Iggelbach

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Iggelbach ist ein Ortsteil der Ortsgemeinde Elmstein im rheinland-pfälzischen Landkreis Bad Dürkheim und hat rund 650 Einwohner. Nach dem Kernort ist er der einwohnermäßig zweitgrößte Ortsteil innerhalb der Gemeinde und der am höchsten liegende. In seiner jetzigen Form entstand der Ort, einst Waldarbeiterdorf, ab dem 18. Jahrhundert, als er durch Einwanderer aus anderen Regionen wieder besiedelt wurde. Überregionale Bekanntheit erlangte er, als in den 1920er Jahren ein großer Teil der Bevölkerung aus der Kirche austrat und sich der Freireligiösen Landesgemeinde anschloss.

Schnelle Fakten Ortsgemeinde Elmstein ...
Iggelbach
Ortsgemeinde Elmstein
Koordinaten: 49° 20′ N,  55′ O
Höhe: 375 m ü. NHN
Einwohner: 665 (2006)[Ohne Beleg]Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/NoEinwQuelle
Postleitzahl: 67471
Vorwahl: 06328
Iggelbach (Rheinland-Pfalz)
Iggelbach (Rheinland-Pfalz)
Lage von Iggelbach in Rheinland-Pfalz
Blick zur protestantischen Kirche
Blick zur protestantischen Kirche
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Lage

Iggelbach liegt auf 375 m ü. NHN zentral in der Frankenweide, wie der mittlere Teil des Pfälzerwaldes genannt wird, im südlichen Gemeindegebiet und ist der höchstgelegene Ortsteil von Elmstein.[1] Der Ort ist von Waldflächen umgeben. Der namensgebende Iggelbach, ein orographisch linker Nebenfluss des Helmbach, durchfließt in Ost-West-Richtung in einem sogenannten Hochtal den Ort. Das Siedlungsgebiet gliedert sich in das Unterdorf im Süden, das sich entlang des Bach erstreckt und das nördliche, auf einer Anhöhe liegende Oberdorf.[2]

Im näheren Einzugsgebiet liegen mehrere Berge wie das Kurze Eck unmittelbar im Nordosten, der Bragberg im Westen, der Blattberg sowie der Schindhübel im Südwesten, der Bloskülb im Nordwesten und der Bierenberg im Südosten. Mit der Himmelsbuche, der Gambsbuche, der Mittelseiche, der Brandbuche, dem Stammingerbrunnen, dem Katzenbrunnen, dem Schüllermannbrunnen, den Windlöchern und der Bloskülbrundsicht befinden sich im Umkreis außerdem mehrere Naturdenkmale.

Geschichte

„Uegelnbach“ wird erstmals im Jahr 1399 geschichtlich erwähnt und als zugehöriger Weiler der Burg Elmstein genannt.[3][4] 1584 lebten im Ort 13 Familien mit ungefähr 50 Personen. Bereits 1615 waren diese Zahlen auf acht Familien mit 35 Bewohnern gesunken Der Dreißigjährige Krieg führte zum Niedergang des Dorfes. 1662 siedelten sich zunächst Franzosen an, die jedoch ein Jahr später wieder verzogen waren. Ein weiterer Reaktivierungsversuch des Ortes von 1688 war bedingt durch den im selben Jahr ausgebrochenen Pfälzischen Erbfolgekrieg ebenfalls von kurzer Dauer.[5]

Erst im frühen 18. Jahrhundert fand eine dauerhafte Wiederbesiedlung von Iggelbach statt, vornehmlich durch Familien aus der Schweiz, Tirol, Bayern und von Hugenotten.[6] 1769 lebten im Dorf 23 Familien mit rund 100 Einwohnern.[5] Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zur Kurpfalz.

