Isla Dawson
Insel in Chile
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Die Isla Dawson, auch Dawson-Insel oder Dawson Island, ist eine chilenische Insel an der Magellanstraße zwischen Patagoniens Brunswick-Halbinsel und Feuerland. Administrativ gehört sie zur Región de Magallanes y de la Antártica Chilena (Región XII).
| Isla Dawson | ||
|---|---|---|
| Gewässer | Magellanstraße | |
| Inselgruppe | Feuerland | |
| Geographische Lage | 53° 58′ S, 70° 35′ W | |
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| Fläche | 1 330 km² | |
| Höchste Erhebung | 975 m | |
| Einwohner | 301 (2002) <1 Einw./km² | |
| Hauptort | Puerto Harris | |
Geographie
Die Insel liegt zwischen dem Paso del Hambre, einem Teil der Magellanstraße, im Westen und dem Canal Whiteside im Osten. Ihr Nordkap, Cabo Valentín, befindet sich 51 Kilometer südsüdöstlich von Punta Arenas. Die Dawson-Insel erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über ca. 70 km und besitzt eine Fläche von 1330 km²[1] (nach anderer Quelle 1290 km²[2]). Durch die tief ins Landesinnere vordringenden Buchten Bahía Lomas und Seno Owen wird sie in zwei, durch einen nur 5 Kilometer breiten Isthmus verbundene Teile geteilt. Der nördliche ist relativ flach, mit niedrigen Hügeln wie dem Monte Graves, die eine Höhe von 500 Metern nicht überschreiten, mit bewaldeten Gebieten und wasserreichen Tälern. Der südliche Teil ist deutlich unzugänglicher. Die schroffen Berge sind hier annähernd 1000 Meter hoch. Der Hauptort Puerto Harris liegt an der Ostküste der Insel an der Bucht Bahía Harris. Der Militärflughafen Aeropuerto de Almirante Schroeders (ICAO-Flughafencode SCDW) befindet sich an der Nordspitze.
Geschichte
Europäische Eroberung


Ihren Namen erhielt die Insel 1828 vom britischen Marineoffizier Phillip Parker King, der die Region der Magellanstraße erforschte.[1] Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde die den Roaring Fifties ausgesetzte Insel Dawson als Gefängnisinsel genutzt. Gefangene waren zunächst die von einem fortschreitenden Genozid betroffenen indigenen Selk’nam.[3] An den Verbrechen beteiligten sich willentlich oder unwillkürlich auch manche Salesianer. Gründer der Mission war José Fragnano.[4] Einzelne Salesianer versuchten, gegen den Völkermord anzukämpfen. Von den 215 ab 1889 auf die isla Dawson gebrachten Selk’nam lebten 1911 nur noch 25, woraufhin die Missions aufgelöst wurde.[1]
Gefangenenlager der Pinochet-Diktatur
1971 wurde die Insel Dawson wegen ihrer strategischen Lage in der Magellanstraße dem chilenischen Militär übergeben. Nach dem Sturz Salvador Allendes durch Augusto Pinochet im Putsch in Chile 1973 wurde sie wieder als Gefängnis verwendet, diesmal für Oppositionelle. Einer der prominentesten Gefangenen im Konzentrationslager Pitroque war 1973–1976 Luis Corvalán.[5][6]
Andere in mehreren Folterstätten waren Julio Palestro Rojas, Tito Palestro Rojas, Clodomiro Almeyda, Arturo Jirón, Fernando Flores, José Tohá, Jaime Tohá, Osvaldo Puccio, Anselmo Sule, Jorge Tapia (Justizminister), Sergio Bitar (der seine Erfahrungen als Gefangener in dem Buch Dawson. Isla 10 verarbeitete, das 2009 von Miguel Littín verfilmt wurde), Aristóteles España oder Allendes Außenminister Orlando Letelier.
Auch der Bürgermeister von Valparaíso, Sergio Vuskovic, der staatliche Beauftragte für Sozialwohnungen, der Architekt Miguel Lawner, und Carlos González, der Bürgermeister von Punta Arenas, wurden hierher deportiert. Gefangene versuchten sich, wo dies möglich war, gegenseitig politische Bildung und Sprachkenntnisse zu vermitteln. Es gab Zwangsarbeit und Folter.[4]
Auf der Insel gab es auch die Lager Compingim, dieses befand sich in nördlich der Militärbasis von Puerto Harris, sowie Río Chico und Pisagua. Die Lager waren unterschiedlich repressiv, während einige ein gewisses Sozialleben unter den Gefangenen zuließen, waren andere eigentliche Konzentrationslager im Stil Nazi-Deutschlands. Da diese Bauart in Chile sonst völlig unbekannt war, gibt es Vermutungen, der flüchtige Nazi Walther Rauff könnte an der Konzeption der Lager beteiligt gewesen sein. Dafür fehlen laut Philippe Sands jedoch die Archivbeweise. Das staatliche Schifffahrtsunternehmen ASMAR führte die Deportationen ab Punta Arenas durch. Gesichert ist, dass Rauff dort mit der Werft Tres Puentes von ASMAR geschäftete.[4]
Gebaut wurden die Konzentrationslager in Teilen vom Unternehmen Juan Pedro Martinez & Co. in Punta Arenas. Eines der Stromaggregate lieferte General Motors, zwei weitere Mercedes-Benz (Argentinien). Auch Endesa (Chile) war in den Bau der Konzentrationslager verwickelt, indem es die Elektrizität verlegte, und Coditec grub einen Brunnen und installierte eine aus Deutschland importierte Pumpanlage.[4]
Der Bauleiter bei der Errichtung der Konzentrationslager war Nicolás Izquierdo Vergara, ein leitender Angestellter der Diktatur, mit Büro in Punta Arenas. Der Auftrag erging durch das Ministerium für öffentliche Bauten und das Transportministerium, diese finanzierten über die Corporación de Magellanes die von der Dirección de Arquitectura in Punta Arenas überwachten Arbeiten in Koordination mit dem Staatssekretariat für Gefangene in Santiago. Lokale Bauunternehmer verdienten daran insgesamt 146 Millionen Escudos. Das erste fertiggestellte Konzentrationslager war Río Chico im Dezember 1973.[4]
Das IKRK und Journalisten von BBC und NBC konnten später zwar die Insel besuchen, doch durften sie nicht mit den Gefangenen sprechen. Sergio Bitar zum Beispiel musste bis im Mai 1974 bleiben.[4] Internationaler Druck erreichte nach dem Austausch Corvaláns 1976 auch die Freilassung und Ausreise der übrigen politischen Gefangenen. Die Nutzung der Lager dürfte erst nach Ende der Diktatur 1989 deutlich eingeschränkt worden sein. Für 2002 gab die chilenische Statistikbehörde 301 Einwohner an.[7] Die ehemaligen Konzentrationslager auf der Insel stehen heute unter staatlichem Denkmalschutz.[4]
Weblinks
- „Dawson 2000“ (spanisch)


