Hurtigruten AS
norwegische Reederei mit Sitz in Tromsø
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Hurtigruten AS ist eine norwegische Reederei mit Sitz in Tromsø. Ihr Kerngeschäft ist der Betrieb von Schiffen auf der traditionellen Postschifflinie Hurtigruten.
| Hurtigruten AS | |
|---|---|
| Rechtsform | Aksjeselskap |
| Gründung | 1866 als Troms Fylkes Dampskibsselskap. |
| Sitz | Tromsø |
| Leitung | Hedda Felin (CEO) |
| Mitarbeiterzahl | 3534 (Vollzeitäquivalent 2023)[1] |
| Umsatz | 655,6 Mio. Euro (2023)[1] |
| Website | www.hurtigruten.com |
| Stand: 31. Dezember 2023 | |
Hurtigruten AS ist eine Tochtergesellschaft der seit 2014 bestehenden Hurtigruten Group,[2] unter deren Dach zudem Schwestergesellschaften für Nordkap- und Spitzbergenkreuzfahrten operieren. Das Geschäftsfeld HX für Expeditionskreuzfahrten wurde im Februar 2025 an eine Investorengruppe verkauft.
Darüber hinaus hält die Gesellschaft noch Anteile an norwegischen Transportunternehmen. Heimathafen aller Einheiten der Reederei ist Tromsø, wobei die Schiffe den Tochtergesellschaften zugeordnet sind.
Geschichte
Die Reederei wurde im März 2006 als ein Zusammenschluss der Reederei Troms Fylkes Dampskibsselskap A/S (TFDS) mit der Ofotens og Vesteraalens Dampskibsselskap A/S (OVDS) gegründet. Zunächst firmierte sie ein Jahr unter dem Namen Hurtigruten Group ASA, bis sie im März 2007 den Namen Hurtigruten Group ASE (Aktiengesellschaft) bekam. Mit Wirkung zum 17. Februar 2015 hat Silk Bidco AS alle Aktien der Hurtigruten ASE übernommen und die Hurtigruten ASE von der Börse genommen. Das Unternehmen hielt vorher bereits über 55 % der Anteilsscheine der Hurtigruten.[3] Die neue Rechtsform ist AS (GmbH). Die Silk Bidco AS ist ein Joint Venture der Kapitalinvestoren Home Capital AS, Periscopus AS und Investmentsfunds der britischen TDR Capital LLP.[4]
Als zweites Standbein, neben den Postschiffreisen, wurden ab dem Jahr 2007 Expeditionsreisen angeboten. Im Jahr 2021 wurden die Geschäftsfelder in separat operierende Einheiten unter dem Dach der Hurtigruten Group überführt: Hurtigruten Norwegen für den Postschiffverkehr, Hurtigruten Svalbard für das Spitzbergengeschäft und Hurtigruten Expeditions für die Expeditionskreuzfahrten.[5][6] Weitere Gesellschaften dienen der Strukturierung des operativen Geschäfts.[7]
Im Dezember 2023 wurde bekanntgegeben, dass das Geschäftsfeld Expeditionskreuzfahrten mit der Marke HX in ein eigenständiges Unternehmen transferiert wird.[8][9][10] und im November 2024 wurde bekanntgegeben, dass HX an eine Investorengruppe verkauft wird.[11] Die Abspaltung wurde im Februar 2025 vollendet.[12] Unter dem Dach der Hurtigruten Group verbleiben das klassische Postschiffgeschäft, nun wieder unter der Marke Hurtigruten, sowie Hurtigruten Svalbard.[9]
Nachhaltigkeit und Umweltschutz
Pilotfahrt mit 100 % Biokraftstoff
Die Reederei unternahm im Oktober 2025 mit dem Küstenpassagierschiff Richard With die erste vollständige Reise auf ihrer traditionellen Route von Bergen nach Kirkenes und zurück, bei der das Schiff ausschließlich mit 100 Prozent Biokraftstoff (HVO100) betrieben wurde. Die 5.000 Kilometer lange Fahrt wurde als Meilenstein in der maritimen Industrie und als wichtiger Beitrag zur kurzfristigen Reduzierung der CO₂-Emissionen der bestehenden Flotte gewertet.[13][14]
Der eingesetzte Kraftstoff HVO100 (*Hydrotreated Vegetable Oil*) ist ein synthetischer Dieselkraftstoff, der nach Angaben des Unternehmens und des Lieferanten St1 aus zertifizierten Rest- und Abfallstoffen wie gebrauchtem Speiseöl hergestellt wird. Hurtigruten gab an, dass durch die Nutzung von HVO100 die Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus um bis zu 90 Prozent im Vergleich zu fossilem Diesel gesenkt werden können. Die Richard With, die bereits mit einem Hybridantrieb ausgestattet ist, konnte den HVO100-Kraftstoff ohne technische Modifikationen der Motoren nutzen. Der Einsatz von Biokraftstoffen gilt demnach als Brückentechnologie, um mit der bestehenden Flotte schnell und effektiv Emissionen zu reduzieren, während langfristige, emissionsfreie Lösungen entwickelt werden.[15][16]
Parallel zum Biokraftstoffeinsatz verfolgt Hurtigruten das Forschungs- und Entwicklungsprogramm Sea Zero. Ziel dieses Projekts ist die Inbetriebnahme des weltweit ersten emissionsfreien Postschiffes bis zum Jahr 2030. Das Sea Zero-Konzept, das in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut SINTEF und weiteren Partnern entwickelt wird, strebt eine Energieeinsparung von 40 bis 50 Prozent gegenüber heutigen Schiffen an. Die geplante Energieversorgung basiert auf großen Batteriesystemen mit einer Kapazität von bis zu 60 MWh, unterstützt durch einziehbare, mit Solarzellen ausgestattete Wind- und Solarsegel.[17][18]
Umweltorganisationen wie die Deutsche Umwelthilfe äußern allgemein Bedenken bezüglich der globalen Skalierbarkeit von HVO100. Hauptkritikpunkte sind die begrenzte Verfügbarkeit von zertifizierten Abfallstoffen zur Deckung des gesamten Bedarfs des Transportsektors und die potenziellen Risiken einer schlechten Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe, was unter Umständen zu einer indirekten Förderung von Primärrohstoffen führen könnte. Die Aktion von Hurtigruten wird daher als ein wichtiger, aber nicht abschließender Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität gesehen.[19]
Finanzielle Probleme
Ab ihrer Gründung litt die Reederei nahezu konstant unter einer hohen Verschuldung. Aufgrund dieser Probleme war die Reederei gezwungen, ihre Geschäftsfelder neu zu ordnen. Dies führte zur Veräußerung von Geschäftsfeldern; so trennte sich die Gesellschaft am 5. Januar 2009 von ihrem Geschäftsbereich Fähren und „Hurtigbåter“, die an die Tochtergesellschaft Torghatten Nord der Torghatten ASA veräußert wurden.[20] Außerdem wurden im selben Jahr alle Beteiligungen an Hotels und Reiseveranstaltern verkauft. Ebenfalls aus Kostengründen wurden die Hurtigrutenschiffe Nordlys und Nordnorge vorübergehend aufgelegt.
