Infosperber

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Infosperber (Eigenschreibweise infosperber) ist ein Schweizer Nachrichtenportal. Das Portal bezeichnet sich selbst als Online-Zeitung, wird täglich aktualisiert und ist kostenlos zugänglich. Herausgeberin ist die gemeinnützige «Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information» (SSUI).[1]

Schnelle Fakten
Infosperber
Beschreibung Schweizer Nachrichtenportal
Erstausgabe 21. März 2011
Erscheinungsweise täglich aktualisiert
Chefredaktoren Hannes Britschgi (Leitung der verantwortlichen Redaktion)
Herausgeber Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information, SSUI
Weblink www.infosperber.ch
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Entstehung

Das Nachrichtenportal wurde von dem ehemaligen TV-Journalisten Urs P. Gasche mit einigen Mitstreitern mit 150'000 Franken Stiftungskapital ins Leben gerufen[2] und ist seit dem 21. März 2011 online. Die verantwortliche Redaktion besteht aus Hannes Britschgi (Leitung), Urs P. Gasche, Martina Frei, Pascal Sigg, Esther Diener-Morscher, Marco Diener und Barbara Jud (Stand 2. Juli 2025).[3]

Zu den regelmässig Schreibenden gehören Martina Frei, Marco Diener, Esther Diener-Morscher, Werner Vontobel, Markus Mugglin, Barbara Marti, Daniela Gschweng, Andreas Zumach, Rainer Stadler, Josef Estermann, Heribert Prantl und Romeo Rey[3] sowie Silvia Henke, Felix Schneider und Mathias Knauer.

Unter dem Motto «sieht, was andere übersehen» hat die Online-Zeitung als publizistische Zielsetzung die Ergänzung zu grossen etablierten Informations-Medien. Zielpublikum sind Entscheidungsträger in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sowie alle, die ergänzende Informationen zu den grossen Medien suchen. Infosperber will die grossen Informations-Medien nicht konkurrenzieren, sondern diese ergänzen.[4]

Inhaltlich sieht Infosperber folgende Themen im Vordergrund: Grundrechte, Finanzsystem und Verschuldung, Klima-, Energie- und Verkehrspolitik, Lobbying, Sozialpolitik, Wachstums- und Gesundheitspolitik, Konsum und Werbung, Medien und geopolitische Auseinandersetzungen.[5]

Formales

Der formale Redaktionssitz ist in Zürich. Die Mitglieder der Redaktionsleitung arbeiten im Home-Office. Infosperber ist eine gemeinnützige Plattform und finanziert sich fast ausschliesslich mit Spenden an die gemeinnützige Stiftung SSUI.[1]

Journalisten im Berufsalter erhalten Löhne. Pensionierte schreiben unbezahlt oder zu reduziertem Honorar. Alle nicht-redaktionellen Aufgaben wie Buchhaltung, Spenden-Management, Marketing, IT-Unterstützung, Übersetzungen und Korrekturen erledigen Engagierte der Leserschaft unbezahlt.

Infosperber gewährt freie Nutzungsrechte. Die Weiterverbreitung der Texte ist kostenfrei erlaubt, sofern sie integral ohne Kürzung und mit Quellenangaben verbreitet werden.[6]

Entwicklung

Infosperber ging am 21. März 2011 online und hat sich seitdem kontinuierlich entwickelt.[5] Im Jahr 2023 verzeichnete die Plattform nach eigenen Angaben im Durchschnitt täglich 25'000 Besucher, wobei Zugriffe über mobile Geräte (via Infosperber-App) nicht gezählt sind. Der Newsletter des Portals hatte über 14'000 Abonnenten. Bei Facebook hatte Infosperber rund 8400 Follower.

Am 1. Juli 2025 wurde Hannes Britschgi zum Präsidenten der SSUI gewählt. Er übernahm gleichzeitig auch die Leitung der Redaktion von Urs P. Gasche. Gasche bleibt Mitglied des Stiftungsrats und wird sich publizistisch weiter für Infosperber engagieren.[7]

Rezeption

Zum fünfjährigen Jubiläum im Jahr 2016 schrieb Die Wochenzeitung, Infosperber habe sich als wichtige Ergänzung zum medialen Mainstream etabliert. Problematisch sei jedoch, dass seine meist hoch spezialisierten Autoren ihre Themen nach Belieben dominieren würden. So kritisierte zum Beispiel Philipp Löpfe die seiner Meinung nach «unsäglich einseitige Pro-Putin-Berichterstattung» seines Infosperber-Kollegen Helmut Scheben zum Russisch-Ukrainischen Krieg seit 2014. Da seine Kritik keine Wirkung zeigte, beendete Löpfe seine Mitarbeit beim Infosperber.[2] Im März 2022 entliess Infosperber seinen langjährigen Russland-Mitarbeiter Christian Müller, der bis dahin zur verantwortlichen Redaktion gehörte. Gemäss Mitteilung des Infosperber hat er [u. a. auch] im Kommentar vom 26. Februar dem Westen die alleinige Schuld am russischen Überfall auf die Ukraine zugewiesen und, wie schon seit längerem, es unterlassen, die Politik von Putin kritisch zu analysieren.[8][9]

Die Medienwissenschaftler Mark Eisenegger[10] und Daniel Vogler[11] sowie der Amerikanist und Verschwörungstheorieforscher Michael Butter rechnen den Infosperber zu einem neuen Phänomen medialer Öffentlichkeit, das erstere als «Long Tail-Öffentlichkeit», letzterer als «Gegenöffentlichkeit» bezeichnet. Eisenegger und Vogler unterschieden 2017 bei diesem Phänomen «professionelle Informationsanbieter», die mit publizistischer Motivation etablierte Medienanbieter ergänzen wollen, versus Alternativmedien, die in bewusster Opposition zum «Medien-Mainstream» teilweise «wilde Verschwörungstheorien verbreiten». Den Infosperber rechneten sie zur ersten Gruppe;[12] auch die Kommunikationswissenschaftlerin Lisa Schwaiger[13] ordnete 2022 in ihrer Dissertation über Alternativmedien im deutschsprachigen Raum den Infosperber dem Typus der «seriösen Alternative» zu.[14] Die Analyse Butters von 2019 dagegen diagnostizierte für das Feld der «Gegenöffentlichkeit» insgesamt, dass zugehörige Medien stets mindestens unausgesprochen den Vorwurf erhöben, etablierte Medien gäben nur unreflektiert die Positionen «politischer Eliten» wider (→ «Lügenpresse»).[15]

2018 bezeichnete Das Magazin vom Tages-Anzeiger Infosperber als «ein Forum für Altlinke mit Faible für Verschwörungstheorien».[16]

Im Mai 2020 schrieb die Medienwoche, dass Infosperber viel Zuspruch in sogenannten «Alternativmedien» und unter Verschwörungstheoretikern finde und seine «inzwischen zahlreichen Verbindungen» zu jenen selber nicht sehen wolle. Infosperber sehe sich als «Zweitmedium» und erlaube sich daher «selektive Positionsnahmen», dies in der Annahme, bestens aus etablierten Medien informierte Leser anzusprechen. Der Autor benennt problematische Beispiele von Christian Müller («bringt Themen zusammen, die vor allem dann miteinander zu tun haben, wenn man überall Bezüge sieht») und Helmut Scheben, welcher mitunter «die weitesten Bögen» schlage. Die Medienwoche bescheinigte Infosperber «viele gute bis hervorragende Beiträge» mit Beispielen von Frank Garbely und Hanspeter Guggenbühl.[17]

Einzelnachweise

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