Hugo Goldschmidt

deutscher Musikwissenschaftler From Wikipedia, the free encyclopedia

Hugo Goldschmidt (* 19. September 1859 in Breslau, Königreich Preußen; † 26. Dezember 1920 in Wiesbaden[1]) war ein deutscher Musikwissenschaftler und lieferte grundlegende Arbeiten zur Geschichte der Vokalmusik.

Leben

Goldschmidt war der Sohn des Gutsbesitzer Emil Goldschmidt (* 1815 in Breslau; † 1894 ebendort) und der Helene, geb. Libas (* ca. 1826; † vor 1910 in Heringsdorf). Er erhielt ersten Musikunterricht von Julius Hirschberg und vom Breslauer Universitätsmusikdirektor Julius Schäffer. Goldschmidt studierte Jura und erwarb 1884 einen juristischen Doktorgrad, quittierte aber im gleichen Jahr den Staatsdienst und übernahm das Gut seines Vaters. Er wandte sich dann der Musik zu und ließ sich von 1887 bis 1890 von Julius Stockhausen in Frankfurt zum Bariton ausbilden. Anschließend beschäftigte er sich in Breslau unter Anleitung von Emil Bohn mit musikhistorischen Studien. Goldschmidt war 1892 bis 1905 in Berlin Mitdirektor bzw. Direktor des Klindworth-Scharwenka-Konservatoriums. Hier leitete er die Gesangsklassen und übernahm den musikgeschichtlichen Teil des Unterrichts.[2] 1918 erhielt er den Professorentitel.[3]
Goldschmidt lebte ab etwa 1909[4] aus gesundheitlichen Gründen in Nizza und in Territet-Montreux am Genfer See; nach dem Krieg zog er nach Wiesbaden, wo er im Alter von 61 Jahren starb.[5] Er wurde auf dem Alten Jüdischen Friedhof von Breslau (Cmentarz Żydowski we Wrocławiu – Stary) begraben.[6]

Goldschmidt heiratete 1884 in Breslau Clara Schottländer (* 1863 in Breslau; † 1938 in Berlin)[7]. Das Paar hatte die Kinder Hildegard (verheiratete von Klarwill; * 1884 in Breslau; † 1914 in Wien), Victor (Schriftsteller, * 1885 in Sacherwitz; † 1932 in Berlin)[8] und Ernst Goldschmidt (Musiker, später Ernesto; * 1889 in Breslau; † 1960 in Mexiko-Stadt).

Hauptwerke

  • Die italienische Gesangsmethode des XVII. Jahrhunderts und ihre Bedeutung für die Gegenwart. Breslau 1890
  • Der Vokalismus des neuhochdeutschen Kunstgesanges und der Bühnensprache: eine sprach- und gesangsphysiologische Studie. Leipzig 1892
  • Handbuch der deutschen Gesangspädagogik, Teil 1: Das erste Studienjahr. Leipzig 1896
  • Studien zur italienischen Oper im 17. Jahrhundert, 2 Bände. Leipzig 1901/1904
  • Die Lehre von der vokalen Ornamentik, Band 1: Das 17. und 18. Jahrhundert bis in die Zeit Glucks. Charlottenburg 1907
  • Die Musikästhetik des 18. Jahrhunderts und ihre Beziehungen zu seinem Kunstschaffen. Zürich 1915
  • dazu zahlreiche Aufsätze.

Würdigung

„Goldschmidt hat mit seinen musikwissenschaftlichen Forschungen über die italienische Oper des 17. Jahrhunderts und über die Gesangs-Pädagogik des 17. und 18. Jahrhunderts bahnbrechende Leistungen vollbracht. Seine Veröffentlichungen zeichnen sich durch bestechende philologische Akribie und durch eine auf dem Vertrautsein mit allen praktischen Fragen der Gesangskunst gründende Treffsicherheit des Urteils aus. Besonderes Interesse widmete Goldschmidt ferner der Musikästhetik des 18. Jahrhunderts und dem musikalischen Verzierungswesen.“

Richard Schaal: Goldschmidt, Hugo. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, S. 28883 (vgl. MGG, Band 5, S. 488). digitale-bibliothek.de, Band 60.

Literatur

Einzelnachweise

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