Jan Camenisch
Schweizer Informatiker
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Jan Leonhard Camenisch (* 25. April 1968 in Chur[1.1]) ist ein Schweizer Informatiker und Kryptologe. Er forscht insbesondere in den Bereichen Datenschutz und Kryptographie, mit einem Schwerpunkt auf anonymen Berechtigungsnachweisen.
Karriere
Camenisch wuchs in Langwies auf. Er studierte Elektrotechnik an der ETH Zürich, wo er 1993 sein Diplom erhielt. Im Jahr 1998 promovierte er ebenfalls an der ETH Zürich bei Ueli Maurer im Fach Informatik.[1]
Nach seiner Promotion war Camenisch zunächst Assistenzprofessor für Informatik an der Universität Aarhus in Dänemark. Im Jahr 1999 wechselte er zum IBM-Forschungslabor in Rüschlikon, wo er die Forschungsgruppe für Datenschutz und Kryptographie leitete sowie den kryptographischen Algorithmus «Identity Mixer» mitentwickelte.[2] Zusammen mit Ernie Brickell von Intel und Liqun Chen von HP war er zudem massgeblich am Design der Direct Anonymous Attestation (DAA) beteiligt.[3] Dieser Standard der Trusted Computing Group (TCG) ermöglicht es Computern oder Smartphones, sich gegenüber einem Netzwerk als sicher und echt zu verifizieren, ohne dass dabei eine eindeutige Identifikationsnummer des Geräts übertragen werden muss. So wird verhindert, dass die Aktivitäten eines einzelnen Geräts nachverfolgt werden können.
Ab 2018 war er als Technischer Direktor für die Dfinity Foundation tätig und trieb dort die Entwicklung des Internet Computer Protocol (ICP) voran.[4] Es zielt darauf ab, die Leistungsfähigkeit herkömmlicher Server direkt auf einer Blockchain bereitzustellen, damit komplette Software-Anwendungen dezentral und fälschungssicher betrieben werden können. Seit Ende 2025 forscht er bei Subzero Labs, einem Unternehmen, das auf kryptographische Sicherheitslösungen und Hardware-Infrastruktur für dezentrale Netzwerke spezialisiert ist.
Auszeichnungen (Auswahl)
- 2010: ACM SIGSAC Outstanding Innovation Award[5]
- 2013: IEEE Computer Society Technical Achievement Award[6]
- 2013: Fellow des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE)[7]
- 2017: Fellow der International Association for Cryptologic Research (IACR)[8]
- 2018: IFIP Kristian Beckman Award[9]
- 2018: Fellow der Association for Computing Machinery (ACM)[10]
- 2024: IACR Levchin-Preis für Real-World Cryptography (gemeinsam mit Anna Lysyanskaya)[11]
Publikationen (Auswahl)
Camenisch hat über 140 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht und hält rund 140 Patente weltweit.
- Jan Leonhard Camenisch: Group Signature Schemes and Payment Systems Based on the Discrete Logarithm Problem. A dissertation submitted to the Swiss Federal Institute of Technology Zürich. Zürich 1998 (englisch, online [PDF; 675 kB]).
- mit Markus Stadler: Efficient Group Signature Schemes for Large Groups. Crypto, 1997.
- mit Anna Lysyanskaya: An Efficient System for Non-transferable Anonymous Credentials with Optional Anonymity Revocation. Eurocrypt, 2001.
- mit Ernie Brickell, Liqun Chen: Direct Anonymous Attestation. ACM CCS, 2004.