Ingeborg Sörensen

deutsche Autorin, Dolmetscherin, Übersetzerin und Lehrkraft für Italienisch From Wikipedia, the free encyclopedia

Ingeborg Charlotte Sörensen (* 17. April 1923 als Ingeborg Charlotte Sörensen, Autorenname Ingeborg Sörensen, in Altona, Preußen; † 10. August 2018 in Bremerhaven) war eine niederdeutsche Autorin, Dolmetscherin, Übersetzerin, Lehrkraft für Italienisch an der Volkshochschule und Verfasserin der ersten Italienisch-Lehrwerke nach 1945 (Klett-Verlag, Stuttgart[1]).

Ingeborg Sörensen im Jahr 1944
Ingeborg Sörensen im Jahr 1944

Werdegang

Ihr Vater war der Graveur Otto Karl Sörensen (* 2. Juli 1889, Altona; † 13. März 1968, Hamburg), ihre Mutter Sophie Karoline Christine Sörensen, geb. Ellermann (* 13. Januar 1905, Altona; † 13. Juni 1993, Jevenstedt). Ihre Urgroßeltern väterlicherseits stammten aus Sønderborg (heute Dänemark, damals Preußen).

Sie besuchte sieben Jahre die Volksschule, machte eine Fotografenlehre in Hamburg und nahm Italienischkurse an der Volkshochschule Hamburg. Intensive autodidaktische Fortbildungen erhielt sie im Maschinenschreiben auf der damals noch mechanischen Schreibmaschine, die sie lebenslang im Vier-Finger-System, manchmal 15 Stunden am Tag, benutzte. Zudem nahm sie am Fernunterricht für angehende Schriftsteller teil und besuchte Tagungen niederdeutscher Schriftsteller.[2]

Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Nachfrage nach Italienisch noch sehr gering und es gab entsprechend wenige Dolmetscher, Übersetzer und Lehrer. Sörensen arbeitete nach ihrer Fotografenlehre während des Kriegs ein Jahr als Korrespondentin für Italienisch bei dem Mailänder Averoldi in Bremen, dann als Dolmetscherin beim Flugzeugbauer Dornier in Lübeck. 1944 wechselte sie als Dolmetscherin und Übersetzerin an die italienische Botschaft in Berlin (für italienische Militärinternierte). Kurz vor Kriegsende schloss sie sich einigen Botschaftsangehörigen an, um nach Italien zu gelangen.

Ingeborg Sörensen mit Sebastiano Triscari am Brenner
Ingeborg Sörensen mit Sebastiano Triscari am Brenner (österreichisch-italienische Grenze)

Unterwegs kam es durch die Wirren zum Ende des Kriegs in Grafenwöhr (Oberpfalz/Nordbayern) zu verheerenden Bombardements, bei denen Sörensen ihre letzten Habseligkeiten, einschließlich ihrer Tagebücher, Wörter- und Lehrbücher verlor. In München begegnete sie dem jungen italienischen Soldaten Sebastiano Triscari-Barberi (* 27.06.1922, Sceti/Tortorici/Messina; † 13.10.1945, Bronte/Sizilien), dessen Schutz sie sich anvertraute. Er wurde zuletzt als Kurier zwischen Mussolinis Lager in Saló am Gardasee und der italienischen Botschaft Berlin eingesetzt. Die beiden traten zusammen die Flucht nach Italien an, gingen zunächst nach Verona, wo beide sofort gute Arbeit fanden, aber Triscari-Barberi zog es zurück zu seinen sizilianischen Wurzeln. Bald darauf wurde er in Bronte, Provinz Messina, erschossen aufgefunden.

Sörensen floh schon vor seinem Tod allein und unter erneut dramatischen Umständen nach Rom, weil sie sich mit der bäuerlichen sizilianischen Lebensweise nicht anfreunden konnte. Sie fand nunmehr bei den Kaiserswerther Schwestern (Diaconesse Germaniche), in der Via Farnese 10, Hilfe. Fünf Monate später brachte sie ihre Tochter Claudia Sörensen (Autorenname Sofia Sörensen) in Grottaferrata zur Welt, wo sie in einer deutschfreundlichen Familie eine Anstellung als Hausmädchen gefunden hatte.

