Igelbus
Busse, welche im Nationalpark Bayerischer Wald fahren
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Als Igelbusse werden zwei Bussysteme im Nationalpark Bayerischer Wald bezeichnet, die um die beiden Nationalparkzentren Rachel-Lusen und Falkenstein in der Sommersaison von Mai bis November sowie in den beiden bayerischen Winterschulferien täglich verkehren. Sie sind in das Nationalpark-Verkehrskonzept Bayerischer Wald integriert.

Geschichte

Das Igelbussystem wurde im Jahr 1996 eingeführt, die erste Igelbussaison startete am 15. Mai 1996 mit insgesamt vier Linien: Dem Finsteraubus (Linie 6115), dem Freyungbus (Linie 6203) dem Lusenbus (Linie 7594) und dem Rachelbus (Linie 7595). Bis zum Ende der Saison am 31.10. verkehrten die Busse täglich.
Als Vorgängerlinie der Rachel-Lusen-Igelbusse gilt die „Nationalparklinie Ost“ zwischen Schönbrunn am Lusen, Hohenau, Neuschönau und Mauth/Finsterau. Diese wurde am 2. Juni 1991 eingerichtet und verkehrte in diesem Jahr bis 27. Oktober täglich mit drei Buspaaren. Betrieben wurde diese Linie vom Busunternehmen Prager. Als Tarif war ein Einheitspreis von 3 DM (entspricht 1,53 Euro) pro Fahrt bzw. 4,50 DM (2,30 Euro) für eine Hin- und Rückfahrkarte festgesetzt. Drei Viertel der Kosten für diese Buslinie wurden von den Gemeinden Hohenau, Mauth und Neuschönau, dem Landkreis Freyung-Grafenau, sowie dem Freistaat Bayern getragen. Ein Viertel der Kosten wurde über Fahrgeldeinnahmen gedeckt[1]. Diese Linie wurde 1996 leicht abgeändert und durch drei Linien ergänzt.
Im Rahmen einer Diplomarbeit an der Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“ der Technischen Universität Dresden wurde für diesen touristischen Verkehr das Nahverkehrskonzept Igelbusse entwickelt.[2]
Um die Verbindungen zum Wandergebiet Großer Falkenstein sowie Großer Arber herzustellen, wurden 2001 von Zwiesel ausgehend mehrere Kleinbuslinien geschaffen. Die beiden Falkensteinlinien (7149 und 7150) werden seit 2007 als Igelbusse bezeichnet.
Aufgrund der geringen Nachfrage und reduzierter Zuschüsse sollte der Freyungbus nach der Saison 2002 eingestellt werden.[3] Die Einstellung konnte durch eine Reduzierung des Fahrtangebots auf zwei Tage (Dienstag und Donnerstag) abgewendet werden.
Im Rahmen der Reaktivierung der Bahnstrecke Passau–Freyung wurden am 11. September 2010 drei weitere Buslinien von Freyung und Waldkirchen ausgehend eingeführt. Die schwach angenommene Buslinie Freyung–Finsterau wurde 2012 nicht mehr fortgeführt. Die beiden übrigen Linien wurden hierfür ausgebaut und der Anschluss in Richtung Finsterau über Neuschönau hergestellt. Auch diese beiden Linien existieren mittlerweile nicht mehr.
2012 wurde das Projekt um weitere fünf Jahre bis 2017 verlängert.[4]
Von Beginn der Weihnachtsferien 2010 bis 15. Mai 2011 sollten erstmals durchgängig Winterigelbusse im Rachel-Lusen-Gebiet fahren. Die Finanzierung der notwendigen 126.000 Euro Mehrkosten sollte durch die am GUTi teilnehmenden Gemeinden, den Landkreis Freyung-Grafenau sowie Fahrgeldeinnahmen und einem GUTi-Anteil sichergestellt werden.[5] Für die Winterigelbusse wurden die Linien 6202 (Klingenbrunn - Waldhäuser) und 6204 (Grafenau - Finsterau) geschaffen. Zu Beginn waren auf der Linie 6202 vier Fahrtenpaare und auf der Linie 6204 drei Fahrtenpaare im Einsatz. Als sich der Landkreis Freyung-Grafenau 2016 von der Finanzierung der Winterigelbusse zurückzog, wurde diese von den am Winterigelbussystem beteiligten Gemeinden gemeinsam übernommen. Durch die Straffung der Fahrtenpaare und eine Anpassung der Verkehrszeiten an die touristische Hochsaison konnte die finanzielle Belastung der Gemeinden im Rahmen gehalten werden.[6] Ab der Wintersaison 2016/17 waren auf der Linie 6202 drei Fahrtenpaare und auf der Linie 6204 zwei Fahrtenpaare unterwegs.
