Jane de Iongh

niederländische Historikerin und Diplomatin From Wikipedia, the free encyclopedia

Adriana Willemina Jane de Iongh (geboren 8. März 1901 in Dordrecht; gestorben 3. März 1982 in London) war eine niederländische Historikerin und Diplomatin.

Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis 1937, de Iongh steht am Tischende

Leben

Jane de Iongh wurde am 8. März 1901 in Dordrecht geboren. Ihr Vater war der Versicherungskaufmann Willem de Iongh (1870–1956), ihre Mutter die Diplomatin Catharina Geertruida Brand (1872–1928). Sie hatte einen jüngeren Bruder und wuchs in einer künstlerisch geprägten Familie auf. Im Jahr 1919 legte de Iongh das Abitur ab und begann ein Literaturstudium an der Universität Amsterdam. Sie zog 1923 mit der Jurastudentin und späteren Anwältin Rimke Zoethout zusammen. Die Beziehung bestand bis 1951. Dieses Verhältnis war den Personen ihres nahen Umfeldes bekannt, jedoch wurde es nicht thematisiert.[1]

Sie verfasste unter der Betreuung von Hajo Brugmans für ihr Geschichtsstudium eine Arbeit über die italienische Renaissance. Ihr Studium schloss sie 1924 ab und wurde von der Securities Trading Association beauftragt, ein Jubiläumsbuch zu schreiben. Das „Memorial Book 1876–1926“ erschien 1926 und sicherte ihr eine Anstellung beim Bankhaus Hope & Co. Diese Stelle kündigte sie nach kurzer Zeit und schrieb ihre Dissertation. Im Jahr 1927 promovierte sie mit ihrer Arbeit über die Ideen von Erasmus zu Staat und Regierung. Dabei beeindruckte sie während der Prüfung den Wirtschaftshistoriker N.W. Posthumus so eindrücklich, dass dieser sie zur Bibliothekarin seines Niederländischen Wirtschaftshistorischen Archivs (NEHA) ernannte.[1]

Niederländisches Wirtschaftshistorisches Archiv

Für das Niederländische Wirtschaftshistorische Archiv arbeitete sie 1929 an der Internationalen Wirtschaftshistorischen Ausstellung mit, die im Stedelijk Museum Amsterdam gezeigt wurde. Die Ausstellung gab einen Überblick über das Wirtschaftsleben im Laufe der Jahrhunderte. Dieses wurde mit Gemälden, Wandteppichen, Drucken, Miniaturen und Dokumenten dargestellt. Jane de Iongh gehörte von 1931 bis 1935 auch dem Vorstand des NEHA an. Sie fertigte eine Studie zur Geschichte der Papierfabrik Van Gelder an, Van Gelder Söhne (1784–1934), die 1934 als wissenschaftliche Studie, aber auch in einer populärwissenschaftlichen Ausgabe erschien. Für die Brennerei Bols fertigte sie ebenfalls eine Studie zur Geschichte an, diese wurde jedoch nicht veröffentlicht. In ihrer Studie konnte sie die Unternehmensgründung im Jahr 1575 nicht nachweisen, mit der die Brennerei stets geworben hatte.[1]

Frauenbewegung

Vorstandsmitglied des Internationalen Instituts für Sozialgeschichte und des Internationalen Archivs der Frauenbewegung wurde de Iongh im Jahr 1935. Von der Feministin Rosa Manus wurde sie zu historischen Forschungen zur britischen und französischen Frauenbewegung inspiriert. Als Ergebnis dieser Bemühungen verfasste sie die Broschüre „Dokumentation der Geschichte der Frauen und der Frauenbewegung“ (1936), in der sie den Begriff „Gender“ als historische Kategorie einführte.[1]

Durch die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre wurde für Jane de Iongh die prekäre Lage der Frauen deutlich. Sie engagierte sich im Niederländischen Verein für Fraueninteressen und Gleichberechtigung sowie in der Frauengruppe der Liberalen Staatspartei. Über Frauenthemen und gesellschaftspolitische Ereignisse publizierte sie in „De Groene Amsterdammer“ und „Algemeen Handelsblad“. 1938 engagierte sie sich bei der Gründung des Korps Vrouwelijke Vrijwilligers (KVV). In diesem Frauenfreiwilligenkorps bereiteten sich Amsterdamerinnen auf die Verteidigung der Heimatfront vor.[1]

Zweiter Weltkrieg

Jane de Iongh versuchte innerhalb des KVV ihre Ideen einer umfassenderen Bürgerschaft für Frauen zu verwirklichen. Sie veröffentlichte dazu 1940 zwei Artikel im Algemeen Handelsblad über Haarlem Kenau, eine „weibliche Freiwillige aus dem 16. Jahrhundert“. Der Krieg brach aus, noch bevor sich der KVV zu einer nationalen Organisation entwickeln konnte. Er wurde 1941 von den deutschen Besatzungstruppen aufgelöst. De Iongh ging in den Untergrund und arbeitete an der Gründung eines neuen nationalen Verbandes weiblicher Freiwilliger. Diese Organisation zählte am Tag der Befreiung über zweihundert Ortsgruppen und Jane de Iongh war die Präsidentin der Organisation, Marga Klompé die Vizepräsidentin und Königin Wilhelmina Schirmherrin.[1]

Für den Verlag Querido verfasste de Iongh während der Besatzungszeit die Biografien von Margarete von Österreich (1941) und Maria von Ungarn (Teil 1, 1942). Nach der Befreiung geriet de Iongh mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber Posthumus in Konflikt. Nach einem lobenden Artikel im Algemeen Handelsblad über die Widerstandsarbeit des Nederlandsch Vrouwen Comité (NVC) hatte er ihr vorgeworfen, sich dem deutschen System angepasst zu haben und es nachzuahmen. Sie hätte angeblich aus Feigheit die jüdische Ärztin Aletta Jacobs nicht erwähnt. Posthumus hatte gefordert, dass sie aus dem Vorstand entfernt werden müsse, dies geschah jedoch nicht und sie trat, wie es in der Satzung vorgeschrieben war, 1947 zurück.[1]

Diplomation

1948 wurde sie zum Attachée für Bildung, Kunst und Wissenschaft an der niederländischen Botschaft in London ernannt. In dieser Funktion organisierte sie sieben Jahre lang vielfältige kulturelle Aktivitäten. Auch vollendete sie 1951 den zweiten Teil ihrer Biografie über Maria von Ungarg. In jenem Jahr trennte sie sich von Rimke Zoethout und ging eine neue Beziehung ein. Mit ihrer britischen Freundin reiste sie 1958 nach Saint-Paul-de-Vence in Südfrankreich. Dort ließ sie sich aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nieder. In Südfrankreich und Italien arbeitete sie an ihrer dritten Regentenbiografie über Margarete von Österreich (1965). Sie arbeitete behindert durch Krankheit und zahlreiche Umzüge über fünfzehn Jahre an ihren Biografien. Diese wurden im April 1981, ein Jahr vor ihrem Tod, schließlich präsentiert.

Jane de Iongh starb 1982 wenige Tage vor ihrem 81. Geburtstag in London.

Einzelnachweise

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