Nach einer Weile ging sie wieder nach Rom zurück und fand als Dolmetscherin in einer staatlichen Verwaltungsstelle, dem Schedario Mondiale, der im Quirinalspalast untergebracht war, wieder eine angemessene Büro-Tätigkeit. Ihre dramatische Fluchtgeschichte und weitere Vita sind nachzulesen in „Ingeborgs Flucht nach Italien“ (ISBN 978-3-84-236314-4)[3]. In Positano begegnete sie dem Schriftsteller Stefan Andres, der sie wiederholt zur Schriftstellerei ermutigte und ihr Ratschläge gab.

Flüchtlingsausweis des Roten Kreuzes von Ingeborg Sörensen, 20.04.1945
Flüchtlingsausweis des Roten Kreuzes, 20.04.1945

Ab 1949 lebte sie wieder in Hamburg, wo sie ihren eigenen Lebensunterhalt, aber auch den ihrer Tochter sowie ihrer Mutter, durch Übersetzungs- und Dolmetscherarbeiten im Büro bestritt, während ihre Großeltern und ihre Mutter sich um das Kind kümmerten. Nach Feierabend gab sie Privatstunden für Italienisch und Sprachkurse im Sprachenclub Pro Linguis[4] in Hamburg und machte nachts häufig Übersetzungen für diverse Auftraggeber. Aufgrund des noch länger anhaltenden Mangels an Italienischfachkräften war Sörensen sehr gefragt als Dolmetscherin an der Hamburgischen Staatsoper, an Gerichten, in der Aktuellen Schaubude des Fernsehens beim Besuch von Sophia Loren, Sergio Leone u. a., beim Bundeskanzler Helmut Schmidt anlässlich eines Zeitungsinterviews, bei mehreren Hamburger Bürgermeistern usw. Sie wurde auch zum Corriere della Sera nach Mailand geholt.

Sörensen verfasste im Laufe der 50er Jahre ihr erstes Italienisch-Lehrwerk, das nach Überarbeitungen vom Klett-Verlag übernommen wurde. Es folgten weitere Lehr- und Nachschlagewerke. Die Nachfrage war zu Anfang verhalten, da man in Deutschland zu Italienern und Italienisch unmittelbar nach dem Krieg noch ein gespaltenes Verhältnis hatte; Italien wurde aufgrund seines Ausstiegs aus der Deutsch-Italienischen Allianz (1943) später für die deutsche Niederlage mitverantwortlich gemacht. Das bekam vor allem Sörensens Tochter bis zu ihrer eigenen Schulentlassung schmerzhaft zu spüren. Im Laufe der Jahre wurde Sörensens Italienisch-Lehrwerk in vielen Volkshochschulen Deutschlands eingesetzt und es setzte ungebremste Reiselust nach Italien ein. Claudia Sörensen bzw. Sofia Sörensen[5] (Autorenname) beschreibt die dramatischen Verfolgungsjagden auf sich in mehreren bei Books on Demand, Norderstedt erschienenen Büchern sowie auf zwei Websites.

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Ingeborg Sörensen mit ihrer Tochter Claudia Sofia Sörensen
Ingeborg Sörensen mit ihrer Tochter Claudia Sofia Sörensen auf einem Gemälde im Jahr 2006, gemalt mit Schipper „Malen-nach-Zahlen“ von Claudia Sofia Sörensen.

Ingeborg Sörensen veröffentlichte rund 15 niederdeutsche Hörspiele sowie ein niederdeutsches Theaterstück: „Naver un Fründ“, das im Mahnke-Verlag[6] verlegt wurde. Ihr niederdeutscher literarischer Nachlass ist im Institut für Niederdeutsche Sprache e.V.[7] in Bremen verwahrt.

Privates

Im Alter von 44 Jahren lernte sie Hans Gurr (*16.01.1910; † 10.04.1971) kennen. Hochzeit war im Jahr 1969. Er stammte aus Mecklenburg-Vorpommern, war Maschinist zur See gewesen, arbeitete aber bereits seit Jahrzehnten an Land. Er verstarb im April 1971 an Magenkrebs und Ingeborg hieß fortan Ingeborg Charlotte Gurr-Sörensen.