Im Falkensteingebiet wurden an Wochenenden in den Wintermonaten die Takte verdichtet. Die Mehrkosten von 16.000 Euro trägt hier der Landkreis Regen.[7]
Ein großer Einschnitt in das Igelbussystem war der Betreiberwechsel. Der Betrieb ging nach über 20 Jahren von der Regionalbus Ostbayern GmbH (RBO) auf eine Bietergemeinschaft bestehend aus den Busunternehmen Alois Pfeffer, Martin Pfeffer und Sieghart Reisen über. Damit einhergehend änderte sich auch die Nummerierung der Linien (601, 602, 603 anstatt 6115, 7194, 7195). Von dieser Umstellung waren zuerst die Winterigelbusse betroffen, welche seit der Saison 2018/2019 durch die neue Bietergemeinschaft betrieben werden.[8] Bei den Sommerigelbussen erfolgte die Umstellung in der Saison 2020.[9]
Nach dem Betreiberwechsel wurden bis zur Winterigelbussaison 2019/20 die beiden Linien 6202 und 6204 weiterbetrieben. In den Saisonen 2020/21 und 2021/22 wurde nur die Linie 604 (Klingenbrunn - Finsterau) betrieben. Mit Beginn der Saison 2022/23 wurde die Linie 604 auf die Linien 604 A, 604 B und 604 C aufgeteilt und bisher nicht bediente Orte wie Schönberg oder Freyung in das Winterigelbussystem integriert.[10] Im Gegenzug verkehren nur noch zwei Fahrtenpaare pro Tag. Zu Beginn der Saison 2025/26 wurden die Betriebszeiten angepasst, die Busse fahren nur noch bis zum Ende der Faschingsferien und nicht mehr in den bayerischen Osterferien. Auch wurde der Linienweg der Linie 604C abgeändert, der Bus fährt nun direkt von Grainet und Freyung aus nach Philippsreuth und weiter nach Finsterau und Neuschönau. Zudem haben sich auch die Abfahrtszeiten geändert. Die ersten Busse des Tages auf den Linien 604A und 604B starten jeweils eine Stunde früher bzw. auf der Linie 604C zwei Stunden früher als bisher.[11]
Seit der Saison 2022 verkehren im Landkreis Freyung-Grafenau die Buslinien 605 und 606, welche teilweise ebenfalls als Igelbusse bezeichnet werden, auch wenn nur die Linie 605 zu einem geringen Teil auf Nationalparkgebiet verkehrt. Betreiber dieser beiden Linien ist das Busunternehmen Dafinger.
