Jan Marsalek

österreichischer mutmaßlicher Wirtschaftskrimineller und ehemaliges Vorstandsmitglied der Wirecard AG From Wikipedia, the free encyclopedia

Jan Marsalek (auch Maršálek [ˈmarʃaːlɛk]; * 15. März 1980 in Wien) ist ein österreichischer Manager und Agent russischer Nachrichtendienste. Von 2010 bis 2020 war er Vorstandsmitglied des deutschen Finanzdienstleisters Wirecard.

Marsalek ist seit Juni 2020 auf der Flucht vor den deutschen Strafverfolgungsbehörden und wird mit internationalem Haftbefehl wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs sowie wegen Untreue in besonders schwerem Fall und weiterer Vermögens- und Wirtschaftsdelikte von der Staatsanwaltschaft München gesucht und hält sich seit spätestens 2021 in Moskau auf. Er gilt als Hauptverdächtiger der Bilanzfälschung bei Wirecard im Umfang von mindestens 1,9 Milliarden Euro. Bereits in seiner Zeit als Wirecard-Vorstandsmitglied soll er langjähriger Zuträger und Agentenführer eines oder mehrerer russischer Geheimdienste gewesen sein.

Biographie

Jugend und Einstieg bei Wirecard

Jan Marsalek wuchs in Klosterneuburg bei Wien auf. Sein Vater war Geschäftsführer eines holzverarbeitenden Betriebes in Tschechien und daher häufig über längere Zeit abwesend; Marsaleks Mutter soll „praktisch alleinerziehend“ gewesen sein.[1] Der kommunistische Widerstandskämpfer Hans Maršálek (1914–2011) war sein Großvater.[2]

Marsalek besuchte in Wien das Lycée Français de Vienne.[3] Später wechselte er zum Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Klosterneuburg, das er kurz vor dem Ablegen der Matura ohne Schulabschluss verließ. Mit 19 Jahren gründete er ein Softwareunternehmen für Anwendungen im elektronischen Handel. Im Jahr 2000 begann er seine Karriere bei Wirecard. Er wurde vom damaligen Vorstand und Gründer des Unternehmens angeworben, weil er sich mit dem Wireless Application Protocol (WAP) auskannte.[1] Im Februar 2010 wurde er Chief Operating Officer und Vorstandsmitglied der inzwischen börsennotierten Wirecard AG.[4] Sein Vorstandsgehalt lag zuletzt bei 2,7 Millionen Euro;[5] sein Vermögen wird auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt.[6] Dazu gehörten Marsalek – anders als beim Vorstandsvorsitzenden Markus Braun – kaum Unternehmensanteile, nur im Februar 2019 kaufte er Wirecard-Aktien für 110.000 Euro.[5]

Bis zu seiner Flucht lebte Marsalek in Deutschland in einer Villa in der Prinzregentenstraße im Münchner Stadtteil Bogenhausen, die ein Geschäftspartner für ihn angemietet hatte, der dafür monatlich knapp 50.000 Euro zahlte. Die Miete erhielt er von Marsalek.[7]

Wirecard und Betrugsvorwürfe

Im März 2019 berichtete die Financial Times von verdächtigen Transaktionen in Singapur mit einem Gesamtvolumen in Höhe von zwei Milliarden Euro, über die Marsalek Bescheid gewusst haben soll.[8] Am 18. Juni 2020 musste Wirecard eingestehen, keinen Nachweis über 1,9 Milliarden Euro zu haben. Marsalek wurde sofort freigestellt und wenige Tage später fristlos entlassen.[9] In der Folge musste Wirecard Insolvenz anmelden. Marsalek gilt als einer der Hauptverantwortlichen.[10][11] Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft München I gegen Jan Marsalek sind:[12]

  • gewerbsmäßiger Bandenbetrug (§ 263 Abs. 5 StGB)
  • besonders schwerer Fall der Untreue (§ 266 Abs. 2 in Verbindung mit § 263 Abs. 3 Nr. 1 & Nr. 2 StGB)
  • Bilanzfälschung (§ 283b Abs. 1 StGB)
  • Börsenmanipulation (§ 119 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 5 Nr. 1 WpHG)
  • weitere Vermögens- und Wirtschaftsdelikte

