Jagdpelz

mit Fell gefütterte Winterbekleidungsstücke für Jäger From Wikipedia, the free encyclopedia

Jagdpelze sind mit Fell gefütterte Winterbekleidungsstücke für Jäger. In ihrer speziellen Ausführung umfassen sie Mäntel, Jacken sowie Handschützer (Jagdmuffe).

Velourslamm-Jagdanzug (Ansitzkleidung)
(Dittrich, Kleineibstadt, 2026)
Ansitzsack und -jacke, gefüttert mit Rotfuchsfell
(Hofstetter, Rötz, 2018)
Mit abreißbarer Jacke
Innenseite

Jagdpelzmantel

Der Jagdmantel, oder die kürzere Form, die Jagdjoppe beziehungsweise der Jagdpaletot, besitzt, sofern es sich nicht um einen reinen Trachtenmantel handelt, als funktionales Kleidungstück offene Schießärmel unter der Achsel. In winterlicher Ausführung kann er einen Pelzkragen und ein Pelzfutter aufweisen.[1]

Als reines Pelzteil ohne Stoffüberzug wird Jagdkleidung auch aus veloutierten oder nappierten Lammfellen hergestellt. Um 1987 begann das Unternehmen Dittrich in Kleineibstadt erfolgreich mit der Konfektionsherstellung und dem Vertrieb spezieller Jagdkleidung, darunter Jagdmäntel, Overalls und Stiefelhosen aus Lammfell.[2]

Als eine Eigentümlichkeit der 1820er Jahre erwähnt eine Kürschnerzeitung die ungarische Bunda, die damals als Reise- wie Jagdpelz ungemein beliebt war. Sie bestand gewöhnlich aus Schaffellen oder schönen Siebenbürger Lammfellen mit innen schwarzem Wollhaar, außen von brauner Lederfarbe, mit farbigem Leder besetzt und reich mit Stickerei in Blumen, Wappen und Ornamentmotiven verziert. Aus schönen Sorten gefertigt kostete sie zwischen 50 und 300 Forint.[3]

Nachdem es gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Mode gekommen war, Pelz auch mit dem Haar nach außen zu tragen, schrieb ein Kürschner an seine Kollegen: „Warum sollen Jäger, Bauern, Forstbeamte, kurz alle, die bei jeder Art Wetter im Freien zu thun haben, nicht dieses Kleidungsstück wählen, das sowohl an Dauerhaftigkeit und Zweckmäßigkeit alle anderen Bedürfnisartikel übertrifft, als auch was den Preis anbelangt“.[4] Letztlich blieb der Jagdpelz in der Regel jedoch ein pelzgefütterter Tuchmantel, häufig auch mit einem Fellkragen.

Auf der Weltausstellung in Wien im Jahr 1873 stellten die teilnehmenden Kürschnerbetriebe, neben vielen anderen Arbeiten, Jagdkleidung aus. Die Firma M. Grünwald aus Riga zeigte Seehundjagdpelze, mit gefärbtem Seehundfell besetzt und beidseitig tragbar, sowie einen „Jagdpelz aus Elentier“, der mit Seehundfell gefüttert war, ebenfalls mit gefärbtem Seehund besetzt. M. J. Greger aus Wien präsentierte unter anderem einen mit „Fischotter“ gefütterten Jagdpelz. M. J. P. Hirsch, der „von allen Ausstellern Wiens die größten Anstrengungen“ gemacht hatte, zeigte einen Jagdpelz mit Kappe „von braunem Seehund in Teile gearbeitet und mit Posamentierarbeit geputzt“. Aus Prag kam von E. Rzywnatz, zusammen mit Arbeiten, „die im wahrsten Sinne des Wortes Kunstarbeiten genannt zu werden“ verdienten, ein „Jagdmüffchen“.[5] Ein Fachbericht zur Weltausstellung Paris 1889 erwähnte als Jagdkleidung nur ein von der Pariser Firma J. B. Grébert-Borgues „für die Jagd sehr praktisch und kleidsames“, kurzes „Herrenjackett von Ziegenfell mit Kragen und Aufschlägen von naturellem Seehund“.[6]

Der Breslauer Kürschner M. Boden inserierte 1881 im Grottkauer Kreisblatt neben anderen Spezialpelzen „Comptoir- Haus- und Jagdpelzröcke von 10 Thaler an“. Noch 1902 gehörten Jagdpelze zu seinem Sortiment, im Lubnitzer Kreisblatt wurden sie jetzt für 30 Mark angeboten.[7][8]

Ein Jagdmantel verkörperte auch die Zugehörigkeit zu einem wohlhabenden, elitären Bürgerstand. In einem sozialkritischen Artikel des Lübecker Volksboten im Zusammenhang mit der Stadt Stargard hieß es 1928: „Da reiten die Junker den kurzen Jagdpelz über dem Bauchspeck und den grünen Hut auf dem Quadratschädel, übers Feld. Sie sind längst nicht nur die Gutsbesitzer, sie sind die Gutsherren, und das heißt, dass […] auch die anderen Nutzungsobjekte ihnen gehören: ihre Arbeiter.“[9] Prinz Wilhelm von Preußen (1859–1941), der spätere deutsche Kaiser, ließ sich von Rudolf Wimmer im selben Jahr neben einem Bildnis in Husarenunform in einem Jagdpelz aus Wolfsfell porträtieren, „so wie ihn seine königliche Hoheit in Russland auf Bärenjagden zu tragen pflegte“.[10]