Namensgebung
Der vom Landkreis Freyung-Grafenau geschützte Name "Igelbus" leitet sich vom Märchen "Der Hase und der Igel" ab. Ähnlich wie im Märchen ist der Individualverkehr zwar kurzfristig schneller am Ziel, allerdings ist die Nutzung der Busse klüger, da sie langfristig mehr Vorteile bringt. Durch die Igelbusse kann eine geringere Abgasbelastung und weniger Verkehr im Nationalparkgebiet erreicht werden.[12]
Später entstand noch eine andere Herleitung, diese bezieht sich darauf, dass die Igelbusse den Besuchern egal wohin sie im Nationalpark auch wandern, scheinbar zuvorkommen und schon auf sie warten. Diese Namensableitung trifft insbesondere für den Rachelbus zu, da sich von dessen beiden Endhaltestellen Gfäll und Racheldiensthütte eine Wanderung über den Rachel, die Rachelkapelle und den Rachelsee zur jeweils anderen Bushaltestelle anbietet und man dort bereits wieder vom Igelbus erwartet wird.[13]
Die einzelnen Buslinien
Sommersaison
Bussystem Rachel-Lusen
Die Sommersaison startet Mitte Mai (i. d. R. am 15. Mai) und läuft bis zum Ende der bayerischen Herbstferien. In dieser Zeit verkehren die Igelbusse täglich. Außerhalb der Saison werden die Linien nicht bedient.[14]

- Linie 601
- Der Rachelbus erschließt das Wandergebiet Rachel und verkehrt von Gfäll aus über den Park+Ride-Parkplatz in Spiegelau und Riedlhütte zur Racheldiensthütte. In Spiegelau besteht Anschluss zur Waldbahn und zur Linie 603. An der Haltestelle „Graupsäge“ besteht eine Umstiegsmöglichkeit zu den Bussen der Linie 602.[15]
- Linie 602
- Der Lusenbus erschließt das Wandergebiet Lusen und verkehrt von Grafenau über das Nationalparkzentrum Lusen bei Neuschönau zur Waldhausreibe bei Waldhäuser. In Grafenau besteht ein Anschluss an die Waldbahn, an der Haltestelle „Graupsäge“ kann zur Linie 601 bzw. an der Haltestelle „Nationalparkzentrum Lusen“ zur Linie 603 umgestiegen werden.[16]

Lusenbus in Waldhäuser, Mai 2023
- Linie 603
- Der Finsteraubus verkehrt von Spiegelau aus über Riedlhütte, St. Oswald, Altschönau, dem Nationalparkzentrum Lusen und Mauth bis Finsterau/Bučina. Am Grenzübergang besteht die Möglichkeit zum im Jahre 1996 eingerichtetem Bussystem des Nationalpark Šumava, den sogenannten „Grünen Bussen“, zu wechseln. In Spiegelau besteht Anschluss zur Waldbahn und zur Linie 601, an der Haltestelle „Nationalparkzentrum Lusen“ kann zur Linie 602 umgestiegen werden.[17]

Finsteraubus am Grenzübergang Teufelshäng bei Finsterau, Juli 2025
Bussystem Falkenstein
- Falkensteinbus
- Seit dem Jahr 2001 verkehren ganzjährig im Falkensteingebiet die beiden Linien 7149 (Zwiesel - Buchenau - Zwiesel) und 7150 (Zwiesel - Zwieslerwaldhaus - Zwiesel) des sogenannten Falkensteinbus. Diese Linien verbinden im Stundentakt den Bahnhof Zwiesel mit dem Wandergebieten am großen Falkenstein in Richtung Zwieslerwaldhaus und Scheuereck und dem Nationalparkinformationshaus Haus zur Wildnis. Am Bahnhof Zwiesel besteht Anschluss zu den Zügen der Waldbahn.
- Seit dem Jahr 2007 tragen auch diese Busse den vom Landkreis Freyung-Grafenau geschützten Begriff Igelbus.
Almberg- und Dreisesselbus

- Zur Saison 2022 wurden im Landkreis Freyung-Grafenau die Linien 605 und 606 als zwei neue touristische Linien und Nachfolger der Ilztalbahn-Anschlussbusse eingeführt.[18] Obwohl nur die Busse der Linie 605 zu einem geringen Teil auf dem Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald verkehren, werden sie und die Busse der Linie 606 teilweise trotzdem als Igelbusse bezeichnet. Die Sommersaison startet bereits Anfang Mai und endet Mitte Oktober. Im Winter verkehren die Linien nicht, ein Teil des Streckennetzes wird vom Winterigelbus der Linie 604 C abgedeckt.