Bereits um 1800 bildete Iggelbach mit dem benachbarten Elmstein eine Gemeinde unter dem offiziellen Namen „Elmstein und Iggelbach“.[7] Aufgrund der prekären sozialen Verhältnisse planten die Bewohner in den 1860er Jahren, das Dorf aufzugeben und nach Amerika auswandern zu dürfen, was der bayerische Staat, zu dem Iggelbach seinerzeit gehörte, jedoch ablehnte.[5] 1925 hatte der Ort 725 Einwohner, die in 135 Wohngebäuden lebten. Sowohl die Katholiken als auch die Protestanten gehörten seinerzeit zu einer im Elmsteiner Kernort ansässigen Pfarrei.[8]

Am 18. Februar 1988 stürzte ein zur Zweibrücken Air Base gehörendes Militärflugzeug vom Typ McDonnell Douglas RF-4C Phantom II im Wald bei Iggelbach ab. Die Maschine war auf einem Übungsflug. Als die Piloten einen Triebwerksschaden bemerkten, lösten sie ungefähr drei Kilometer vor Iggelbach den Schleudersitz aus. Das Flugzeug flog dann führerlos in weitem Bogen an dem Ort vorbei und schlug in den Hang des Bierenbergs ein. Bäume wurden zerstört und ungefähr 2000 Liter Treibstoff liefen ins Erdreich.[9]

Religion

Protestantische Kirche

In den 1920er Jahren kam es in Iggelbach als Reaktion auf die schwierigen Lebensverhältnisse zu einer Kirchenaustrittsbewegung. Bis 1930 waren 272 Einwohner aus der protestantischen Kirche ausgetreten; was rund einem Drittel der Ortsbevölkerung entsprach. Der Ort erhielt als Folge in ganz Deutschland den Ruf als „Dorf ohne Gott“.[10] Diese Leute schlossen sich daraufhin der Freireligiösen Landesgemeinde Pfalz an. Am westlichen Ortsrand errichteten sie 1932 das „Haus Mühleck“, das ihnen jahrzehntelang als Begegnungsstätte diente und Ende der 1980er Jahre verkauft wurde.[11] 2014 löste sich die Iggelbacher Ortsgruppe auf. Darüber hinaus besaß die Gemeinde einen Pavillon unweit des südwestlichen Siedlungsrands, der samt umliegendem Gelände 2019 veräußert wurde.[12] Innerhalb der Pfalz hatte die Freireligiöse Gemeinde lediglich in Ludwigshafen am Rhein mehr Mitglieder. Inzwischen ist die Zahl rückläufig; 2019 hatte sie 28 Angehörige.[1]

Seit 1931 existiert im Ort die protestantische Kirche, die zur Protestantischen Kirchengemeinde Elmsteiner Tal gehört.[13] Die katholische Bevölkerung ist seit 2016 Teil der Pfarrei Hl. Johannes XXIII. mit Sitz in Lambrecht, vorher zählte sie zur Pfarrei Elmstein. Wie einige andere Ortsteile hat Iggelbach einen eigenen Friedhof; dieser befindet sich am südöstlichen Ortsrand.[1] An der so genannten Kindtaufsmauer wurden vor dem Bau der Kirche die Kinder auf dem Weg zur Taufe in Elmstein mit frischen Windeln versorgt und nicht etwa getauft, wie der Name der Mauer vermuten lassen könnte.[14] Im unmittelbar angebauten früheren Schwesternhaus ist mittlerweile eine protestantische Kindertagesstätte eingezogen.[15]

Kultur

Bauwerke

Denkmalzone Ortskern Iggelbach

Der Ortskern ist als Denkmalzone ausgewiesen; hinzu kommen sieben Einzeldenkmäler, darunter die protestantische Kirche, das frühere Schulhaus und der mittlerweile funktionslos gewordene Glockenturm.[16] Am nordwestlichen Ortsrand besteht eine Gedenkstätte in Andacht an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, das ähnlich einem Gräberfeld angelegt ist.[1][17] An der oberen Dorfstraße steht der Neuhof-Brunnen.[18]

Medien

Ein Teil des 1983 erschienenen Films Frevel wurde in Iggelbach gedreht.

