Iveco LMV 2
gepanzertes Radfahrzeug
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das Iveco Light Multirole Vehicle 2 (Kurzform LMV 2 oder LMV2) ist ein leichtes, gepanzertes 4×4-Mehrzweckfahrzeug des italienischen Herstellers Iveco Defence Vehicles, der seit 2022 unter der Marke IDV (Iveco Defence Vehicles) auftritt.[1][2] Es handelt sich um die zweite Generation der LMV-Fahrzeugfamilie, die seit Mitte der 2000er Jahre in zahlreichen Staaten als leichtes geschütztes Mehrzweckfahrzeug genutzt wird.[2]
| Iveco LMV2 | |
|---|---|
VTLM 2 der Brigade Pinerolo | |
| Allgemeine Eigenschaften | |
| Besatzung | 1+4 |
| Länge | 4845 mm |
| Breite | 2275 mm |
| Höhe | 2172 mm |
| Masse | 8,1 t |
| Panzerung und Bewaffnung | |
| Hauptbewaffnung | meist 7,62-mm-/12,7-mm-Maschinengewehr oder Granatwerfer |
| Beweglichkeit | |
| Antrieb | Iveco F1D 4-Zylinder Turbodiesel 162 kW |
| Federung | Einzelradaufhängung |
| Geschwindigkeit | 110 km/h |
| Leistung/Gewicht | 20 kW/t |
Beim italienischen Heer trägt das Fahrzeug die Bezeichnung Veicolo Tattico Leggero Multiruolo 2 (VTLM 2) bzw. Lince 2 und ist Bestandteil des Digitalisierungs- und Vernetzungsprogramms Forza NEC (Network Enabled Capability).[3] Die ersten Serienfahrzeuge des VTLM 2 NEC wurden im Januar 2021 beim 82. Infanterieregiment „Torino“ der Brigade „Pinerolo“ in Dienst gestellt.[4][5]
Entwicklung
Die Entwicklung des VTLM 2 begann um 2013 im Rahmen des italienischen Programms Forza NEC, das auf eine weitreichende Digitalisierung und Vernetzung der Landstreitkräfte abzielt.[3] Ziel war es, aus den Einsatzerfahrungen mit dem ursprünglichen LMV (Lince) insbesondere in Afghanistan Lehren zu ziehen und ein Fahrzeug mit höherem Schutz, größerer Nutzlast und besserer Einbindung in Führungs- und Informationssysteme zu schaffen.[6][2] Optisch erinnert der LMV 2 stark an seinen Vorgänger, ist jedoch konstruktiv weitgehend neu ausgelegt und weist eine höhere Gefechtsmasse von rund 8,1 t gegenüber etwa 7,1 t beim VTLM 1 auf. Der LMV 2 wurde im Juni 2016 auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.[7][8]
Nach mehreren Prototypenlieferungen an das italienische Verteidigungsministerium wurden 2017 zunächst 34 Fahrzeuge der Vorserie in der vernetzten Konfiguration VTLM 2 NEC beauftragt.[4] Ein Rüstungsdossier des italienischen Parlaments von 2019 beschreibt die Beschaffung einer ersten Tranche VTLM 2 im Rahmen eines mehrjährigen Finanzierungsprogramms und ordnet das Fahrzeug als Nachfolger des VTLM 1 ein.[9] Langfristig plant das italienische Heer, bis 2034 rund 2.000 VTLM 2 zu beschaffen und damit einen Großteil der VTLM-1-Flotte zu ersetzen.[10][11]
Technische Beschreibung
Aufbau und Schutz
Der LMV 2 basiert auf einem neu konstruierten Fahrgestell aus hochfestem Feinkornstahl (u. a. Domex 700), das gegenüber dem Vorgängermodell höhere Festigkeit und Nutzlast ermöglicht.[12][6] Die Fahrzeugstruktur ist als crashsichere, gepanzerte Zelle ausgelegt, die bis zu fünf voll ausgerüstete Soldaten in frontorientierter Sitzanordnung aufnehmen kann.[1][13]
Gegenüber dem LMV 1 wurde der Innenraum durch neu gestaltete Überrollbügel und eine größere gepanzerte Kabine vergrößert, was sowohl den Platz für Besatzung und Ausrüstung als auch die Integrationsmöglichkeiten für Missionssysteme erhöht.[13][14] Der Schutz der Besatzungszelle ist nach STANAG 4569 auslegbar und bietet je nach Konfiguration ballistischen Schutz gegen Beschuss mit leichten Waffen sowie Splitterwirkung und einen Minen- und IED-Schutz nach NATO-Standard.[5][15] Blast-resistente Sitze, eine energieabsorbierende Bodenkonstruktion und ein V-förmig gestalteter Unterboden dienen dazu, die Wirkungen von Minen- und IED-Detonationen von der Besatzung fernzuhalten.[12] Zusätzliche Rüstsätze, etwa modulare Zusatzpanzerungen oder elektronische Gegenmaßnahmen (ECM), können missionsabhängig integriert werden.[1][16]
Antrieb und Mobilität
Der LMV 2 wird von einem 3,0-Liter-FPT-F1C-Vierzylinder-Turbodiesel angetrieben, der etwa 220 PS (162 kW) leistet und damit rund 30 PS mehr als beim Vorgängermodell zur Verfügung stellt.[17] Die Kraftübertragung erfolgt über ein automatisches Achtgang-Getriebe ZF 8HP mit zweistufigem Verteilergetriebe und permanentem Allradantrieb.[12][6] Die Höchstgeschwindigkeit auf Straße beträgt etwa 110 km/h, während die Reichweite je nach Ausführung bei rund 600 bis 700 km liegt.[5][16] Mit einer Nutzlast von bis zu 1.500 kg erreicht der LMV 2 eine um etwa 40 % gesteigerte Zuladung gegenüber der LMV-1-Generation.[12][7]