- Stand 2025 bestehen folgende Verbindungen:
- Linie 605
- Der Almbergbus verkehrt von Freyung über das Nationalparkzentrum Lusen bei Neuschönau und Mauth nach Philippsreuth. In Freyung besteht ein Anschluss an die Ilztalbahn, an der Haltestelle „Nationalparkzentrum Lusen“ kann zur Linie 602 bzw. an der Haltestelle „Mauth P+R“ zur Linie 603 umgestiegen werden. Die Linie ist nach dem Almberg (Skizentrum Mitterdorf) bei Mitterfirmiansreut benannt.[16]
- Linie 606
- Der Dreisesselbus verkehrt von Waldkirchen über Neureichenau, den Dreisessel und Haidmühle nach Philippsreut. In Waldkirchen kann zur Ilztalbahn umgestiegen werden, am Grenzübergang bei der Haltestelle „Haidmühle Grenze/Nove Udoli“ besteht die Möglichkeit zu den Zügen von GW Train in Richtung Krumau / Budweis zu wechseln. Die Linie ist nach dem Dreisesselberg bei Altreichenau benannt.[17]
- Zu Beginn der Saison 2025 wurde die Linienführung dieser beiden Linien überarbeitet und der Dreisesselbus (Linie 606) wurde mit dem Almbergbus (Linie 605) verknüpft. Fahrgäste können somit beispielsweise von Waldkirchen aus durchgehend bis zum Nationalparkzentrum Lusen fahren. In den vergangenen Jahren endete die Linie 606 in Philippsreut, nun führt die Strecke nahtlos weiter nach Freyung.[19]
Wintersaison

Rachel-Lusen-Gebiet
Die Winterigelbusse verkehren von jedem 26.12. des Jahres bis zum Ende der bayerischen Faschingsferien. Sie erschließen zweimal täglich die Winterwander- und Langlaufregionen zwischen Klingenbrunn/Spiegelau, Finsterau/Mauth und Mitterfirmiansreut. Umsteigemöglichkeiten zwischen den Winterigelbussen bestehen an der Haltestelle „Nationalparkzentrum Lusen“.[20]
- Linie 604 A
- Die Linie 604 A verkehrt von Klingenbrunn über Spiegelau, Riedlhütte, das Nationalparkzentrum Lusen und Mauth nach Finsterau. In Spiegelau besteht eine Umstiegsmöglichkeit zur Waldbahn. An der Haltestelle "Nationalparkzentrum Lusen" kann zu den Winterigelbuslinien 604 B und 604 C umgestiegen werden.
- Linie 604 B
- Die Linie 604 B verkehrt von Schönberg aus über Grafenau, Neuschönau und dem Nationalparkzentrum Lusen bis nach Waldhäuser. An der Haltestelle "Nationalparkzentrum Lusen" kann zu den Winterigelbuslinien 604 A und 604 C umgestiegen werden.
- Linie 604 C
- Die Linie 604 C verkehrt von Grainet, Freyung, Philippsreuth und Mauth nach Finsterau. Von dort fährt der Bus weiter zum Nationalparkzentrum Lusen bevor er dann wieder wendet und über Mauth zurück nach Philippsreuth fährt. An der Haltestelle "Nationalparkzentrum Lusen" kann zu den Winterigelbuslinien 604 A und 604 B umgestiegen werden.
Falkenstein-Gebiet
- Auch im Falkenstein-Gebiet verkehren die Igelbusse mit leicht veränderten Routen in der Wintersaison zu den Wander- und Langlaufrouten rund um den Großen Falkenstein.
Anschlusssicherung
Es wird eine Anschlusssicherung zwischen den Buslinien gewährleistet. Rachel- und Lusenbus haben an der Haltestelle Graupsäge einen Korrespondenzhalt. Lusen- und Finsteraubus haben am Nationalparkinformationszentrum Lusen in Neuschönau untereinander Anschluss.
Die Falkensteinbusse sind auf den Takt der Waldbahnen im Bahnhof Zwiesel abgestimmt. Hier besteht Anschluss zwischen Bus und Bahn.
Tarifsystem
Sowohl die Busse des Rachel-Lusen-Gebietes als auch die Busse des Falkenstein-Gebietes haben ein eigenes Tarifsystem, das sich von den Haustarifen der RBO und des Busunternehmens Lambürger unterscheidet.
Grundsätzlich gilt in den Igelbussen der Tarif des VDW. Darüber hinaus gibt es Ein‐ und Drei‐Tagestickets sowie das Nationalpark‐Jahresticket. Daneben gelten das Bayern-Ticket, das Bayerwald-Ticket, sowie Gästekarten mit dem „GUTi“ als Fahrscheine. Die Bahncard wird nicht anerkannt.[21]
Die Busse des Falkenstein-Gebietes haben einen Einheitstarif für Einzelfahrkarten. Hier wird daneben eine Tageskarte angeboten, welche auch für den Stadtbus Zwiesel Gültigkeit hat.