Die letzten Jahre

Sowohl mit ihrem im Büro erworbenen Lohn als auch vom Erlös aus ihren Büchern und anderen Nebentätigkeiten als Italienischlehrerin, Übersetzerin und Dolmetscherin, sowie als niederdeutsche Schriftstellerin, erwarb sich Ingeborg Sörensen 1964 ein Reihenhaus in Hamburg, wo sie bis 2015 lebte. Seit 2004 an Altersdemenz leidend, verbrachte Sörensen ihre letzten drei Lebensjahre mit ihrer Tochter in Bremerhaven.[8]

Werke

Lehrbücher der Italienischen Sprache

Niederdeutsche Werke

In diesem Stück schildert Ingeborg Sörensen in schriftstellerischer Freiheit das Kennenlernen ihrer Großmutter mit Kurt Enke, deren 5. Ehemann. Mit ihm war sie 33 Jahre und bis zu ihrem Lebensende verheiratet.

Rezensionen: W. Teich in: QU 71,1981,251-252. - H.Linder in: QU 72,1982,53-54 - PBuB-ID: 8863 - Quelle: LnA; BVB

Niederdeutsche Hörspiele im NDR

(nach Erscheinungsdatum)[9]

  • Twee linke Hannen - (Zwei linke Hände) In diesem Hörspiel wird in schriftstellerischer Aufarbeitung das Leben ihres Bruders, Harald Otto Sörensen (*09.03.1934), geschildert. Er lebt seit 2007 in einem Seniorenheim in Jersey City und ist inzwischen amerikanischer Staatsbürger. Es spielt allerdings auch der Charakter ihrer Tochter Claudia Sofia mit in dieses Hörspiel hinein. Schriftstellerische Freiheit eben! NDR(RB)1.3.1971 - Rez: Ulf Bichel in Quickborn 61,1971,89-90
  • Een in'n Sinn - (Einen im Sinn) NDR (RB) 10.7.1972
  • Uteneenleevt (Auseinandergelebt) NDR (RB) 7.5.1973 - Rez: Jochen Schutt in: Quickborn 63, 1973,119-120
  • Butenvör - (Außenvor) RB (NDR) 30.9.1974 - Rez: Volker Holm in: Quickborn 65,1975,30-31
  • Wi sitt dormit an - (Wir sitzen damit an) RB (NDR) 13.10.1975 - Rez: Ulf Bichel in: Quickborn 66,1976,31
  • Een Stück Leben - (Ein Stück Leben) RB (NDR) 8.11.1976Rez: Volker Holm in: Quickborn 67,1977,45-46
  • Wi kennt uns nich - (Wir kennen uns nicht) RB (NDR) 21.11.1977, WDR 9.3.1981 - Rez: Joachim Hartig in: Quickborn 68,1978,112
  • Nich för hunnertdusend Mark - (Nicht für hunderttausend Mark) RB (NDR) 28.7.1980 - Rez: Georg H. Peters in: QU 70,1980,328-329 - Quelle: 80,1067
  • Supersauriers - (Supersaurier) RB (NDR) 6.9.1982 - Rez: Willy Diercks in: Quickborn 73,1983,77-78
  • Breeven ut San Franzisco - (Briefe aus San Franzisco) RB (NDR) 12.11.1984 - Rez: Willy Diercks in: Quickborn 75,1985,54-56
  • De drüdden Tähn - (Die dritten Zähne) RB (NDR) 3.6.1985
  • All mien Leven - (All mein Leben) RB, NDR 15.01.1988 - Rez.: in QU 78,1988,121-122 - Quelle: 88,1579
  • Wo geiht dat lang? - (Wo geht es längs?) RB 03.03.1989 - Rez.: in QU 79,1989,328-329 - Quelle: 89,1605
  • Koken backen kann se - (Kuchen backen kann sie) Sendedatum unbekannt

Einzelnachweise

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