung You in the Closet and I’m Feelin’ So Sad)
- 1968: Ein Mann wie Hiob (The Fixer)
- 1968: Oliver (Oliver!)
- 1970: Die Französische Revolution fand nicht statt (Start the Revolution Without Me)
- 1971: Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes (The Abominable Dr. Phibes)
- 1972: Pasolinis tolldreiste Geschichten (I racconti di Canterbury)
- 1972: Die Rückkehr des Dr. Phibes (Dr. Phibes Rises Again)
- 1972: Wer hat Tante Ruth angezündet? (Whoever Slew Auntie Roo?)
- 1972: Was? (What?)
- 1974: Luther
- 1975: Die Legende vom Werwolf (Legend of the Werewolf)
- 1976: Jesus von Nazareth (The Passover Plot)
- 1977: Casanova & Co.
- 1978: Grand Slam
- 1978: Der Hund von Baskerville (The Hound of the Baskervilles)
- 1980: Die Superprofis (A Nightingale Sang in Berkeley Square)
Weblinks
- Hugh Griffith bei IMDb
- Kurzbiographie auf BBC ( vom 7. November 2012 im Internet Archive)