Jakob Baxa
österreichischer Soziologe, Kulturhistoriker, Literaturhistoriker und Dichter
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Jakob Baxa (* 15. Februar 1895 in Wien; † 10. November 1979 in Mödling, Niederösterreich) war ein österreichischer Soziologe, Jurist, Kultur- und Literaturhistoriker und Dichter.
Leben
Baxa besuchte das Gymnasium in Melk/Niederösterreich, das Städtische Gymnasium in Wels/Oberösterreich und das Carl-Ludwig-Gymnasium in Wien. Dort erlangte er 1913 die Matura. Von 1913 bis 1916 studierte Baxa Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Von 1916 bis 1918 leistete er Kriegsdienst und erlitt an der österreichisch-italienischen Front durch eine Minenexplosion einen Gehörschaden. 1918 nahm er sein Studium wieder auf und wurde am 14. Juli 1919 promoviert.
Nach dem Rechtspraktikum am Bezirksgericht Gloggnitz (Niederösterreich) und beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien arbeitete Baxa von 1920 bis 1922 als Sekretär der „Österreichischen Zuckerstelle“ in Wien. Ab 1922 arbeitete er als Prokurist für die Dürnkruter Zuckerfabrik AG ebenfalls in Wien. Nebenberuflich trieb er seine soziologischen Studien voran und habilitierte sich 1923 bei Othmar Spann an der Universität Wien für Gesellschaftslehre. Von 1923 bis 1938 lehrte Baxa als Privatdozent, ab 1932 mit dem Status eines titular außerordentlichen Universitätsprofessors. Sich selbst sah er freilich weniger als Wissenschaftler, sondern als Dichter und veröffentlichte neoromantische Lyrik.
Baxa bewegte sich politisch im Feld von Katholizismus und Deutschnationalismus. Er gehörte einerseits der katholischen Leo-Gesellschaft an, arbeitete aber andererseits von 1923 bis 1933 bei der Deutschösterreichischen Tageszeitung (DÖTZ) mit, die sich ab 1933 zum „Hauptblatt“ der NSDAP-Hitlerbewegung erklärte. Nach dem Verbot der österreichischen NSDAP 1933 vertrieb er für die Partei illegale Druckschriften.[1]
Baxa gehörte zum innersten Zirkel des Spannkreises und arbeitete an der Zeitschrift Ständisches Leben (Berlin–Wien) sowie der Schriftenreihe Deutsche Beiträge zur Wirtschafts- und Gesellschaftslehre mit. Nach dem Anschluss Österreichs wurde eben deshalb am 22. April 1938 angeordnet, dass er seine Lehrbefugnis ruhen lassen müsse. Baxa argumentierte, er habe sich bereits 1933 von Spann entfernt und sei am 1. April 1938 der NSDAP beigetreten.[2] Obwohl seine Ortsgruppe zu seinem Aufnahmeantrag bescheinigte, er sei „politisch einwandfrei“ gewesen[3] und er rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen wurde (Mitgliedsnummer 6.142.365),[4][5] wurde ihm wegen seiner Beziehung zu Spann die Venia Legendi zum Januar 1940 entzogen.[2] Während des Zweiten Weltkrieges publizierte er antisemitische Artikel.[6]
Aufgrund seiner Parteimitgliedschaft wurde Baxa von der Universität Wien nach 1945 nicht wieder als Privatdozent eingesetzt[2] und auch von seinem Hauptarbeitgeber (Dürnkruter Zuckerfabrik AG) in den Ruhestand versetzt. Er war inzwischen fast ertaubt, eine Spätfolge des im Ersten Weltkrieg erlittenen Gehörschadens bei einer Minenexplosion. Außerdem war seine Mobilität stark eingeschränkt, weil er seine Ehefrau Maria Helene (geb. Ohnheiser, Heirat 1918, † 1963) bis zu ihrem Tode pflegte. Sie war infolge eines Schlaganfalls bettlägerig und fast erblindet.[5]
Baxa lebte seit 1945 als Privatgelehrter und Dichter in Maria Enzersdorf/Niederösterreich und schuf ein umfangreiches dramatisches Werk. Er verstarb 1979 im Landeskrankenhaus Mödling/Niederösterreich.[5]
Bedeutung für die Soziologie
Von 1921 bis 1932 beschäftigte sich Baxa ganz überwiegend mit soziologischen Fragen zur Romantik. Darin liegt seine nachhaltige Bedeutung für die Soziologie, denn die romantische Staats- und Gesellschaftslehre war bis zum Zeitpunkt seiner Forschungen und Publikationen fast völlig in Vergessenheit geraten.
Zudem versuchte Baxa in seiner „Gesellschaftslehre von Platon bis Friedrich Nietzsche“ nachzuweisen, dass die Soziologie tief in der Philosophie wurzelt und eine Geisteswissenschaft ist.
Er wird zum engeren sogenannten Spannkreis gezählt und war Gründungs-, Vorstands- und Ehrenmitglied der Gesellschaft für Ganzheitsforschung.[7]
Werke (Auswahl)
- Godiva (Schauspiel 1913).
- Einführung in die romantische Staatswissenschaft (1923).
- Geschichte der Produktivitätstheorie (1926).
- Gesellschaftslehre von Platon bis Friedrich Nietzsche (1927).
- Alpen im Feuer (Gedichte 1931).
- Gesellschaft und Staat im Spiegel deutscher Romantik (1934).
- Die Zuckererzeugung (1937).
- Adelaide (Schauspiel in vier Akten, 1938).
- Das Opfer (Roman 1949).
- Studien zur Geschichte der Zuckerindustrie in den Ländern des ehemaligen Österreich (1950).
- Henriette (Roman 1951)
- Diana (Roman 1951).
- Siegendorfer Zuckerfabrik, Conrad Patzenhofer's Söhne: 1852-1952 (1952).
- Friedrich von Gentz (1965).
- Zucker im Leben der Völker (1967).
Literatur
- M. Mierendorff: Baxa, Jakob, in: Wilhelm Bernsdorf/Horst Knospe (Hrsg.): Internationales Soziologenlexikon, Bd. 2, Enke, Stuttgart ² 1984, S. 54 f.