Geheimdienstkontakte

Zu österreichischen Stellen

Der frühere FPÖ-Spitzenpolitiker Johann Gudenus soll von Marsalek mit vertraulichen Informationen aus den österreichischen Sicherheitsbehörden versorgt worden sein.[13] Gudenus hat Marsalek im Sommer 2018 einen Termin im damals von der FPÖ geführten österreichischen Innenministerium verschafft.[14] Der deutsche Generalbundesanwalt (GBA) untersucht nach Angaben des deutschen Bundesjustizministeriums Anhaltspunkte dafür, „dass der österreichische Staatsangehörige Jan Marsalek von einem Mitarbeiter des österreichischen Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) als Vertrauensperson geführt wurde“.[15] Im Januar 2021 wurden in diesem Zusammenhang zwei BVT-Mitarbeiter und der ehemalige FPÖ-Nationalratsabgeordnete Thomas Schellenbacher verhaftet.[16][17] Im 3. Untersuchungsausschuss der 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages ging es auch um die Frage, ob Marsalek Kontakte zum früheren Geheimdienstkoordinator Klaus-Dieter Fritsche hatte.[18] Fritsche hatte 2019 als externer Berater für eine BVT-Reform Zugriff auf Akten und war ab Juni 2019 als Lobbyist für Wirecard tätig.[19]

Arbeit für russische Stellen

Marsalek war bereits während seiner Tätigkeit bei Wirecard mit Personen aus dem Umfeld des russischen Militärnachrichtendienstes GRU bekannt. Die Recherchen von Bellingcat und Spiegel legen nahe, dass der russische Inlandsgeheimdienst FSB ihn ab 2015 überwachte und seine Reisebewegungen sowie Buchungsdaten speicherte. 2016 stellte der FSB demnach die Speicherung ein, Marsalek reiste auch danach noch nach Russland ein[20] – nach Bellingcat-Informationen über 60-mal. Er benutzte hierbei vier verschiedene österreichische und einen Diplomatenpass. Die Reisen seien auffallend kurz gewesen, so verbrachte Marsalek oft nicht einmal einen Tag dort. Experten gehen davon aus, dass er längere Zeit mit Moskauer Diensten kooperierte.[21] Marsalek verfügte im Jahr 2018 über vier streng vertrauliche Dokumente der Organisation für das Verbot chemischer Waffen über den Anschlag auf Sergei Wiktorowitsch Skripal in Salisbury.[22]

Im März 2024 wurde durch ein Strafverfahren im Vereinigten Königreich Marsaleks Funktion als Leiter eines Agentenrings in Europa bekannt. Dabei hatte Marsalek dieses europaweite Netzwerk von fünf russischen Agenten angeleitet, um Spionageaufträge für das Putin-Regime auszuführen bzw. Grosew ermorden zu lassen.[23] Als zentrale Person einer Gruppe von Spionen im Auftrag des russischen Staats war deren Aufgabe u. a. den Investigativjournalist Christo Grosew zu observieren.[24][25] In einer im Dezember 2024 veröffentlichten Anklageschrift wurde bekannt, dass diese Gruppe besprochen hatte, Grosew zu entführen und nach Russland zu verbringen oder zu töten.[26] Vor Gericht wurde bekannt, dass Agenten des Spionagerings im Jahr 2022 in Grosews Wohnung in Wien einbrachen. Im Februar 2023 wurden fünf Mitglieder des Spionagerings verhaftet und im November 2024 am Central Criminal Court in London vor Gericht gestellt. Nachdem zwei von ihnen die Vorwürfe gestanden hatten, wurden die restlichen drei im März 2025 für schuldig befunden. Das Strafmaß ist bisher noch nicht bekannt.[27]

Diese Gruppe spähte auch einen US-Militärstützpunkt in den Patch Barracks in Stuttgart aus, in dem ukrainische Soldaten an „Patriot“-Systemen trainiert wurden. Ziel war es laut Chatprotokollen, die im Prozess gegen die Gruppe publik wurden, mit IMSI-Catchern Mobiltelefonnummern der dort trainierten ukrainische Soldaten herauszufinden in der Hoffnung, anhand dieser Telefonnummern später Patriotsysteme in der Ukraine orten und bekämpfen zu können.[28]

