Hößlinswart

Pfarrdorf und seit 1975 ein Gemeindeteil der Großgemeinde Berglen im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis From Wikipedia, the free encyclopedia

Hößlinswart (früher Höslinswart) ist ein Pfarrdorf und seit 1975 ein Gemeindeteil der Großgemeinde Berglen im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Der Ort gehört zur Region Stuttgart und liegt vollständig im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Hößlinswart wurde für seine Töpferwaren bekannt.

Schnelle Fakten Gemeinde Berglen ...
Hößlinswart
Gemeinde Berglen
Wappen von Hößlinswart
Koordinaten: 48° 50′ N,  28′ O
Höhe: 364 m ü. NN
Postleitzahl: 73663
Vorwahl: 07181
Karte
Lage von Hößlinswart in Berglen
Luftbild von 1985
Luftbild von 1985
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Geographische Lage

Hößlinswart ist innerhalb der Großgemeinde Berglen die südlichste Gemeinde und liegt auf einer gerodeten Hochebene.

Umliegende Ortschaften sind Ödernhardt und Kottweil im Norden, Mannshaupten und Schornbach im Osten, Winterbach im Südosten, Rohrbronn im Süden, Buoch im Westen sowie Reichenbach und Steinach im Nordwesten.

Ortsname

Nach dem Historiker Lutz Reichardt bedeutet der Ortsname „von Haselsträuchern umgebener Beobachtungsplatz“.[1]

Geschichte

Ansicht von Hößlinswart (Heselwarth) aus dem 17. Jahrhundert (1686) aus dem Forstlagerbuch von Andreas Kieser

Hößlinswart ist wahrscheinlich in der jüngeren Ausbauzeit entstanden. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf im Jahr 1347 als Hesliwart. Nach dem Ende der Stauferzeit kam Hößlinswart vermutlich zusammen mit Schorndorf und anderen ehemals staufischen Besitztümern im Jahr 1250 an das Haus Württemberg. Somit wird Hößlinswart zur Region Alt-Württemberg gezählt. Bis zur Einführung der Reformation bestand ein kleines Männerkloster (Bruderhaus) im Ort.[2] Hößlinswart gehörte zunächst zu Schornbach im altwürttembergischen Oberamt Schorndorf. Nach der napoleonischen Fremdherrschaft und den Befreiungskriegen wurde Hößlinswart 1819 zu einer eigenständigen Gemeinde erhoben.

Im 19. Jahrhundert lebten die Einwohner von Hößlinswart hauptsächlich von der Landwirtschaft. Der Obstbau war im zunehmen und man pflanzte vor allem Kirschen. Aus den Früchten brannte man Kirschgeist. Früchte zum Rohverzehr gingen an auswärtige Händler, welche die Kirschen auf den Märkten von Schorndorf, Stuttgart und andere Städten anboten. Daneben war die Viehzucht von großer Bedeutung, besonders die Aufzucht und Mast von Gänsen. Viele Einwohner betrieben auch das Töpferhandwerk und stellten in Heimarbeit Gefäße her. Daher wurden die Einwohner von den Menschen der umliegenden Orte auch Häfner genannt. Zur Blütezeit der Keramikproduktion waren in Hößlinswart etwa 30 Töpfermeister mit Werkstätten und Hilfskräften ansässig.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das aus militärischer Sicht völlig unbedeutende Hößlinswart von amerikanisch-britischen Flugzeugen angegriffen, die durch Bombenabwürfe schwerwiegende Schäden verursachten.

Durch die Ansiedlung von Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten des Deutschen Reichs nahm die Bevölkerung von Hößlinswart stark zu. Daher musste das Dorf in alle Richtungen erweitert werden.

In den 1970er Jahren strebte die Landesregierung unter Hans Filbinger (CDU) eine Gemeindereform an. Durch die Maßnahme sollte die Anzahl der kleineren Gemeinden reduziert und neue leistungsfähige Großgemeinden geschaffen werden. Für die neuen Großgemeinden wurde eine Einwohnerzahl von 5000 angestrebt. Dies bedeutete für die Gemeinde Hößlinswart zwangsläufig das Aus, da die Einwohnerzahl zu gering war und sich kein Partner für eine Gemeindefusion fand.

Nach längeren Verhandlungen trat Hößlinswart als letzte Gemeinde am 1. Januar 1975 der neugeschaffenen Gemeinde Berglen bei.

Religion

Evangelische Kirche

Seit der Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich 1535 ist Hößlinswart wie ganz Alt-Württemberg evangelisch-lutherisch geprägt. Hößlinswart gehörte früher zur Pfarrei Buoch. 1847 erhielt Hößlinswart eine ständige Pfarrverweserei und wurde 1864 zu einer eigenständigen Kirchengemeinde. Die kleine Kapelle aus dem 17. Jahrhundert wurde durch ein modernes Gemeindezentrum ersetzt. Die neue Kirche erhielt im Jahr 2003 einen Anbau. Bis 2019 bildete Hößlinswart eine eigenständige Kirchengemeinde im Kirchenbezirk Schorndorf und gehört seitdem zum Kirchenbezirk Waiblingen. Die wenigen römisch-katholischen Christen sind zumeist nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogen und nach Winnenden eingepfarrt.[3]

Politik

Ehemaliges Gemeindewappen

Wappen und Flagge

Die Altgemeinde Hößlinswart führte ein Gemeindewappen sowie eine Hiss- und eine Bannerflagge.

Die Blasonierung des ehemaligen Gemeindewappens lautet: Auf silbernem (weißen) Wappenschild ein blauer Krug.

Wappenbegründung: Der Krug weist auf die früher bedeutenden Töpfereien hin.

Die Gemeindefarben waren Blau-Weiß.

Mit der Auflösung der Gemeinde am 1. Januar 1975 ist das Wappen erloschen. Es kann noch von Vereinen und Privatpersonen zur Traditionspflege, etwa als Abzeichen oder Wimpel verwendet werden.

Bildungseinrichtungen

In Hößlinswart besteht eine Grundschule.

Sehenswürdigkeiten und Kulturdenkmäler

An der Landstraße L 1140 erinnert ein Findling mit Inschriften an die jungen Wehrmachtssoldaten Walter Hauser aus Auendorf und Hermann Moll aus Gruibingen, die in den letzten Kriegstagen bei aussichtslosen Kämpfen gegen die US-Armee gefallen sind.[4]

Einige ehemalige Häfnerhäuser (Hirschstraße 25 und 43; Bärenstraße 10 und 16) erinnern an die früher zahlreichen Töpfereibetriebe.

Vereine

  • Sportverein KTSV Hößlinswart

Ortsneckname

Ältere Einwohner von Hößlinswart wissen noch, dass sie in früheren Zeiten wegen den vielen Töpfereien von den Einwohner der umliegenden Orten die Häfner genannt wurden. Ein anderer Neckname ist Häfegurrle.[5]

Literatur

  • Ilse Böwing-Bauer: Die Berglen. Hopfer Verlag, Tübingen 1958.
  • Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Verlag Konrad Theiss 1980, ISBN 3-8062-0243-5. S. 285.
  • Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN. Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart 1990, ISBN 3-12-258290-2, S. 197–198.
  • Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Rems-Murr-Kreises. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1993, ISBN 3-17011967-2.
Commons: Hößlinswart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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