Jacques Nestlé

deutscher Maler und Grafiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Jacques Nestlé (* 7. Februar 1907 in Klarenthal (Saarbrücken) als Arthur Ludwig Jakob Nestle; † 11. März 1991 in Paris, Frankreich) war ein deutscher Maler, Grafiker und Antifaschist.

Biografie

Arthur Ludwig Jakob Nestle wurde 1907 in Klarenthal, einem Ortsteil von Saarbrücken, geboren. Mit 16 Jahren zog er nach Paris, arbeitete dort in einer lithografischen Werkstatt und begann seine eigene künstlerische Arbeit. Seine Zeichnungen wurden von Henri Matisse gelobt. Ab 1925 lebte Nestle als Schaufensterdekorateur und Kunstmaler in Berlin, wo er vom Expressionismus, den Ideen des Bauhauses und Künstlern wie Paul Klee und Wassily Kandinsky beeinflusst wurde. In der Herbstausstellung der Preußischen Akademie der Künste 1927 stellte Nestle fünf seiner grafischen Arbeiten aus, er wurde in Kunstmagazinen erwähnt. Die Galerie Neumann-Nierendorf nahm ihn in ihr Programm auf und vergab unter anderem 11 Grafiken Nestles als Schenkung an das Staatliche Museum Saarbrücken. Das Museum kaufte weitere Arbeiten Nestles an.[1][2][3][4]

1933 floh der überzeugte Antifaschist Nestle zunächst ins Saargebiet, wo er in Kohlegruben arbeitete, 1935 dann weiter nach Paris. Aus Angst vor Verfolgung änderte er seinen Namen in Jacques Nestlé. 1937 wurden 11 Werke Nestlés aus dem Saarlandmuseum in Saarbrücken als „Entartete Kunst“ beschlagnahmt und zerstört. Im selben Jahr war Nestlé am Dekor für die Exposition Internationale des Arts et Techniques dans la Vie Moderne in Paris beteiligt. Seine Malerei war in dieser Zeit vom Kubismus geprägt.[1][2][3]

1939 floh Nestlé weiter nach Lyon. Er lebte im Untergrund und war Mitglied der Résistance. Nach Kriegsende kehrte er nach Paris zurück. Nestlé arbeitete weiterhin als Innenarchitekt und Dekorateur. Seine Malerei wurde zusehends abstrakter, insbesondere inspiriert vom US-amerikanischen Maler Robert Motherwell. 1949 stellte er in der Galerie Saint-Placide Zeichnungen aus.[1][2][3]

Jacques Nestlé starb am 11. März 1991 verarmt und krank in Paris. Erst nach seinem Tod wurden seine Werke international gezeigt.[1][2]

Nachwirkung

Nach Nestlés Tod wurde sein Pariser Atelier geräumt. Viele seiner Arbeiten landeten im Müll, wo sie von Kunsthändlern entdeckt wurden und so in den Handel kamen.[2][3] Die Pariser Galerie Jean Marie Le Fell besitzt heute einen Großteil der Werke Nestlés.[5]

2007 erwarb die Pariser Anwältin und Kunstsammlerin Danielle Moos etliche Werke Nestlés. 2023 wandte sie sich an den Kunsthistoriker Andreas Beyer, der bereits 2013 in einer Landeskunstausstellung Werke Nestlés gezeigt hatte.[5]

Andreas Beyer wurde auch von einem Großneffen und einer Großnichte Nestlés kontaktiert. Sie waren auf der Suche nach Informationen zu Nestlé, nachdem sie auf dem Speicher ihrer verstorbenen Großmutter Maria, Nestlés Schwester, zahlreiche frühe Arbeiten des Künstlers gefunden hatten. Nestlé hatte sie bei seiner Flucht nach Paris zurückgelassen.[2][5]

Vom 19. Oktober 2025 bis zum 26. Januar 2026 zeigte das Institut für aktuelle Kunst im Saarland an der HBKSaar in Saarlouis die erste bundesweite Schau, die sich mit dem Werk Nestlés befasste: Jacques Nestlé. Saarbrücken – Berlin – Paris. Zu sehen waren Werke aus dem Familienbestand und aus der Sammlung von Danielle Moos.[2][5][6]

Einzelnachweise

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