Im April 2024 wurde der frühere Mitarbeiter des österreichischen Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung Egisto Ott festgenommen, der im Auftrag Marsaleks interne Daten des BVT abgefragt haben soll.[29] Ott wird vorgeworfen, die Meldeadresse von Christo Grosew vor dem Einbruch in dessen Wohnung abgefragt zu haben.[30] Ott soll für Marsalek auch Abfragen zu Personen gemacht haben, deren Aufenthaltsort der FSB wissen wollte, unter anderem zu einem abtrünnigen FSB-Agenten.[31][32]

Spätestens im Juni 2024 hatte der deutsche Generalbundesanwalt Ermittlungen gegen Marsalek wegen des Verdachts der Spionage für Russland eingeleitet.[25]

Flucht und Aufenthalt in Russland

Marsalek wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Ihm werden Marktmanipulation, Bilanzfälschung, Untreue und bandenmäßiger Betrug vorgeworfen.[33]

Am 18. Juni 2020 wurde er von Wirecard freigestellt. An diesem Tag bekamen ihn auch seine Kollegen letztmalig zu Gesicht.[20] Zuletzt gesehen wurde Marsalek in Wien, wo er sich kurz vor dem Abflug vom österreichischen Flugplatz Vöslau[34] in einem italienischen Speiselokal mit Martin Weiss, einem früheren hochrangigen Abteilungsleiter im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), traf. Weiss steht im Verdacht, in seiner aktiven Zeit für Marsalek und damit Moskau spioniert zu haben.[35][15]

Zunächst war spekuliert worden, er halte sich auf den Philippinen auf. Seine angebliche Einreise am 23. Juni 2020 und seine Ausreise nach China am 24. Juni 2020 stellten sich jedoch als fingiert heraus.[36][37] Am 4. Juli erklärte der philippinische Justizminister Menardo Guevarra, Beamte der philippinischen Einwanderungsbehörde hätten entsprechende Daten gefälscht.[20] Am 12. August 2020 wurde die Öffentlichkeit über Aktenzeichen XY … ungelöst um Mithilfe bei der Fahndung gebeten.[38] Nach Angaben des Spiegel reiste Marsalek mit falschem Pass zunächst nach Belarus ein.[36] Laut dem Recherchenetzwerk Bellingcat flog er noch am Tag seiner Freistellung bei Wirecard Mitte Juni von Klagenfurt über Tallinn nach Minsk. Wegen des politischen Konflikts zwischen Russland und Belarus sei es dem russischen Militärgeheimdienst GRU aber zu riskant gewesen, ihn im Nachbarland zu belassen. Deshalb habe man ihn weiter nach Russland gebracht.[39][40] Das Handelsblatt berichtete unter Berufung auf Unternehmer-, Justiz- und Diplomatenkreise, dass er auf einem Anwesen westlich von Moskau unter Aufsicht des russischen Militärgeheimdienstes untergebracht wurde.[41]

Im September 2021 wurde bekannt, dass im Frühjahr 2021 bei einem Vermieter einer von Marsalek angemieteten Wohnung im Münchner Stadtteil Schwabing rund 80.000 Euro eingegangen waren.[42] In der Wohnung wohnte zuvor Marsaleks Freundin. Die Überweisung erfolgte durch ein Pseudonym aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ob Marsalek oder ein Strohmann für diese Überweisung verantwortlich ist, ist bisher unklar. Unter Berufung auf geheime Akten berichtete Bild im April 2022, dass dem Bundesnachrichtendienst Anfang 2021 angeboten worden sei, Marsalek in Moskau zu vernehmen. Er soll sich zu dem Zeitpunkt in Rasdory in der Oblast Moskau aufgehalten haben;[43][44] das Dorf an der Rubljowka gilt als Nobelvorort der russischen Hauptstadt (siehe Rolle deutscher Behörden).[45] Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll Marsalek im Jahr 2022 unter dem Namen German Baschenow im Villenviertel Meyendorff Gardens bei Moskau, in dem sich auch das Gästehaus des Kreml befindet, gelebt und unter ständiger Bewachung des russischen Geheimdienstes gestanden haben.[46][47] Die deutsche Justiz verlangte von Russland seine Auslieferung.[48] Seitdem wurde er auch in Dubai (VAE) vermutet.[49]

