Hüde
Gemeinde im Landkreis Diepholz in Deutschland
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Hüde ist eine Gemeinde in der Samtgemeinde Altes Amt Lemförde im Landkreis Diepholz in Niedersachsen.
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 52° 30′ N, 8° 21′ O | |
| Bundesland: | Niedersachsen | |
| Landkreis: | Diepholz | |
| Samtgemeinde: | Altes Amt Lemförde | |
| Höhe: | 41 m ü. NHN | |
| Fläche: | 24,41 km² | |
| Einwohner: | 1240 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 51 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 49448 | |
| Vorwahlen: | 05443, 05447 (Burlage) | |
| Kfz-Kennzeichen: | DH, SY | |
| Gemeindeschlüssel: | 03 2 51 020 | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Hauptstraße 80 49448 Lemförde | |
| Website: | www.lemfoerde.de | |
| Bürgermeister: | Heiner Richmann (Wählergemeinschaft) | |
| Lage der Gemeinde Hüde im Landkreis Diepholz | ||
Geografie
Gemeindegliederung
Zur Gemeinde Hüde gehören das Dorf Hüde sowie Sandbrink, Burlage, Evershorst, Mecklinge, Haßlinge, Kuhlhorst, Sandhorst und Berglage.[2] Das Dorf Hüde ist, wie die anderen Ortsteile der politischen Gemeinde Hüde, was die traditionell evangelisch-lutherische Mehrheit in der Gemeinde anbelangt, nach Burlage eingepfarrt.
Nachbargemeinden
Angrenzende Nachbargemeinden sind (von Norden dem Uhrzeigersinn entsprechend) Lembruch, Marl, Brockum (alle Landkreis Diepholz) und Damme (Landkreis Vechta).
Lage
Hüde ist staatlich anerkannter Ausflugsort und liegt im Naturpark Dümmer direkt am Dümmer zwischen Osnabrück und Bremen. Die Gemeinde gehört der Samtgemeinde Altes Amt Lemförde an, die ihren Verwaltungssitz in dem Flecken Lemförde hat.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete
Das Gemeindegebiet von Hüde gehört hydrologisch zum Flusssystem der Weser, Untereinheit Hunte.
Zentrales Gewässer ist der Dümmer-See, an dessen Ufer ein Großteil der Gemeinde liegt. Mit einer Fläche von etwa 12–13,5 km² ist er der zweitgrößte See Niedersachsens. Die durchschnittliche Tiefe beträgt rund 1,0 m, die maximale etwa 1,5 m. Der Zu- und Abfluss erfolgt über die Hunte, die den See von Süden nach Norden durchquert. Der Dümmer dient sowohl als Erholungsgebiet als auch als bedeutendes Biotop für Wasservögel und steht teilweise unter Naturschutz (NSG HA 251)[3].[4][5][6][7]
Westlich von Hüde verläuft die Hunte durch die Dümmerniederung. Charakteristisch sind Altarme, Überschwemmungsflächen sowie Schilf- und Röhrichtzonen mit Anbindung an Moore, Feuchtwiesen und Auen. Ergänzt wird das Gewässersystem durch ein dichtes Netz aus Vorflutern sowie Wiesen- und Moorgräben.
Das Ochsenmoor ist ein ausgewiesenes Feucht- und Moorgebiet in der Dümmerniederung bei Hüde. Es umfasst Niedermoore, Seggenriede, Röhrichte sowie stellenweise Bruchwälder und Überstauflächen. Das Gebiet ist Teil des FFH-Gebiets und des EU-Vogelschutzgebiets „Dümmer“.[8]
Die Hohe Sieben war ein rund 75 Hektar großes Naturschutzgebiet (NSG HA 035) innerhalb des FFH- und Vogelschutzgebiets am Dümmer. Als Bestandteil der Feucht- und Niederungslandschaft trug es mit Bruchwäldern sowie Feucht- und Nasswiesen zur biologischen Vielfalt der Region bei. Es liegt ebenfalls in der Dümmerniederung.[9][10]
Der Dümmer und sein Umland gehören zum Naturpark Dümmer, der zahlreiche Moor- und Feuchtgebietsstrukturen umfasst, darunter Bereiche der Diepholzer Moorniederung sowie Seggen- und Röhrichtzonen. Diese Lebensräume sind artenreich und von besonderer Bedeutung als Brut-, Rast- und Durchzugsgebiete für Wasser- und Wiesenvögel.[11][12]
Hüde liegt im Niederungsgebiet des Dümmerraums und ist hydrologisch durch einen hohen Grundwasserstand, entwässerte Moor- und Niedermoorböden sowie die Regulierung des Wasserhaushalts geprägt. Zu den Herausforderungen zählen die Sicherung des Hochwasserschutzes, der Umgang mit Nährstoffeinträgen und die Wasserstandsregulierung im Zusammenhang mit dem Dümmer insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels. Ökologisch stehen der Erhalt und die Wiederherstellung von Moor- und Feuchtlebensräumen sowie der Schutz der Biodiversität im Spannungsfeld von Landwirtschaft, Tourismus und Naturschutz.[13][14]
Untergrundsituation
Hüde liegt in der Norddeutschen Tiefebene in der Dümmerniederung und bildet eine Übergangszone zwischen Geest- und Moorlandschaft. Die geologischen Strukturen entstanden überwiegend während der letzten Eiszeit (Weichsel-Kaltzeit). Die oberen 0–3 m bestehen aus weichen, setzungsempfindlichen Moorböden (Torf, Niedermoortorf), die durch Verlandung im Dümmergebiet entstanden. Darunter folgen bis ca. 15 m Feinsande, Schluff, tonige Ablagerungen und eiszeitliche Schmelzwassersedimente. In größeren Tiefen liegen Geschiebemergel, Geschiebelehm und einzelne Findlinge aus skandinavischen Gletscherablagerungen.[15][16][17] Sehr flacher, phreatischer Aquifer direkt unter Torf/Schluff (häufig 0–3 m u. GOK in der Niederung). Regionale Sand/Kies-Aquifere treten meist in ~5–30 m Tiefe auf (lokal variierend). Tiefere überregionale Aquifere können bis in mehrere 10er / 100er Meter reichen. Süßwasser-Grundwasserleiter in Niedersachsen ist generell bis ~300 m Tiefe möglich.[18][19]
Klima
In Hüde herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt.