Fahrzeuge und Betreiber



Die Busse der Linien im Rachel-Lusen-Gebiet wurden bis Dezember 2018 (Winterigelbus) bzw. Oktober 2019 (Sommerigelbus) von der Regionalbus Ostbayern GmbH betrieben.
Zunächst wurden von 1996 bis 2002 sieben erdgasbetriebene Busse vom Typ Neoplan N 316 Ü CNG mit einer Leistung von 180 kW/245 PS eingesetzt. Es handelte sich damals um die bundesweit ersten Überlandbusse mit Erdgasantrieb. Diese wurden 2002 durch sieben MAN NÜ 313 CNG ersetzt. 2003 wurden zusätzlich noch sieben Neoplan Centroliner N 4416 Ü CNG mit einer Leistung von 250 kW/340 PS beschafft. Die Busse waren niederflurig, hatten eine Kneeling-Funktion, sowie eine Anhängerkupplung für den Fahrradanhänger. 2010 wurde ein optisches und akustisches Fahrgastinformationssystem nachgerüstet. Da sich der laut RBO wartungs- und reparaturaufwändige Erdgasantrieb nicht bewährt hat und die Leistung auf den steilen Bergstraßen zu wünschen übrig lässt, entschied man sich bei der anstehenden Neuanschaffung ab 2013 moderne Dieselbusse einzusetzen. Es wurden sieben Mercedes-Benz Citaro Ü für den Einsatz auf den Igelbuslinien beschafft. Alle Busse waren bei der Betriebsstelle Passau und dem Einsatzort Reismühle bei Grafenau beheimatet. Die Fahrzeuge erhielten eine „Igelbus-Folierung“ mit stilisierten Abbildungen von Rachel, Lusen und Wald (Nationalpark). Die Busse warben mit dem Slogan „Ur-Wald schützen – Bus benützen“. Bis 2021 wurden drei der sieben Mercedes-Benz Busse ausgemustert, vier sind am Einsatzort Reismühle verblieben und verkehren auf regulären RBO-Linien.
Seit dem Betreiberwechsel 2018 werden hauptsächlich Busse vom Typ Setra S415 LE business mit einheitlicher grüner „Igelbus-Folierung“, eingesetzt. Die Busse der drei Betreiber unterscheiden sich äußerlich nur durch die Firmennamen, welche an der Front, Heck und seitlich unterhalb des Fahrerfensters aufgedruckt sind. Seit der Saison 2025 fahren die Igelbusse mit HVO-Treibstoff, einem klimafreundlichen Dieselersatz ohne Leistungs- oder Reichweiteneinbußen.[22] Auf der Linie 601 werden wechselnd auch ein Mercedes-Benz Citaro und einen Iveco Crossway eingesetzt (sh. Galerie).
Eine weitere Änderung seit dem Betreiberwechsel ist, dass nun auf jeder der drei Linien ein anderes Verkehrsunternehmen verkehrt. Auf der Linie 601 das Busunternehmen Alois Pfeffer, auf der Linie 602 Sieghart Reisen und auf der Linie 603 das Busunternehmen Martin Pfeffer.


Im Falkensteingebiet setzt das Busunternehmen Lambürger „Mercedes Sprinter“-Kleinbusse ein.
Der Almberg- und Dreisesselbus (Linien 605 und 606) werden vom Busunternehmen Dafinger betrieben. Auf diesen beiden Linien werden Kleinbusse mit Fahrradanhänger eingesetzt.[23]
Finanzierung und Kosten
Die Gesamtkosten der vier Igelbuslinien des Rachel-Lusen-Gebietes belaufen sich auf ca. 490.000 € pro Jahr. Jeweils etwa ein Drittel werden durch Fahrgeldeinnahmen, den Freistaat Bayern und durch die Kommunen Spiegelau, St. Oswald-Riedlhütte, Neuschönau, Hohenau, Mauth-Finsterau, Grafenau und Freyung, sowie den Landkreis Freyung-Grafenau getragen. Die zwei Igelbuslinien des Falkenstein-Gebietes werden durch die Kommunen Lindberg und Zwiesel getragen. 2013 trägt der Landkreis Regen insgesamt 34.000 € zu dessen Finanzierung bei.[24]
Die RBO gab die Nettokosten für den laufenden Vertrag 2013 bis 2017 mit 659.000 Euro pro Jahr an.[4] Der Anteil des Freistaates Bayern betrug bis 2012 100.000 €[25] und erhöhten sich danach auf 135.000 €.[26] Diese werden aus Parkplatzerlösen im Nationalparkgebiet erwirtschaftet.