Das Fahrwerk besitzt rundum Einzelradaufhängung mit Doppel-Dreieckslenkern, Schraubenfedern und teleskopischen Stoßdämpfern, was Geländegängigkeit und Fahrkomfort verbessert.[12][1] Der Wagen überwindet Steigungen bis etwa 60 %, Querneigungen bis etwa 30 % und kann Gewässer mit einer Tiefe von rund 0,75 m ohne Vorbereitung durchfahren.[5]
Zur Erhöhung der Mobilität auf weichem Untergrund sind runflat-fähige Geländereifen der Dimension 325/85 R16 sowie optional ein zentrales Reifenbefüllsystem vorgesehen.[12][18]
Bewaffnung und Ausstattung
Zur Selbstverteidigung kann der LMV 2 mit einer fernbedienbaren Waffenstation, etwa der HITROLE-F von Leonardo, bestückt werden, die wahlweise ein 7,62-mm- oder 12,7-mm-Maschinengewehr oder einen 40-mm-Granatwerfer aufnimmt.[19][10] Viele Fahrzeuge verfügen zusätzlich über elektrisch ausgelöste Nebelmittelwurfanlagen zur Verschleierung und zum Selbstschutz gegen Beobachtung und Lenkwaffen.[19]
Im Zuge von Forza NEC ist der VTLM 2 mit digitalen Führungs- und Informationssystemen, Funkgeräten, Battle-Management-System und Navigationslösungen ausgestattet, um als vernetzter Knoten innerhalb mechanisierter Verbände zu wirken.[20] Je nach Missionsprofil können zusätzliche Spezialausstattungen wie Störsender gegen Fernzündungen, Aufklärungssensoren oder Sanitätsmodule integriert werden.[1][5]
Varianten
Beim italienischen Heer wird die vernetzte Konfiguration als VTLM 2 NEC (Network Enabled Capability) bezeichnet, die modernisierte Führungs-, Kommunikations- und Informationssysteme umfasst.[10] Die VTLM-2-Familie umfasst neben der Besatzungskabine in kurzer und langer Ausführung auch Chassis-Varianten mit verlängertem Radstand, die für Sanitätsversionen, Aufbauten oder Spezialcontainer ausgelegt sind.[5][21] Zu den beschriebenen Konfigurationen zählen ein Standardtruppentransporter, eine Variante für Spezialkräfte mit offenem Laderaum, eine Sanitätsversion (Medevac) sowie Chassis-Kabinen als Träger für weitere Missionsmodule oder als Zugmaschinen.[5][21]
Für Exportkunden entwickelte IDV zusätzlich eine LMV-2-Variante, die auf den Erfahrungen mit dem VTLM 2 basiert, konstruktiv aber weniger komplex und stärker auf modulare Anpassbarkeit zugeschnitten ist.[22][6]
Nutzer
Italien
Hauptnutzer des LMV 2 ist das Italienisches Heer, das das Fahrzeug als VTLM 2 Lince 2 in verschiedenen Gefechts- und Unterstützungsrollen einführt.[10] Die ersten 12 Serienfahrzeuge wurden am 22. Januar 2021 an das 82. Reggimento fanteria „Torino“ der Brigade „Pinerolo“ übergeben, weitere Fahrzeuge dienen dort und bei anderen Verbänden auch als Ausbildungsträger.[4][11] In Paradedarstellungen und Übungen des Heeres werden VTLM 2 regelmäßig gemeinsam mit anderen modernen Gefechtsfahrzeugen wie dem VTMM Orso und dem Radschützenpanzer Freccia gezeigt, was ihre Rolle im digitalisierten Verbund verdeutlicht.[23][20]
Niederlande
Im Jahr 2019 schloss das Verteidigungsministerium der Niederlande einen Vertrag mit Iveco Defence Vehicles über bis zu 1.275 geschützte Mehrzweckfahrzeuge im 12-kN-Programm, die in mehreren Varianten geliefert werden sollen.[24][25] Fachveröffentlichungen ordnen einen erheblichen Teil dieser als MTV (Medium Tactical Vehicle) bezeichneten Flotte als Weiterentwicklung auf Basis der LMV-2-Technik ein, wobei unterschiedliche Kabinen- und Radstandvarianten vorgesehen sind.[5][21]
Albanien
2025 gab eine Reihe von Meldungen bekannt, dass die albanischen Streitkräfte im Rahmen eines von der Europäischen Union über die European Peace Facility finanzierten Programms erstmals LMV 2 erhalten werden.[26][27] Nach Angaben von IDV und albanischen Medien stellt der LMV 2 für Albanien einen qualitativen Sprung gegenüber der bisherigen Fahrzeugflotte dar und wird vor allem für taktische Einsätze und friedenserhaltende Missionen vorgesehen.[27][28]
Weitere Nutzer und Perspektiven
Nach Herstellerangaben basiert der LMV 2 auf der weltweit verbreiteten LMV-Familie, von der über 4.000 Fahrzeuge bei mehr als 15 Nationen im Einsatz stehen, und dient als Angebot für Streitkräfte, die ein modernes leichtes 4×4-Mehrzweckfahrzeug mit erhöhtem Schutzbedarf suchen.[1][27][2] Fachmedien gehen davon aus, dass die LMV-2-Plattform in weiteren Exportprojekten angeboten wird, etwa als Basis für spezialisierte Aufklärungs-, Führungs- oder Sanitätsvarianten.[21][6]
