Ichthyophonus
Gattung einzelliger eukaryotischer Parasiten von Fischen
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Ichthyophonus ist eine Gattung einzelliger eukaryotischer Parasiten von Fischen. Die Gattung wurde 1911 von der deutschen Biologin Marianne Plehn (1863–1946) und ihrem Assistenten Karl Mulsow (~1887–1915) aufgestellt,[1][2][3] mit der Typusart Ichthyophonus hoferi.[1] Ursprünglich hielt man diese Organismen für Pilze, aber Ergebnisse phylogenetischer Analysen Ende des 20. Jahrhunderts deuten darauf hin, dass diese Protisten sowohl mit Pilzen als auch mit Tieren verwandt sind.[4][5]
| Ichthyophonus | ||||||||||||
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Hyphee (oder Keimschläuche) und Schizonten von Ichthyophonus hoferi | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Ichthyophonus | ||||||||||||
| Plehn & Mulsow 1911 |

I. gasterophilus und I. hoferi wurden als die Hauptverursacher von Infektionen (Ichthyophonose) bei Lachsfischen (Salmonidae) ermittelt.[6]
Ichthyophonus hoferi
Die am meisten verbreitete und untersuchte Art ist die Typusart Ichthyophonus hoferi, der Erreger der Ichthyophonose bei Fischen. Dieser Parasit wurde bei mehr als 100 Fischarten in verschiedenen Gewässern der gemäßigten und tropischen Breitengrade gefunden. Er ist ein potenzieller Krankheitserreger für viele wichtige Handels- und Zuchtfische wie Plattfische, Seebarsch, Schellfisch, Hering, Makrele, Sprotte und andere. Eine Infektion führt immer zum Tod der Fische.
Ichthyophonus hoferi verursacht die sogenannte Taumelkrankheit, die alle Süßwasserfischarten und viele Meeresfische heimsuchen kann. Aus den mit der Nahrung aufgenommenen Dauerstadien des Pilzes werden im Fischdarm amöbenartige Plasmodien frei. Sie gelangen durch die Darmwand in das Blutgefäßsystem und werden so in die verschiedenen inneren Organe, zum Beispiel die Leber oder die Nieren, transportiert. Hier umgeben sie sich mit einer Hülle und wachsen allmählich heran. Aus diesen Zysten werden wieder Tochterplasmodien frei, aus denen sich weitere Zysten entwickeln. Schließlich brechen die Sporen von Innen her durch kleine Hauptgeschwüre nach außen durch, werden frei und sorgen für die weitere Verbreitung.
Die äußeren Symptome erkrankter Fische sind Gleichgewichtsstörungen (Taumeln), Appetitlosigkeit, Abmagern und plötzlicher Tod. Gelegentlich findet man auch kleine Geschwulstbildungen auf der Haut. Die inneren Organe weisen kleine runde Zysten auf. Stark befallene Organe fühlen sich vielfach hart und sandig an. Eine gesicherte Diagnose ist meist nur vom Fachmann aufgrund histologischer Untersuchungen möglich. Die Krankheit ist sehr ansteckend. Die Infektion erfolgt durch Sporen und Pilzfäden über den Kot, eventuell auch über infizierte Kleinkrebse und bei Teichfischen auch durch Verfütterung kranker Meeresfische. Eine medikamentöse Behandlung ist nicht möglich. Stark befallene Bestände sollten deshalb unbedingt vernichtet und die Teiche im Anschluss daran sorgfältig desinfiziert werden.[7]
Das Genom von I. hoferi Isolat B97 aus einer im Juli 2011 entnommenen Probe von adultem Königslachs (Quinnat, englisch Chinook salmon, wiss. Oncorhynchus tshawytscha) aus dem Yukon River (Alaska) wurde sequenziert und im November 2017 veröffentlicht. Das haploide Genom hat eine Länge von über 80 Mbp (Megabasenpaaren) und einen GC-Gehalt von 33,5 %.[8]
Artenliste

Gattung Ichthyophonus Plehn & Mulsow 1911(G,N,W,T)
- Spezies Ichthyophonus gasterophilus (Caullery & Mesnil) V. Sprague, 1965[12][6][13] [Ichthyophonus gasterophilum[14]]
- Spezies Ichthyophonus hoferi Plehn & Mulsow, 1911(G,N,W,T)[6][14]
- Spezies Ichthyophonus intestinalis L. Léger & E. Hesse, 1923[15][16][14]
- Spezies Ichthyophonus irregularis T.G. Rand, K. White, Cannone, Gutell, C.A. Murphy & M.A. Ragan, 2000(N,T)[17][14]
- Spezies Ichthyophonus lotae Leger 1925[14]
unveröffentlichte Arten mit provisorischen Bezeichnungen:
- Spezies Ichthyophonus sp. A3, Wirt: Meeräschen (Mugilidae) aus dem westlichen Mittelmeer, 2009(N)[18]
- Spezies Ichthyophonus sp. D5, Wirt: Meeräschen (Mugilidae) aus dem westlichen Mittelmeer, 2009(N)[18]
- Spezies Ichthyophonus sp. ex Theragra chalcogramma(N) [Ichthyophonus sp. VCW-2012(N)], Wirt: Pazifischer Pollack (Theragra chalcogramma 20061074c), Nordpazifik[19]
- Spezies Ichthyophonus sp. ID-155-N1–2, Wirt: Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss), Idaho (USA), August 2015(N)
- Spezies Ichthyophonus sp. ID-155-N2-1, Wirt: Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss), Idaho (USA), August 2015(N)
- Spezies Ichthyophonus sp. JLG-2013a, Wirt: Sebastes flavidus (yellowtail rockfish), Pazifik, 2011(N)
- Spezies Ichthyophonus sp. JLG-2013b(N)
- Spezies Ichthyophonus sp. JLG-2013c(N)
- Spezies Ichthyophonus sp. JLG-2013d(N)
- Spezies Ichthyophonus sp. JLG-2013e(N)
- Spezies Ichthyophonus sp. JLG-2013f(N)
Quellen:
- (G)– Global Biodiversity Information Facility (GBIF)[10]
- (N)– National Center for Biotechnology Information (NCBI) Taxonomy Browser[3]
- (T)– The Taxonomicon (taxonomy.nl)[11]
- (W)– World Register of Marine Species (WoRMS)[9]