Mitte Juli 2023 wandte sich Marsalek über seinen Verteidiger schriftlich an das Landgericht München I.[50] Im März 2024 berichteten ZDF Frontal, Der Spiegel, Der Standard und The Insider unter Berufung auf gemeinsame Recherchen, dass Marsalek mithilfe russischer Geheimdienste seit September 2020 einen russischen Pass besitze, der ihn als Konstantin Wladimirowitsch Bajasow ausweist. Die Personendaten stammten ursprünglich von einem orthodoxen Priester, der in Lipezk lebte und ähnlich aussah wie Marsalek.[51][52]

Im September 2025 ergaben weitere Recherchen derselben Medien, dass Marsalek unter der Identität Alexander Michailowitsch Nelidow in Moskau lebe. Sein Handy wurde 2024 mehrfach in der Nähe der FSB-Zentrale geortet. Außerdem hielt er sich im Kriegsgebiet in der Ostukraine, auf der Krim und im besetzten Mariupol auf, wo er an Einsätzen hinter der Front beteiligt gewesen sein soll. Russland stellte ihm dazu sowohl gefälschte Dokumente real existierender Personen als auch Papiere einer erfundenen Identität aus, angeblich mit Herkunft aus einem russisch besetzten Gebiet in der Ostukraine.[53]

Laut dem Wiener Rechtsanwalt Georg Bürstmayr könnte Jan Marsalek die österreichische Staatsbürgerschaft per Gerichtsverfahren entzogen werden, sofern er die russische Staatsangehörigkeit besäße und in der russischen Armee gekämpft habe, da er dadurch Österreichs Interessen oder Ansehen geschädigt haben könnte.[54]

Rolle deutscher Behörden

Die Staatsanwaltschaft München erließ 2020 einen internationalen Haftbefehl gegen Jan Marsalek und startete eine groß angelegte Öffentlichkeitsfahndung mit Bildern von Marsalek auf Plakaten und öffentlichen Screens.[55][56] Schnell lagen öffentlich starke Indizien dafür vor, dass sich Marsalek legal in Russland aufhält und dies deutschen Behörden bekannt ist.[57][58] Anfang 2021 wurde dem BND gar ein Treffen mit Marsalek in Moskau angeboten. Ein internationales journalistisches Rechercheteam veröffentlichte im Spätsommer 2025 Informationen, die ein umfassendes Bild von Marsaleks aktuellem Leben und Aktivitäten in Moskau zeichnen. Sie machten seine Ausweisdokumente, seine Aktivitäten im Ukrainekrieg, Spionageaktionen und persönliche Beziehungen öffentlich. Zudem erbrachten sie deutliche Hinweise, dass er in leitender Position für den FSB arbeitet.[59]

Christo Grozev aus dem Rechercheteam sagte, wenn er mit limitierten Ressourcen Marsalek finden könne, sollten das Regierungen und Ermittlungsbehörden ebenfalls können. Deutschland hätte sehr viel aktiver sein können und müsse nicht darauf warten, dass sich Marsalek stelle.[57] Hätte es ein Interesse daran gegeben, hätte Marsalek z. B. bei seinem Aufenthalt in der Ukraine festgenommen werden können, so Grozev.[60]

Bereits Anfang 2021 hatte ein Mann mit Verbindungen zum FSB Kontakt mit einem BND-Vertreter in Moskau aufgenommen und angeboten, ein Treffen zwischen Marsalek und BND zu arrangieren. Nach Rücksprache mit der BND-Zentrale und einer Information ans Kanzleramt lehnte das Amt das Treffen ab, aus Angst, die deutschen Agenten könnten in eine verfängliche Situation gebracht und vorgeführt werden. Wäre das Treffen öffentlich geworden, hätten der Bundesregierung heimliche Kontakte zu einem Geflüchteten vorgeworfen werden können.[61] Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist deutschen Behörden klar, dass sich Marsalek in Russland aufhält und von der dortigen Regierung gedeckt wird.[62]

Christo Grozev äußerte im September 2025 im ARD Interview die Prognose, dass Marsalek nicht fortwährend von russischen Stellen gedeckt werde.[60]

Versuchter Kauf von Spionagesoftware und Aktivitäten in Libyen

Im November 2013 soll Marsalek versucht haben, Spyware des italienischen Unternehmens HackingTeam zu erwerben, die dieses nach eigenen Angaben ausschließlich an staatliche Stellen verkauft. Ende Oktober 2013 wird er in einem Schreiben an das Unternehmen als Repräsentant des Inselstaats Grenada genannt, in dem Interesse am Kauf der HackingTeam-Spyware bekundet und eine Produktvorführung angefragt wird. Das Schreiben ist dem Anschein nach auf offiziellem Briefpapier Grenadas gedruckt und trägt die Unterschrift des damaligen grenadischen Außenministers Nickolas Steele. Gegenüber dem Spiegel bestätigte Steele ein letzten Endes erfolgloses Treffen mit Marsalek im Sommer 2013, bei dem es um Wirecard-Technologie zur Zahlungsabwicklung gegangen sei. Steele bestritt die Echtheit des Schreibens an HackingTeam ebenso wie der Geschäftsführer des als Zwischenhändler genannten mexikanischen Unternehmens Encryptech. Im Juli 2013 waren auf den Namen Jan Marsalek Internet-Domains mit offiziell erscheinendem Namen registriert worden, darunter stateofgrenada.org, die zu Servern in Deutschland führten. Der ehemalige Chef von HackingTeam bestritt das Zustandekommen eines Treffens mit Marsalek oder Repräsentanten Grenadas. Interne E-Mails, deren Echtheit ein ehemaliger HackingTeam-Mitarbeiter bestätigte, legen jedoch nahe, dass am 27. November 2013 eine Spyware-Vorführung für Marsalek stattfand. Laut dem Chef des HackingTeam-Nachfolgeunternehmens Memento Labs und zwei weiteren ehemaligen HackingTeam-Mitarbeitern kam es jedoch zu keinem Vertragsabschluss zwischen HackingTeam und Grenada oder Marsalek.[63][64]

Marsalek hatte Kontakte zu einer „russischen Sicherheitsfirma, die in Libyen aktiv war“, sowie zu den Eigentümern einer Zementfabrik in Libyen. Außerdem plante er dort laut Kilian Kleinschmidt kurzzeitig ein Flüchtlingsprojekt, später stattdessen eine „Grenzschutztruppe für die Bewachung der libyschen Südgrenze“;[65] dabei soll es sich um eine 15.000 Mann starke Söldnertruppe gehandelt haben.[66]

Rezeption in Medien und Musik

Die Satire-Sendung ZDF Magazin Royale befasste sich in ihrer Ausgabe vom 27. November 2020 ausführlich mit Jan Marsalek. In der Sendung wurde auf eine gemeinsam mit dem Handelsblatt erstellte neue Website hingewiesen, auf der ausführlicher über den Fall informiert wird.[67] Marsaleks Wirken wurde in dem im Dezember 2020 im Ersten ausgestrahlten Dokumentarfilm Der Fall Wirecard. Von Sehern, Blendern und Verblendeten des Bayerischen Rundfunks kurz thematisiert.[68]

2021 erschien das Dokudrama Der große Fake – Die Wirecard-Story von den Drehbuchautoren Hannah Ley und Raymond Ley. Der Film kombiniert spielerische Elemente mit Erzählungen realer Zeitzeugen wie der Hedgefondsgründerin Fahmi Quadir. Im Mai 2021 erschien Wirecard – Die Milliarden-Lüge, produziert von Sky Deutschland, Das Erste und RBB. Der Dokumentarfilm zeigt, wie mutige Informanten und Journalisten gegen alle Widerstände einen der größten Finanzskandale aller Zeiten aufdeckten.[69] Zum selben Zeitpunkt beleuchtete der ORF im Dokumentarfilm Der talentierte Herr Marsalek – Wie man Geld erfindet Marsaleks Biografie genauer.[70] Im Juli 2022 wurde auf Netflix die Wirecard-Satire King of Stonks veröffentlicht. Die Miniserie ist vom Finanzbetrug und den handelnden Personen der Wirecard inspiriert.[71] Im September desselben Jahres veröffentlichte der Streamingdienstleister die Dokumentation Skandal! Der Sturz von Wirecard.[72]

Literatur

  • Ben Taub: How the Biggest Fraud in German History Unravelled. In: The New Yorker. 6. März 2023 (englisch, newyorker.com).
  • Anna Thalhammer: Der Spionagefall des Jahrhunderts. In: Profil. 9. März 2023[73]
Commons: Jan Marsalek – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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