Geschäftsfelder und Beteiligungen
Die Postschifflinie der Hurtigruten
Die Reederei betreibt die meisten Schiffe auf der Postschifflinie Hurtigruten.
2018 wurde ein neuer Konzessionsvertrag mit dem norwegischen Verkehrsministerium vereinbart, demzufolge ab 2021 von elf benötigten Schiffen Hurtigruten AS sieben, die Reederei Havila Kystruten vier bereitstellen werden; gleichzeitig sind neue Umweltauflagen in Kraft getreten.
Touristische Reisen
Nach der Abtrennung von HX bietet Hurtigruten neben den klassischen Postschiffreisen noch touristische Reisen mit dem Fokus auf Norwegen, Nordkap und Svalbard an.
Aktuelle Flotte
Seit 2025 betreibt Hurtigruten AS eine Flotte von zehn Schiffen.
| Schiff | Baujahr | Letzte Modernisierung | Größe | Kapazität | Route | Hybridantrieb | Schiffsbild | Beleg | |||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Länge (m) | Breite (m) | BRZ | Passagiere | Autos | |||||||
| Vesterålen | 1983 | 2025/2026 | 108.55 | 16.5 | 6,261 | 490 | 24 | Original | Nein | [21] | |
| Kong Harald | 1993 | 2023 | 121.8 | 19.2 | 11,204 | 590 | 5 | Original | Ja | [22] | |
| Richard With | 1993 | 2018 | 121.8 | 19.2 | 11,205 | 590 | 12 | Original | Ja | [23] | |
| Nordlys | 1994 | 2019 | 121.8 | 19.2 | 11,204 | 590 | 24 | Original | Ja | [24] | |
| Polarlys | 1996 | 2023 | 123 | 19.5 | 11,341 | 650 | 26 | Original | Nein | [25] | |
| Nordkapp | 1996 | 2024 | 123.3 | 19.5 | 11,386 | 590 | 24 | Original | Nein | [26] | |
| Nordnorge | 1997 | 2022 | 123.3 | 19.5 | 11,384 | 590 | 32 | Original | Nein | [27] | |
| Finnmarken | 2002 | 2020 | 138.5 | 21.5 | 15,690 | 530 | - | Signature | Ja | [28] | |
| Trollfjord | 2002 | 2023 | 135.75 | 21.5 | 16,140 | 500 | - | Signature | Nein | [29] | |
| Midnatsol | 2003 | 2021 | 135.75 | 21.5 | 16,151 | 818 | 17 | Original | Nein | [30] | |
Beteiligungen
Die Reederei war zu 50 % an der norwegischen Reederei Nor Lines beteiligt. Ferner hielt die Hurtigruten ASA 70,15 % der Anteile der am 1. November 2016 eingestellten TIRB (vormals Troms Innland Rutebil), eines Transportunternehmens mit Sitz in Finnsnes, das neben Überlandbusverbindungen auch LKW im Nah- und Fernverkehr einsetzte. Über TIRB war sie darüber hinaus an den regionalen Transportgesellschaften Tromsbuss (1960–2008) und Ofotens Bilruter (1938–2008) beteiligt.
Besatzung und Arbeitsbedingungen


Alle Hurtigrutenschiffe fahren unter norwegischer Flagge. Solange durch staatliche Subventionen ein erheblicher Teil der Betriebskosten getragen wird, gilt ein Ausflagg-Verbot für die Reederei. So sind auf allen Schiffen des Linienverkehrs – mit nur wenigen Ausnahmen – ausschließlich norwegische Offiziere an Bord. Dies gilt nicht mehr für die Expeditionsschiffe, die in einem Zweitregister in Norwegen registriert sind. Auch bei der übrigen Besatzung ist der Anteil norwegischer Arbeitskräfte sehr hoch.[31] Im Gegensatz zu Schiffen anderer Reedereien ist der Anteil von Arbeitskräften aus sogenannten Billiglohn-Ländern verschwindend gering. Die Schiffe der Hurtigruten haben eine zwischen 31 (Vesterålen) und 85 Personen (Finnmarken) starke Besatzung. Die Besatzung bleibt zwei Umläufe, also 22 Tage, an Bord und hat danach 22 Tage frei. Der Personalwechsel findet in der Regel in Bergen statt.









