Hugo Swart
deutscher Jurist, Verwaltungsbeamter und Politiker
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Hugo Otto Ferdinand Swart (* 8. Mai 1885 in Kassel; † 4. April 1952 in Heidelberg) war ein deutscher Verwaltungsjurist und Kommunalpolitiker (DVP, CDU). Er war 1945–1946 Chef der Staatskanzlei des Landes Groß-Hessen und von 1946 bis 1952 Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg.
Herkunft und Beginn der Verwaltungskarriere
Hugo Swart war ein Sohn des aus Ostfriesland stammenden preußischen Oberforstmeisters Georg Wilhelm Swart und dessen Frau Emma Auguste Frieda Hermine Albertine, geb. von Hugo. Er war evangelisch-reformierter Konfession. Nach der Reifeprüfung am Wilhelmsgymnasium in Kassel nahm er 1904 ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften sowie der Volkswirtschaft auf, das ihn an die Universitäten München, Lausanne, Berlin und zuletzt Marburg führte, wo er 1908 zum Dr. jur. promoviert wurde. Thema seiner Dissertation war Der Wildpark im Zivil- und Strafrecht nach deutschem Reichs- und preußischem Landesrecht unter Berücksichtigung der geschichtlichen Entwicklung dargestellt.
Nach den beiden juristischen Staatsexamen trat er 1911 als Regierungsassessor in den preußischen Verwaltungsdienst ein. Er unterstützte und vertrat zunächst den Landrat in Thorn (Westpreußen), bevor er 1914 zum kommissarischen Landrat des Kreises Ratibor in Oberschlesien ernannt wurde. Während des Ersten Weltkriegs wechselte er 1917 als persönlicher Referent des Regierungspräsidenten nach Oppeln. Er schied 1917–1918 vorübergehend aus dem Staatsdienst aus, um als Generalassistent des Generaldirektors der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken in Berlin zu arbeiten.
Karriere in der Weimarer Republik
Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte Swart in die preußische Staatsverwaltung zurück und wurde 1919 zum Landrat in Heydekrug (Ostpreußen) ernannt. Diesen Landkreis vertrat er von 1919 bis 1921 auch im Provinziallandtag der Provinz Ostpreußen. Infolge des Versailler Vertrages musste Deutschland 1920 das Memelland, in dem die Stadt Heydekrug (litauisch Šilutė) und der größte Teil des Landkreises lagen, an den Völkerbund (später an Litauen) abtreten. Der Kreis wurde daraufhin aufgelöst, Swart wurde zunächst ins Regierungspräsidium nach Königsberg und 1922 als persönlicher Referent des Oberpräsidenten Rudolf Schwander nach Kassel versetzt.
Im Jahr 1923 wurde er zum Landrat von Landsberg (Warthe) im Osten der Provinz Brandenburg ernannt, wo er bis 1930 im Amt war. Der brandenburgische Provinziallandtag wählte ihn 1930 mit den Stimmen von SPD, DVP, DDP und Zentrum für eine 12-jährige Amtszeit zum Landesdirektor.[1] In dieser Position leitete er den Provinzialverband Brandenburg, die höhere kommunale Selbstverwaltungskörperschaft der Provinz. Er selbst gehörte der nationalliberalen Deutschen Volkspartei (DVP) an.[2]
NS-Zeit
Infolge der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Swart im April 1933 von seinem Amt beurlaubt und im Juli desselben Jahres auf Grund von § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in den Ruhestand versetzt. Die NS-Zeit verbrachte er als Pensionär auf seinem Besitz in Schönhof, dann Lützow in Mecklenburg, bevor er 1941 nach Bensheim an der Bergstraße zog. In den beiden letzten Kriegsjahren 1943–1945 war er als Angestellter der Kreisverwaltung Heppenheim tätig.
Tätigkeiten nach 1945 und Oberbürgermeister von Heidelberg
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Swart von Juni bis Juli 1945 im von der amerikanischen Besatzungsmacht eingerichteten Oberregierungspräsidium Mittelrhein-Saar mit Sitz in Neustadt an der Weinstraße Stellvertreter des Leiters der Abteilung Innere Verwaltung und Leiter des Personalamts. Nach der Übergabe des Gebiets des heutigen Rheinland-Pfalz und Saarland an die französische Besatzungsmacht wechselte er Anfang September 1945 als Berater zur amerikanischen Militärregierung in Wiesbaden. Von Oktober 1945 bis Juli 1946 war Swart Staatssekretär im Staatsministerium des neuerrichteten Landes Groß-Hessen. Unter dem von der amerikanischen Besatzungsmacht eingesetzten Ministerpräsident Karl Geiler fungierte er dort als Chef der Staatskanzlei.
Die Stadtverordneten von Heidelberg wählten Swart, der mittlerweile CDU-Mitglied war, im Juli 1946 zum ersten regulären Oberbürgermeister der Stadt in der Nachkriegszeit. Bei der ersten Direktwahl des Stadtoberhaupts bestätigten die Heidelberger Bürger ihn im Februar 1948 in diesem Amt. Die sechsjährige Amtszeit konnte er jedoch nicht zu Ende führen, da er bereits im April 1952 in seinem 67. Lebensjahr starb.[2]
Familie
Hugo Swart heiratete 1911 Elsbeth (Gertrud Maria) Barthel aus Klostermansfeld, mit der er vier Kinder bekam. Seine Grabstätte liegt auf dem Bergfriedhof (Heidelberg), (Lit. F. 6).
Siehe auch
Literatur
- Rudolf Benl: Swart, Hugo Otto Ferdinand, Oberbürgermeister. Badische Biographien, Neue Folge, Band II. Hrsg. Bernd Ottnad. Kohlhammer-Verlag, Stuttgart 1987. S. 272–274
- Walter Habel: Wer ist wer? Das Deutsche Who’s Who. Arani-Verlag, Berlin 1951
- Norbert Korfmacher: Vorläufiges Mitgliederverzeichnis des ostpreußischen Provinziallandtages 1919 bis 1933, 2018, S. 56, Digitalisat.
Weblinks
- Swart, Hugo Otto Ferdinand. Hessische Biografie. (Stand: 31. Januar 2022). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Swart Hugo Otto Ferdinand – Biografie. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg.