Interstiz

Abschnitt in der kirchlichen Ausbildung für Ordensmitglieder From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Interstiz (lateinisch interstitium von inter (zu deutsch zwischen) und stare (zu deutsch stehen)) wurde im Jesuitenorden eine praktische Ausbildungsphase beannt, die international und in den letzten Jahrzehnten auch im Deutschen „Magisterium“ genannt wird. Beim Interstiz handelt sich um Jahre der praktischen Mitarbeit, die zwischen den Studien, in der Regel der Philosophie und der Theologie, eingeschoben sind.

Die Teilnehmer am Interstiz sind sogenannte Scholastiker (von den philosophischen Studien der Scholastik, verallgemeinender Ausdruck für alle Ordensstudenten), die Gelübde abgelegt haben und sich auf den priesterlichen Dienst vorbereiten, aber noch keine Priester sind. Sie befinden sich in einer mehrjährigen Ausbildungszeit, die sowohl geistliche, wissenschaftliche als auch praktische Elemente umfasst.

Das Interstiz findet klassisch nach dem Philosophiestudium und vor dem Theologiestudium statt[1]. Es dauert heute in der Regel zwei Jahre. Historisch war diese Phase jedoch oft deutlich länger: Vor dem Ersten Weltkrieg betrug sie meist vier Jahre, in einzelnen Fällen sogar bis zu sechs Jahre.[2]

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war das Interstiz inhaltlich relativ einheitlich. Die Scholastiker arbeiteten fast ausschließlich in den Schulen des Ordens, meist als Lehrer (vor allem in den unteren Klassen) oder als Internats-Erzieher. Diese Tätigkeit als Lehrer wurde als „Magisterium“ bezeichnet (von lateinisch magister - Lehrer); der Ausdruck hat sich auch im deutschen Sprachraum statt "Interstiz" durchgesetzt. Eine grundlegende Veränderung trat nach der 31. Generalkongregation des Jesuitenordens (1965/66) ein. Seit dieser Zeit ist das Interstiz inhaltlich deutlich vielfältiger geworden. Heute kann es unter anderem Tätigkeiten umfassen in der Gemeinde- oder Jugendseelsorge, der Bildungsarbeit, sozialen Projekten (z. B. Arbeit mit Benachteiligten oder im Flüchtlingsdienst des Ordens), in Schulen, Hochschulen oder anderen kirchlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen[3].

Das Interstiz verfolgt mehrere Ziele:

  • Die Scholastiker sollen praktische Erfahrungen machen und lernen, diese spirituell zu reflektieren und daraus ihr Leben zu gestalten.[4]
  • Sie sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen, mit Menschen zu arbeiten und Entscheidungen zu treffen.
  • Die Phase dient der persönlichen und geistlichen Reifung und hilft, die eigene Berufung realistisch zu prüfen. Dafür ist wichtig, dass sie in diesen Jahren in einer normalen Ordensniederlassung mitleben, nicht in einem Ausbildungshaus
  • Schließlich bereitet das Interstiz auf das folgende Theologiestudium und den späteren Dienst als Priester oder Ordensmann vor.

Literatur

  • Klaus Schatz: Geschichte der deutschen Jesuiten (1814-1983). Band V: Glossar, Biogramme, Gesamtregister. Aschendorff, Münster 2013, ISBN 978-3-402-12968-5, S. 48.
  • Provinzialskonferenz der Zentraleuropäischen Assistenz (Hrsg.): Dekrete der 31. bis 34. Generalkongregation der Gesellschaft Jesu. München 1997.
  • Provinzialskonferenz der Zentraleuropäischen Assistenz (Hrsg.): Satzungen der Gesellschaft Jesu und Ergänzende Normen. Deutsche Übersetzung der im Auftrag der 34. Generalkongregation herausgegebenen lateinischen Ausgabe. München 1997.
  • Peter Hans Kolvenbach: Das Magisterium als Ausbildungsabschnitt. In: Curia Praepositi Generalis Societatis Iesu (Hrsg.): Acta Romana Societatis Iesu (ARSI). Band XX, 1990, S. 362376.

Einzelnachweise

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