Jaro Prohaska

österreichischer Opernsänger From Wikipedia, the free encyclopedia

Jaro Prohaska, eigentlich Jaroslav (* 24. Jänner 1891 in Wien; † 28. September 1965 in München) war ein österreichischer Opernsänger (Stimmfach Bariton bzw. Bassbariton) und Gesangspädagoge. Er hatte große Erfolge insbesondere im Wagner-Fach, gehörte zwei Jahrzehnte lang zum Ensemble der Staatsoper Unter den Linden und gastierte von 1933 bis 1944 regelmäßig bei den Bayreuther Festspielen.

Signatur (1938)

Leben und Werk

Jaro Prohaska war als Junge von 1898 bis 1906 Alt-Solist im Chor der Peterlini-Sängerknaben. Er studierte Musik bei Otto Müller und wurde 1907 Organist, 1909 Regens chori in der Pfarrkirche St. Thekla in Wieden. Nach Kriegsteilnahme und Kriegsgefangenschaft (1915–1919) war er Chordirigent in Wien und studierte er von 1919 bis 1922 Gesang an der Wiener Musikakademie.

Er debütierte 1920 im Konzertsaal, 1922 auf der Bühne. Sein erstes Engagement führte ihn von 1922 bis 1926 an das Stadttheater Lübeck, wo er als Titelheld in Hans Heiling debütierte. Danach war er ab der Spielzeit 1926/27 sechs Spielzeiten am Stadttheater Nürnberg verpflichtet. Von 1931 bis 1952 war er Ensemblemitglied an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Als eine seiner „Glanzrollen“ galt der Hans Sachs in Die Meistersinger von Nürnberg, den er in Nürnberg ab der Spielzeit 1926/27 in mehr als 40 Vorstellungen verkörperte, auch nach 1931 weiterhin als Gast, als er bereits in Berlin unter Vertrag stand.[1] Er galt als grandioser Rollengestalter, als Sänger mit intensivem Ausdruck.

Jaro Prohaska gastierte von 1933 bis 1944 regelmäßig bei den Bayreuther Festspielen, von 1934 bis 1937 auch an der Wiener Staatsoper. In Bayreuth war er durchgehend in Hauptrollen eingesetzt, so in der Titelpartie des Fliegenden Holländers, als Friedrich von Telramund in Lohengrin, als Kurwenal in Tristan und Isolde, als Hans Sachs, als Amfortas in Parsifal sowie als Wotan bzw. Wanderer in Der Ring des Nibelungen.

Prohaska gastierte im Laufe seiner Karriere u. a. an der Grand Opéra Paris, am Opernhaus von Rom, am Teatro Colon in Buenos Aires (1935, 1937), am Teatro Nacional de São Carlos in Lissabon, am Deutschen Theater Prag, beim Maggio Musicale Fiorentino (1938), an der Komischen Oper Berlin (Spielzeit 1949/50, als Zsupán in Der Zigeunerbaron) sowie an den Opernbühnen in Amsterdam, Budapest und Warschau. Das Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper verzeichnet 19 Auftritte Jaro Prohaskas im Haus am Ring.[2]

Prohaska war ein glühender Anhänger des Nationalsozialismus.[3] Zumeist war seine politische Überzeugung in der Rollengestaltung nicht prägend, ausgenommen jedoch bei den Kriegsfestspielen 1940 in Bayreuth, als er den Hans Sachs – in Anwesenheit Adolf Hitlers – betont deutschnational gestaltete: „Die Schlussansprache geriet in die Nähe einer Parteitagsrede, unangenehm in ihrer Robustheit und besserwisserischen Gnadenlosigkeit.“[4] Er stand auf der Gottbegnadeten-Liste.[5]

1949 verkörperte er bei den Salzburger Festspielen den Baron Ochs auf Lerchenau in Der Rosenkavalier. Es inszenierte Lothar Wallerstein, es dirigierte George Szell, beide aus der Emigration zurückgekehrt.[6]

Von 1947 bis 1959 war er als Gesangspädagoge an der Berliner Musikhochschule tätig, ab 1952 als Direktor von deren Opernschule. Zu seinen Schülern zählten Uwe Kreyssig, Hermann Prey und Otto Wiener. Er lebte zuletzt in München-Grünwald.

Rollenrepertoire (Auswahl)

Tondokumente

Werke Richard Wagners
Werke anderer Komponisten

Auszeichnungen

Literatur und Quellen

Einzelnachweise

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