Aufgrund steigender Kosten und sinkender Einnahmen wurde zum Beginn der Sommersaison 2013 das ermäßigte Jahresticket für Einheimische abgeschafft.[4]
Zur Saison 2013/14 übernimmt der Landkreis Freyung-Grafenau die Trägerschaft über die Winterigelbusse im Rachel-Lusen-Gebiet. Den Zuschussbedarf von 117.300 Euro pro Saison tragen dabei wie bisher zur Hälfte auch die beteiligten Gemeinden.[27]
Im Jahr 2015 gibt der Freistaat Bayern 36.000 € der Parkplatzerlösen des Hauses zur Wildnis in Ludwigsthal für die Finanzierung des Sommerhalbjahrs der Falkensteinbusse.[28]
Finanzielle Daten und Fahrgastzahlen des Rachel-Lusen-Igelbussystems
| Jahr | Gesamtkosten | Fahrgeldeinnahmen | Zuschuss Landkreis Freyung-Grafenau | Zuschuss Kommunen | Zuschuss Freistaat Bayern | Zuschuss Regierung Niederbayern (inkl. Zuweisung an Kommunen und Landkreis)[29] | Fahrgastzahlen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1999 | 285.000 DM(145.000 Euro) | ||||||
| 2000 | 997.908 DM(510.222 Euro) | 267.194 DM(136.614 Euro) | [30] | ||||
| 2001 | 1.011.442 DM(517.142 Euro) | 235.964 DM(120.646 Euro) | [31] | ||||
| 2002 | 127.823 Euro | 100.000[32] | |||||
| 2003 | 490.000 Euro | 160.000 Euro | 193.000 Euro | 93.000 Euro | 100.000 Euro | 94.200[33][34] | |
| 2004 | 100.000 Euro | 398.082,50 Euro | [35] | ||||
| 2005 | 100.000 Euro | 227.267,50 Euro | [36] | ||||
| 2006 | 80.000 Euro | 141.790 Euro | 100.000 Euro | 235.502,50 Euro | 95.710[37][38] | ||
| 2007 | 100.000 Euro | 274.472,50 Euro | [39] | ||||
| 2008 | 500.000 Euro | 200.000 Euro | 100.000 Euro | 292.533,75 Euro | 100.000[40][41] | ||
| 2009 | 100.000 Euro | ||||||
| 2010 | 100.000 Euro | ca. 100.000[42] | |||||
| 2011 | |||||||
| 2012 | 500.000 Euro | ca. 155.000 Euro | 111.000 Euro | 100.000 Euro[26] | >100.000[43] | ||
| 2013 | 570.000 Euro | 115.000 Euro | 135.000 Euro[26] | 100.000[44] |
2012 verkehrten auf der Finsteraulinie insgesamt 26.865 Fahrgäste. 83 % der Fahrgäste nutzten dabei das GUTi-Ticket.[45]
In der Sitzung des Struktur-, Umwelt- und Mobilitätsausschusses des Landkreises Freyung-Grafenau vom 14. November 2025 wurden die vorläufigen Fahrgastzahlen (Stichtag: 12. Oktober) der Igelbusse in der Saison 2025 bekanntgegeben.
Linie 601: 26.842 Fahrgäste
Linie 602: 26.566 Fahrgäste
Linie 603: 14.911 Fahrgäste
Insgesamt waren also im Zeitraum vom 15. Mai bis 12. Oktober mehr 68.000 Fahrgäste mit den Igelbussen unterwegs.