2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C. Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden. Es gibt je nach Messmethode und Definition durchschnittlich etwa 1627–2275 Sonnenstunden pro Jahr.[20]
Im Zeitraum 2012–2021 fiel im Raum Diepholz/Hüde im Durchschnitt 528 mm Niederschlag pro Jahr.[21]
Geschichte
Zwischen den Dörfern Hüde und Sandbrink befand sich im Mittelalter die Gerichtsstätte für „comitium Wischfrisonum“, zu der Lembruch, Hüde und Marl gehörten. Diese comitia mit den drei Ortschaften verlieh 1318 Herzog Otto von Braunschweig dem Edelherren Rudolf von Diepholz, womit Hüde an die Herrschaft Diepholz kam. Vermutlich ist dies die erste urkundliche Erwähnung von Hüde.
Bis zum Tod von Graf Friedrich II. im Jahr 1585 fungierten die 1530 zu Grafen ernannten vormaligen Edelherren von Diepholz für die Einwohner Hüdes als Obrigkeit. Die Grafschaft fiel nach Friedrichs Tod an die Herzöge zu Braunschweig Lüneburg bzw. das Fürstentum Calenberg, welches 1692 im Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) aufging. Auf dem Wiener Kongress wurde 1815 das Königreich Hannover gegründet, welchem Hüde bis 1866 angehörte. Nach der Annexion des Königreichs durch das Königreich Preußen in demselben Jahr lag Hüde im Königreich Preußen. Dieses wurde 1871 Teil des neugegründeten Deutschen Reichs.
Politik
Gemeinderat
Der Gemeinderat von Hüde setzt sich aus zehn Ratsfrauen und Ratsherren sowie dem Bürgermeister zusammen. Alle Ratsmitglieder, darunter zwei Frauen, gehören der Wählergemeinschaft Hüde an. (Stand: Kommunalwahl am 12. September 2021)[22]
Bürgermeister
Der ehrenamtliche Bürgermeister Heiner Richmann (SPD) wurde erstmals am 9. September 2001 gewählt. Gemeindedirektoren sind seit jeher die Samtgemeindebürgermeister, aktuell Lars Mentrup.
bisherige Amtsinhaber:
- 1946–1984: Ludwig Gefe, CDU (1956–1968 Landrat von Diepholz, erhielt 1969 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse)
- 1985–2001: Wolfgang Lustig
- seit 2001: Heiner Richmann (WGH)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
In der Liste der Baudenkmale in Hüde sind 18 Baudenkmale aufgeführt, darunter die im frühen 17. Jahrhundert errichtete Marienkirche in Burlage und ländliche Fachwerkhäuser. Sehenswert sind auch nicht unter Denkmalschutz fallende Fachwerkhäuser in Hüde, insbesondere die reetgedeckten unter ihnen.
- St. Marienkirche in Burlage
- Dorfhaus am Dorfplatz im Zentrum Hüdes am nördlichen Ende eines Fachwerkhaus-Ensembles
- Südliches Ende des Fachwerkhaus-Ensemblems im Zentrum Hüdes
- Kunsthandwerker Deele an der Ludwig-Gefe-Straße im Dorf Hüde, 2018 noch „Basteldeele“ genannt
- Reetgedeckte Fachwerkhäuser mit gekreuzten Pferdeköpfen (Typ niederdeutsche Hallenhäuser)
Regelmäßige Veranstaltungen
Im jährlichen Wechsel mit der Gemeinde Lembruch findet am letzten Augustwochenende die Großveranstaltung „Der Dümmer brennt“ statt (in Hüde immer an den ungeraden Jahreszahlen). Der Höhepunkt dieser Veranstaltung ist ein ca. 15 bis 20 Minuten andauerndes Feuerwerk, welches von einer Plattform auf dem See gezündet wird.
Wirtschaft und Infrastruktur
Tourismus

Freizeitangebote am und auf dem Dümmer bilden den wichtigsten Erwerbszweig in Hüde. Um im Sinne eines sanften Tourismus die Belange des Segelsports mit denen des Naturschutzes vereinbar zu machen, wurde von 2005 bis 2007 eine Sanierung des Bootshafens Hüde durchgeführt.[23]
Verkehr
Östlich verläuft in unmittelbarer Nähe die Bundesstraße 51, Diepholz – Osnabrück.
Vom Ortskern Hüdes bis Lembruch verläuft, weitgehend auf dem Hüder Abschnitt des 18 km langen Rundwegs für Rad- und Fußwanderer um den Dümmer herum, ein Skulpturenpfad mit dem Namen „See Sicht“.[24]
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten, die in Hüde gewirkt haben
- Walter von Sanden-Guja (1888–1972), Schriftsteller, Dichter und Naturforscher
- Ernst Füller (1918–2008), Heimatkundler und erster Ehrenbürger der Gemeinde Hüde[25]
- Erich A. Klauck (1897–1979), Maler, Expressionist, tätig in Danzig und Nidden, beeinflusst vom „Brücke“-Kreis, einige Jahre in Wien, ab ca. 1950 in Hüde[26]
