Jean-Baptiste Mallet

französischer Maler From Wikipedia, the free encyclopedia

Jean-Baptiste Mallet (* 9. Mai 1759 in Grasse; † 16. August 1835 in Paris) war ein französischer Maler und Zeichner. Er gilt als Chronist des bürgerlichen Lebens in der Zeit der Ersten Republik und des Empire. Sein Werk umfasst Gouachen und Ölgemälde mit galanten Salon- und Boudoir-Szenen, Genrebilder in der Tradition der holländischen Barockmalerei, Bilder im Stil des Goût troubadour[1][2] sowie religiöse und historische Sujets.[3]

Jean-Baptiste Mallet: Ein Maleratelier mit einer jungen Künstlerin, 1806. Ex-Sotheby’s, Paris

Leben

Jean-Baptiste Mallet wurde am 9. Mai 1759 in Grasse geboren und am folgenden Tag in der dortigen Kirche getauft. Über seine frühe künstlerische Ausbildung ist nur wenig gesichert überliefert. Wahrscheinlich erhielt er sie in Toulon oder Paris bei Simon Julien. Im Jahr 1783 gewann er einen Preis an der Académie Royale de Peinture et de Sculpture und wurde 1791 mit einer Medaille ausgezeichnet. Im selben Jahr stellte er erstmals im Salon der Akademie aus, ebenso 1793 und dann regelmäßig von 1800 bis 1824. Jean-Baptiste Mallet starb am 16. August 1835 in Paris.[3]

Werk

Jean-Baptiste Mallet: L'Innocence et la Fidélité ramenant l’Amour (Unschuld und Treue bringen die Liebe zurück, um 1810). Villa-Musée Jean-Honoré Fragonard

In seiner frühen Schaffensphase widmete Jean-Baptiste Mallet sich vorwiegend dem damals modischen bürgerlichen Genre mit Salon- und galanten Boudoir-Szenen. Durch die dokumentarisch genaue Schilderung von Kleidermode und Einrichtung wurden diese Werke zu einem Zeugnis der Ersten Republik. Diese Werke, die stilistisch jenen Philibert-Louis Debucourts nahestehen, zeichnen sich durch feine Linienführung, zeichnerische Details und eine helle, pastellartige Farbgebung aus. Technisch dominierte in dieser Phase die Gouache, wie bei dem Werk Réunion dans un salon (1794, Grasse, Musée Fragonard). Auch galant-erotische Darstellungen finden sich unter seinen Arbeiten.[3]

Jean-Baptiste Mallet: Die Verteilung von Rosenkränzen, 1793. Cleveland Museum of Art

Um 1795/96 hielt sich Mallet in Rom auf. In der anschließenden Zeit traten erstmals antikisierende Themen in Anlehnung an Kompositionen von Jacques-Louis David in sein Werk ein. Daneben zeigen sich Einflüsse von Jean Honoré Fragonard und von Jean-Baptiste Greuze, beispielsweise in dem Werk Venus et Mars (Privatsammlung). Gegen 1800 wandte er sich dem Goût hollandais zu, der damaligen Mode für holländisch inspirierte Genremalerei. Es entstanden Bilder in dunkleren und wärmeren Farben mit stärkeren Licht-Schatten-Kontrasten, die stilistisch und thematisch die holländische Genremalerei des 17. Jahrhunderts zum Vorbild nehmen. Ein Beispiel hierfür ist das Concert hollandais (Öl auf Holz, Grasse, Musée Fragonard). Technisch bevorzugte er nun Öl, fertigte von vielen Bildern jedoch auch leichter verkäufliche Ausführungen in Gouache an.[3]

In den Jahren 1808 bis 1810 geriet Jean-Baptiste Mallet unter den Einfluss des antikisierenden Stils von Pierre-Paul Prud’hon, wobei seine Bilder einen stärker anekdotisch-idyllischen Charakter aufweisen. Dies wird beispielsweise in dem Werk Vénus et Adonis entourés d'Amours (Grasse, Musée Fragonard) deutlich. Ab etwa 1810 vollzog sich eine erneute Trendwende. Mallet wandte sich dem Goût troubadour zu, der Wiedergabe mittelalterlicher Themen in romantisierend-süßlicher und anekdotisch verniedlichender Form. Dieser Stil wurde während des Empire vor allem von Kaiserin Joséphine und in der nachfolgenden Restaurationszeit allgemein sehr geschätzt. Charakteristisch für diese Werke sind das meist kleine Format und die emailartig glatte Oberfläche. Im Gemälde La salle de bain gothique (Öl auf Leinwand, 1810, Château-Musée, Dieppe) verband Mallet gotische Architektur mit zeitgenössischem Mobiliar und niederländisch-barocker Körperdarstellung.[3]

Literatur

  • Adriana Zanella, Beitrag in: Le cardinal Fesch et l’art de son temps. Ausstellungskatalog, Paris 2007.
  • Adriana Zanella: Jean-Baptiste Mallet. Ausstellungskatalog Musée Fragonard, Grasse 2004.
  • Adriana Zanella: Trois peintres grassois. Ausstellungskatalog Musée Fragonard, Grasse 2011.
  • Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter, Berlin/Boston 2009.
  • François Pupil: Le style troubadour ou la nostalgie du bon vieux temps. Presses Universitaires de Nancy, Nancy 1985.
  • Les années romantiques. La peinture française de 1815 à 1850. Ausstellungskatalog, Paris 1995.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 9: Maele – Müller. Paris, 2006.

Einzelnachweise

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