Hugo E. Herrera
chilenischer Kolumnist
From Wikipedia, the free encyclopedia
Hugo Eduardo Herrera Arellano (* 5. Februar 1974 in Viña del Mar)[1] ist ein chilenischer Philosoph, Jurist und Professor an der Universidad Diego Portales in Chile, der sich auf das Denken von Immanuel Kant, Carl Schmitt, Salomon Maimon, Friedrich Hölderlin spezialisiert hat.

Studium
Er absolvierte seine Grund- und Sekundarschulausbildung am Colegio de los Sagrados Corazones in Valparaíso-Viña del Mar. Er studierte Rechtswissenschaft und Philosophie an der Universität von Valparaíso und erlangte im Mai 1998 einen Abschluss in Rechts- und Sozialwissenschaften mit der Arbeit „Zweck, Tugenden und Recht in der ‚Suma contra Gentiles‘ des Thomas von Aquin“, betreut von Joaquín García-Huidobro. Während seiner akademischen Laufbahn war er von 1994 bis 1995 Generalsekretär der Studentenvereinigung der Universität Valparaíso (FEUV).[2] Anschließend promovierte er 2004 an der damaligen Philosophischen Fakultät III der Julius-Maximilians-Universität.
Akademische Laufbahn
Herrera gilt als „einer der klarsten und aufgeklärtesten Intellektuellen des Gegenwart“ in Chile.[3] Er ist Professor an der juristischen Fakultät der Universität Diego Portales und der juristischen Fakultät der Universität Valparaíso. Er war Gastprofessor und hielt Vorlesungen an mehreren chilenischen und ausländischen Universitäten. Für seine Promotion erhielt er ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und 2010 gewann er die fünfte Ausgabe des Contemporary Humanities Essay Contest mit einer Arbeit zum Thema Szientismus.[4] Von März 2013 bis April 2020 war er Direktor des Instituts für Philosophie an der Universität Diego Portales.
Herrera ist Autor mehrerer Bücher über politische Philosophie und Rechtsphilosophie, die in den USA, in Chile und Deutschland veröffentlicht wurden, sowie einer Reihe philosophischer Aufsätze über Deutscher Idealismus und frühe Romantik (Salomon Maimon, Hölderlin, Friedrich Schelling), Kant und post-Kantianismus, politische und Rechtsphilosophie in Zeitschriften in den USA (u. a. The Review of Metaphysics, The New Centennial Review, Idealistic Studies), den UK (u. a. European Journal of Philosophy, History of European Ideas), Südafrika (South African Journal of Philosophy), Deutschland (Zeitschrift für Politik), Brasilien (Kriterion), Spanien (u. a. Anales del Seminario de Historia de la Filosofía, Revista de Estudios Políticos, Pensamiento) und Chile.[5]
Herrera ist Mitglied in wissenschaftlichen Beiräte mehrerer akademischen Zeitschriften und Verlage, darunter der Revista de Ciencias Sociales der Universidad de Valparaíso. Er ist außerdem regelmäßiger Kolumnist für mehrere chilenische Medien, darunter die Zeitungen „La Tercera“,[6] „La Segunda“,[7] „El Mercurio“[8] „El Mostrador“[9], Revista Capital, The Clínic[10] und Ciper Chile.[11]
Denken
Herrera ist weit entfernt vom Neoliberalismus,[12] und hält es für notwendig, das chilenische politische Denken zu vertiefen. Dabei sollten Autoren und Dichter wie Miguel Serrano, Luis Oyarzún und Gabriela Mistral wiederbelebt werden.[13] Gleiches sollte mit Denkern der Tradition des chilenischen Essayismus passieren, die in den Historikern Alberto Edwards, Francisco Antonio Encina und Mario Góngora präsent ist.[14][15]
Er erkennt vier Traditionen innerhalb der chilenischen Rechten an: „christliches und liberales Denken, christliches Sozialdenken, national-populäres Denken und liberales und säkulares Denken.“[16] Sein Vorschlag besteht darin, diese Traditionen kritisch zu retten, um auf die Probleme der Gegenwart zu reagieren.[16]
Die Begriffe „Land“, „Volk“ und „Ereignis“ sind für seine intuitive und künstlerische Auffassung von Politik von besonderer Bedeutung. Zu diesem Zweck enthüllt Herrera den Einfluss intellektueller Traditionen wie des „Volksgeistes“ des vorromantischen Germanismus auf Denker wie Johann Gottlieb Fichte und Johann Gottfried Herder, des Vitalismus der zweiten Hälfte des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts (zum Beispiel Ludwig Klages, den er in „Oktober in Chile“ zitiert), des Gegensatzes zwischen „Gesellschaft“ und „Gemeinschaft“ bei Ferdinand Tönnies und das Denken der Ausnahme und des Ereignis Martin Heidegger und Carl Schmitt.[17]
Herrera zeichnet sich durch seine Präsenz als politischer Theoretiker, politischer Philosoph und Berater im politischen Leben aus.[18][19] Er steht Mario Desbordes nahe, dem derzeitigen Bürgermeister von Santiago de Chile (2025–2029), ehemaligen Präsidentschaftskandidaten und ehemaligen Vorsitzenden der Partei Renovación Nacional,[20] sowie zum zentristischeren Zweig der Partei Renovación Nacional, einem Mitglied der Internationalen Demokratischen Union. Als politischer Theoretiker, Philosoph und Berater beteiligt sich Herrera an der öffentlichen Debatte seines Landes.[21][22][23][24][25][26][27][28][29][30][31][32][33][34][35]
Werke (Auswahl)
| Jahr | Buch | Verlag |
|---|---|---|
| 2000 | „Fünf Essays zur Begründung der Praxis“ | Valparaíso: Ediciones de la Universidad de Valparaíso |
| 2005 | „Sein und Staat. Die ontologische Begründung politischer Praxis bei Helmut Kuhn“ | Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann |
| 2009 | „Wovon reden wir, wenn wir vom Staat reden? Ein philosophischer Essay zur Begründung politischer Praxis“ | Santiago de Chile: Instituto de Estudios Sociales |
| 2010 | „Carl Schmitt als politischer Philosoph.“ | Berlin: Duncker & Humblot |
| 2011 | „Jenseits des Szientismus“ | Santiago, Chile: Ediciones Universidad Diego Portales |
| 2012 | „Die Universitätsausnahme. Überlegungen zum chilenischen Hochschulwesen“ | Santiago, Chile: Ediciones Universidad Diego Portales |
| 2015 | „La derecha en la Crisis del Bicentenario“[36] | Santiago, Chile: Ediciones Universidad Diego Portales |
| 2016 | „Die fragile Universität“ | Santiago, Chile: Centro de Estudios Públicos |
| 2019 | „Oktober in Chile“ | Santiago, Chile: Katankura |
| 2020 | „Carl Schmitt between Thechnological Rationality and Theology“ | New York: SUNY Press |
| 2020 | „Revolutionäre rohe Vernunft“[37] | Santiago, Chile: Katankura |
| 2021 | „Crisis epocal y republicanismo popular“ (zusammen mit Mario Desbordes)[38] | Santiago, Chile: Ediciones del Puangue |
| 2021 | Gefährliche Denker. „Verstehen bei Francisco Antonio Encina, Alberto Edwards und Mario Góngora“ | Santiago, Chile: Ediciones Universidad Diego Portales |
| 2023 | Der letzte Romantiker. Das Denken Mario Gongoras | Santiago, Chile: Grupo Planeta |