Auf den Linien 605 und 606 konnten im gleichen Zeitraum um die 8.000 Fahrgäste gezählt werden.[46]
Straßensperrungen
Während der Betriebszeiten der Igelbusse wurden aus Umweltschutzgründen von den Kommunen mehrere von ihnen befahrene, in den Nationalpark hineinragende, öffentliche Straßen für den privaten PKW-Verkehr gesperrt.
So sind am Rachel die Gfällstraße und die Diensthüttenstraße, am Lusen die Lusenstraße oberhalb Waldhäuser, sowie die Böhmstraße und in Finsterau die Buchwaldstraße von Ortsausgang bis zum Grenzübergang zeitweilig gesperrt.
Park-and-Ride

In Grafenau, Neuschönau, Spiegelau, am Gfäll und Ludwigsthal wurden jeweils große Park-and-Ride-Gelegenheiten geschaffen, so dass hier ein leichter Umstieg vom privaten PKW in die Busse und Bahnen des Nationalparkverkehrskonzept ermöglicht wird. Daneben existieren jeweils zu Beginn der oben genannten gesperrten öffentlichen Straßen Parkmöglichkeiten für den Umstieg in die Igelbusse. 2023 ging zusätzlich der P+R-Parkplatz Graupsäge mit 150 Stellplätzen und barrierefreier Bushaltestelle in Betrieb[47].
Seit Juli 2025 sind die Parkplätze im Ortsteil Waldhäuser der Gemeinde Neuschönau (Fredenbrücke, Kirche, Ausblick, Waldhausreibe) in den Sommermonaten kostenpflichtig.[48] Im Gegenzug gilt das Parkticket als Fahrschein. Die Besucher werden bereits an der Nationalparkstraße (Zufahrtsstraße nach Waldhäuser) auf den kostenlosen P+R-Parkplatz Graupsäge hingewiesen. Dort können an einem Automaten Bustickets gedruckt werden, welche zur kostenlosen Beförderung zwischen der Graupsäge und der Waldhausreibe (Endhaltestelle und zugleich Ausgangspunkt zur Gipfelbesteigung) berechtigen. Das zweijährige Pilotprojekt umfasst auch eine Taktverdichtung des Lusenbusses, dieser verkehrt nun zwischen Graupsäge und Waldhausreibe an Wochenenden, Feiertagen und in den bayerischen Schulferien im Halbstundentakt. Hintergrund der Maßnahme ist die zunehmende Verkehrsbelastung des Ortes Waldhäuser.[49]
Für Einheimische und Dauergäste besteht die Möglichkeit, bei der Gemeinde Neuschönau ein Saisonticket zu erwerben, das auf allen nun kostenpflichtigen Parkplätzen akzeptiert wird.
In der Sitzung des Struktur-, Umwelt- und Mobilitätsausschusses des Landkreises Freyung-Grafenau vom 14. November 2025 wurde mitgeteilt, dass im Juli 345, im August 1.771 und im September 1.013 Benutzer von der Graupsäge aus mit dem Bus nach Waldhäuser fuhren.[46]

Fahrrad- und Ski-Mitnahme
Auf der Verbindung Spiegelau–Finsterau ist durch einen Fahrradanhänger die Mitnahme von Fahrrädern möglich. Im Winter können hier Langlauf- und Alpin-Ski mitgenommen werden. Es ist geplant, alle Busse mit Fahrradträger am Heck auszurüsten, so dass auch andere Verbindungen diesen Service anbieten können. Versuche der RBO mit Fahrradträgern am Heck der Busse wurden von Mai bis September 2010 im Landkreis Passau durchgeführt und sollen im Jahr 2011 ausgeweitet werden.
Alle auf den Igelbuslinien verkehrenden Linienbusse sind mittlerweile mit Fahrradträgern ausgestattet (mit Ausnahme von Bussen der Linie 601, die an Schultagen keinen Fahrradträger mitführen), je Fahrradträger können 5 Fahrräder befördert werden. E-Bikes können auf den Linien 601–603 nicht transportiert werden. Die Fahrradmitnahme kostet 3 €.[50]


Patenschaften
Die einzelnen am Igelbussystem beteiligten Gemeinden des Landkreises Freyung-Grafenau übernahmen Patenschaften für einzelne Busse. Diese haben an der Fahrertür das jeweilige Wappen ihres Paten angebracht:
- R JN 733 – Nationalpark Bayerischer Wald
- R JN 735 – Hohenau
- R JN 736 – Mauth-Frauenau
- R JN 737 – Neuschönau
- R JN 738 – Spiegelau
- R JN 739 – St. Oswald-Riedlhütte
Alle Busse mit Patenschaften wurden von der RBO inzwischen ausgemustert.
