Institutional Shareholder Services
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Institutional Shareholder Services Inc. (ISS) ist ein US-amerikanischer Anbieter von Beratungsdienstleistungen im Bereich Corporate Governance mit Sitz in Rockville, Maryland. Das 1985 gegründete Unternehmen zählt zu den weltweit führenden Stimmrechtsberatern (Proxy Advisors) und unterstützt institutionelle Investoren bei der Ausübung von Aktionärsrechten, insbesondere durch Abstimmungsempfehlungen auf Hauptversammlungen börsennotierter Unternehmen. Das Unternehmen beschäftigt über 2000 Mitarbeiter und ist mit knapp 30 Büros in 15 Ländern präsent.[1]
| Institutional Shareholder Services Inc. | |
|---|---|
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| Rechtsform | Privatunternehmen |
| Gründung | 1985 |
| Sitz | Rockville, Maryland, |
| Leitung | Gary Retelny (CEO und President) |
| Mitarbeiterzahl | ca. 2.000 (2025) |
| Branche | Unternehmensberatung |
| Website | www.issgovernance.com |
Geschichte
Institutional Shareholder Services wurde 1985 von Robert A. G. Monks gegründet, einem US-amerikanischen Investor und Verfechter von Aktionärsrechten.[2] Ziel war es, institutionellen Anlegern eine strukturierte Analyse von Unternehmensführung und Abstimmungsfragen bereitzustellen, um deren Einfluss auf börsennotierte Gesellschaften zu stärken. In den 1990er und 2000er Jahren expandierte ISS international und wurde zu einem dominanten Player in der Nische der Stimmrechtsberatung. 2007 wurde ISS von dem Risikomanagementunternehmen RiskMetrics Group übernommen[3], jedoch bereits 2010 an den Finanzdienstleister MSCI weiterverkauft.
2014 veräußerte MSCI das Unternehmen an die Private-Equity-Gesellschaft Vestar Capital Partners.[4] Ende 2020 erwarb die Deutsche Börse AG eine Mehrheitsbeteiligung an ISS für 1,5 Milliarden US-Dollar, um ihr Geschäft im Bereich Daten- und Analysedienstleistungen auszubauen.[5]
Tätigkeit
ISS betreut weltweit institutionelle Investoren, darunter Vermögensverwalter, Pensionsfonds und Versicherungen, und deckt tausende börsennotierte Unternehmen in zahlreichen Ländern ab. Institutional Shareholder Services bietet institutionellen Investoren eine Reihe von Dienstleistungen im Bereich Corporate Governance und nachhaltige Unternehmensführung. Zu den Geschäftseinheiten bzw. Tochterunternehmen gehören:[6]
- ISS Governance: Stimmrechtsberatung
- ISS ESG: Beratung zur Umsetzung von Environmental, Social and Governance-Kriterien
- ISS EVA: Buchhaltungsdienstleistungen
- ISS Market Intelligence: Anbieter von Daten für die Finanzdienstleistungsbranche
- ISS Media: Medienlösungen für die Finanzdienstleistungsbranche
- ISS FWW: In Deutschland tätiger Anbieter und Vertreiber von Fondsdaten
- ISS-Corporate: Unternehmensberatung
- ISS SCAS: Rechtsberatung
- ISS LiquidMetrix: Daten und Dienstleistungen für den Finanzhandel
Markmacht und Kritik
Hedgefonds, Investmentfonds und große Vermögenverwalter wie BlackRock, die Aktien zahlreicher Unternehmen halten, beauftragen ISS mit der Beratung (und häufig auch mit der Stimmrechtsausübung) bei Aktionärsabstimmungen. Als Branchenführer hält ISS im Jahr 2021 einen Marktanteil von 48 Prozent, während sein nächster Konkurrent, Glass Lewis, einen Marktanteil von 42 Prozent hält. ISS beeinflusst über seine Beratung damit ein von Fondmanagern verwaltetes Vermögen von mehr als 20 Billionen US-Dollar. Studien zeigen, dass die Empfehlungen von ISS einen messbaren Effekt auf Abstimmungsergebnisse haben können, insbesondere bei umstrittenen Beschlüssen wie Vorstandsvergütungen, der Besetzung von Aufsichtsräten oder Übernahmen.[7] Für die Empfehlungen von ISS, bei Rechtsstreitigkeiten wegen Wertpapierbetrugs gegen Bestimmungen zur Kostenübernahme zu stimmen, wurde ISS kritisiert, wobei vorgeschlagen wurde, dass das Unternehmen reguliert werden müsse.[8]
ISS bekennt sich zu Environmental, Social and Governance-Kriterien (ESG) des nachhaltigen Investierens, betreibt eine Datenbank für ESG und hilft Unternehmen dabei, ESG-Kriterien umzusetzten. Im November 2025 waren ISS und Glass Lewis Gegenstand einer kartellrechtlichen Untersuchung der FTC, bei der es darum ging, wie Stimmrechtsberater Investoren bei kontroversen Themen beeinflussen.[9] Im Dezember 2025 unterzeichnete US-Präsident Donald Trump eine Durchführungsverordnung zur Überprüfung der bestehenden Vorschriften für Stimmrechtsberatungsunternehmen und erklärte, dass diese „ihre erhebliche Macht regelmäßig dazu nutzen, radikale, politisch motivierte Agenden voranzutreiben und zu priorisieren“.[10]