Vereine

Gelegenheit zur sportlichen Betätigung bieten am nordwestlichen Ortsrand in jeweils unmittelbarer Nachbarschaft der SV Iggelbach, der unter anderem Fußball anbietet und der Tennis Club (TC) Elmstein.[19][20] Zudem besteht eine Ortsgruppe des Pfälzerwald-Verein.[21] Seit 2022 dient ein früheres Bankgebäude als „Haus der Vereine“.[22]

Veranstaltungen

Im September findet jährlich die Kerwe statt.[23] Im August 2018 wurde ein Poetry-Slam veranstaltet.[24][25]

Infrastruktur

Wirtschaft

Die Menschen übten früher vor allem forstwirtschaftliche Berufe wie Waldarbeiter und Flößer aus, bisweilen waren sie ebenso als Bauhandwerker tätig. Als Nebenerwerbsquellen kamen Ackerbau und Viehzucht hinzu. Der soziale Status war aufgrund der mäßigen Zahlung gering[5]

Ab dem 18. Jahrhundert bestand am westlichen Ortsrand eine Mühle an der Stelle, an der sich das Haus mit der Adresse Mühlweg 2 befindet. Sie wird im Verzeichnis des Oberamtes Neustadt als „Säg- und Schleifmühle“ aufgeführt. Später wurde sie in eine Mahlmühle umgebaut. Da in den folgenden Jahrzehnten weitere Hinweise hinsichtlich ihres Werdegangs fehlen, ist anzunehmen, dass sie stillgelegt wurde. Ein Jahrhundert später entstand an derselben Stelle erneut eine Mahlmühle, die 1892 abbrannte und nicht erneut aufgebaut wurde.[26]

Ehemaliges Gasthaus „Pfälzer Hof“

Früher gab es im Ort mehrere Gaststätten wie „Zum goldenen Stern“, „Bergblick“, „Treffnix“ und das „Café Nicklis“. Lediglich das Café besteht noch; es ist sonntags geöffnet.[27] Das frühere Gasthaus Pfälzer Hof wird seit 2025 als „Seminarhaus Sandsteinhof“ vermarktet.[28]

Bildung

Ab dem 19. Jahrhundert gab es im Ort eine Schule. 1971 wurde sie geschlossen; seither besuchen die Kinder die Heinrich-Weintz-Schule im Kernort.[29]

Verkehr

Das 1909 eröffnete in Elmstein endende Kuckucksbähnel brachte ebenso für Iggelbach eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse mit sich; mittlerweile dient es ausschließlich dem Museumsverkehr.

Bushaltestelle der Linie 517 in Iggelbach

Durch Iggelbach verlaufen die Kreisstraße 17, die eine Verbindung mit der Bundesstraße 48 und dem Helmbachtal schafft und die Kreisstraße 19, die zum Elmsteiner Kernort führt. Letztere wurde 2011 aufgrund ihrer verkehrlichen Bedeutung ausgebaut.[30] Der Ort ist über die Buslinie 517 des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar, die ihn mit dem Neustadt an der Weinstraße sowie mit Lambrecht (Pfalz) verbindet, an den Nahverkehr angeschlossen.[31]

Tourismus

Am nordwestlichen Rand liegt seit April 2016 der Zipline-Park mit 18 Seilstrecken.[32][1] Einer seiner drei Initiatoren ist der seit 2019 amtierende Elmsteiner Bürgermeister Rene Verdaasdonk, der in Iggelbach lebt.[33][34][35] Als Treffpunkt für Interessenten, die sich vorher anmeldem müssen, dient das Sportheim des SV Iggelbach.[36]

Iggelbach liegt an der Route eines Wanderweges, der mit einem grün-gelben Kreuz. markiert ist. Er verbindet Iggelbach unter anderem mit Bexbach, Neustadt an der Weinstraße und Ludwigshafen am Rhein. Hinzu kommt ein weiterer, der mit einem blau-roten Balken gekennzeichnet ist und von Kirchheimbolanden bis nach Pirmasens führt.[37] Zudem war der Ort Ausgangspunkt mehrerer Rundwege, die 2021 in Form eingestellter Pflege deaktiviert wurden.[38] Die früher der Freireligiösen Landesgemeinde gehörenden Einrichtungen Haus Mühleck und der Pavillon werden ebenfalls touristisch genutzt: Haus Mühleck dient als Ferienwohnung und der Pavillon als Aussichtspunkt.[39][40]

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter des Ortes

Personen, die in Iggelbach wirkten

  • Nadine Fols (* 1983), Fußballspielerin, spielte in ihrer Jugend beim SV Iggelbach

Literatur

  • Erich Uhly: Iggelbach und seine Kirche. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 144–149.
Commons: Iggelbach – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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