Ehemalige Linien
Linie 6115 (Finsterau-Bus):
Bis zum Betreiberwechsel war die Linienbezeichnung des Finsteraubusses 6115. Auf dieser Linie verkehrten Busse mit Fahrradanhänger. Der Linienverlauf hat sich seit 1996 nicht signifikant verändert, lediglich wird seit 2018 Neuschönau aufgrund von Lärmbeschwerden nicht mehr angefahren. Seitdem fährt der Bus von St. Oswald über Altschönau zum Nationalparkzentrum und nicht mehr über Haslach und Neuschönau.
Linie 6203 (Freyung-Bus):
Die Linie verlief vom Ferienpark Geyersberg und Hohenau zum Nationalparkzentrum Lusen. Zwischen 1996 und 2002 waren die Busse täglich unterwegs. Ab 2003 und bis 2019 wurde die Linie nur noch dienstags und donnerstags bedient. Seit 2022 wird der Linienverlauf zumindest teilweise durch die Linie 605 abgedeckt und somit wieder eine direkte Verbindung zwischen der Kreisstadt und dem Nationalpark hergestellt.
Linie 7594 (Lusen-Bus):
Bis zum Betreiberwechsel war die Linienbezeichnung des Lusenbusses 7594. Im ersten Betriebsjahr 1996 war diese Linie als Rundlinie angelegt. Vormittags fuhren die Busse vom Nationalparkzentrum Lusen über die Böhmstraße zum Lusen, von dort aus über die Lusenstraße nach Waldhäuser und wieder zurück zum Ausgangspunkt. Nachmittags fuhren die Busse in entgegengesetzter Richtung. Einige Fahrten wurden über St. Oswald nach Grafenau verlängert. Seit 1997 fahren die Busse ausschließlich über Waldhäuser bis zum Lusen, wenden dort und fahren die Strecke wieder zurück. Die Böhmstraße wird nicht mehr genutzt. Einige Fahrten waren verkürzt und verkehrten von Grafenau/Waldhäuer nur bis zum Nationalparkzentrum Lusen.

Linie 7595 (Rachel-Bus):
Bis zum Betreiberwechsel war die Linienbezeichnung des Rachelbusses 7595. Wie auch beim Lusenbus war diese Linie im ersten Betriebsjahr 1996 als Rundlinie angelegt und das Liniennetz vergrößert, so fuhr der Bus 1996 auch die Ortschaften Reichenberg, Höhenbrunn, St. Oswald und die Haltestelle Rosenau, Langlaufzentrum an. Seit 1997 ist der Linienverlauf unverändert.
Linie 6119 (RBO-Ringlinie):
Die Linie 6119 war eine reguläre Buslinie, welche als Ringlinie (Grafenau – Neuschönau – Nationalparkzentrum Lusen – Waldhäuser – St. Oswald – Grafenau) teilweise parallel zum Lusenbus verkehrte. Sie zählte nicht zu den Igelbuslinien war aber tariflich in das Igelbussystem integriert, so war beispielsweise auf dieser Linie auch das Igelbus-Tages- und Jahresticket gültig.
Galerie
- Großer Andrang auf den Rachelbus am 3. Oktober 2025, traditionell findet am Tag der deutschen Einheit eine Bergmesse am Rachel statt, an der viele Wanderer teilnehmen
- Iveco Crossway als Igelbus, Grafenau im November 2024
- Mercedes-Benz Citaro als Igelbus, Spiegelau im Oktober 2025
- Der Lusenbus pausiert an einem der letzten Betriebstage der Sommersaison 2025 in Grafenau unweit des Busbahnhofes, November 2025
- Der Finsteraubus wartet in Spiegelau auf seine Fahrgäste bevor er wieder in Richtung tschechische Grenze rollt, Juli 2025