Für ihre Geschichte des Pelzes zeichnete die Amerikanerin R. Turner Wilcox einen Mann mit Jagdgewehr in einem modischen, nur taillenlangen Blouson, einer Windjacke aus braunem Lamm- oder Biberfell. Der Kragen, das Rumpf- und die Ärmelbündchen waren aus Strick. Geschlossen wurde das auf Ende der 1930er Jahre datierte, nicht dem klassischen Jagdpelz entsprechende Teil mit einem Reißverschluss.[11]

Jagdmuff

Jagdmuff, Kaufhaus Wertheim Berlin (1908)

Ein großer Herrenmuff war anderthalb Jahrhunderte ein Bestandteil der Mode. In der Jagdbekleidung hat sich der Muff vereinzelt bis in die Jetztzeit erhalten. Eva Nienholdt schrieb 1957, dass er „zum Trousseau des Herrn gehört hat, [„“] um fortan nur noch unauffällig und von bescheidenem Format auf der Jagd die Finger vor Erstarrung zu schützen. Dass pelzgefütterte Handschuhe als Fausthandschuh oder mit Fingern schon lange den gleichen Dienst leisten, braucht nicht länger ausgeführt zu werden.“[12] Jedoch hat der gegenüber Pelzhandschuhen noch wärmere Pelzmuff den Vorteil, dass er die Finger nicht nur vor dem Erstarren schützt, sondern auch die Hände jederzeit sofort schussbereit sind.

Auf einer Lithografie aus dem Jahr 1850 aus dem österreichischen Landkreis Bruck trug der Alpenjäger neben einer Pelzjoppe Handschuhe mit dazu passenden Fuchsstulpen, die „Füchslinge“ genannt wurden, später wurden sie durch Strickhandschuhe abgelöst.[13.1]

Der Jagdmuff ist seit dem Mittelalter bekannt. Die um 1950 in Österreich beschriebene, für den Jagdmuff typische Ausführung ist flach und etwas länglich. Die Seiten mit dem Eingriff sind abgeschrägt und nach unten ausgeweitet, sodass der Muff am unteren Ende breiter ist als oben. Ober- und Unterkanten sind etwas geschwungen. Innen- und Außenseite bestehen aus Pelz, wobei die Innenseite beim Jagdmuff nicht durchgängig gearbeitet ist. Dadurch hat jede Hand ihren eigenen Raum und der Durchzug von kalter Luft wird verhindert. Die sonst üblichen Gummizüge am Eingriff werden bewusst vermieden, um ein schnelles Herausziehen nicht zu behindern.

Gefertigt wurden Jagdmuffe aus Fuchsfellen, Otterfellen oder Biberfellen, am Einschlupf waren sie meist mit einer anderen Fellart verbrämt. Die Außenseite war häufig mit einer Tasche versehen. In der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte man eher den Fellabfall, wie Fuchsbeinteile, Fohlenstücken und anderes. Ein Pelzlexikon bemerkte dazu, „ein Rest der Jägerromantik entschwindet“.[14]

Auf der oben bereits erwähnten Weltausstellung in Wien stellte die ungarische Firma M. Keil Simon einen „sehr schön gearbeiteten Jagdmuff aus Kehlen von Edelmarder mit Taschen für Revolver und mit dem Porträt Sr. Majestät des Kaisers und der Kaiserin“ aus. A. Slunski aus Wien zeigte diverse Jagdmuffe, „schön und geschmackvoll ausgeführt“.[5] Für das in damaliger Jagdkleidung oft mitverarbeitete Fell des gemeinen Seehundes wurden als hauptsächliche Verwendung, neben anderem, Jagdmuffe genannt.[15]

Rezeption in der Literatur

„Ein Herr in kurzem Jagdpelz stieg aus, dann zwei Bauern und eine alte Frau. Ein Träger kam gelaufen, nahm mit devotem Gruß dem Herrn im Jagdpelz das Gepäck ab; ein Pfiff, der Zug setzte sich wieder in Bewegung, fuhr ins Dunkle und verschwand.“

Arthur Schnitzler: Flucht in die Finsternis (1931).[16]

„Freilich war es in den Kammern recht kalt. Herr Kortüm trug Pelzstiefel, Pelzmütze und seinen alten Jagdpelz mit Muff. In diesen Muff steckte er seine Hände. Das konnte er ruhig tun, denn er arbeitete mehr geistig. Schwartenmacher hingegen mehr körperlich. Schwartenmacher wurde warm dabei. Herr Kortüm fror.“

Kurt Kluge: Der Herr Kortüm (1938).[17]
Commons: Jagdpelze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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