Jean Kaempfer

Schweizer Literaturwissenschaftler und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Jean Kaempfer (* 12. Mai 1950 in La Chaux-de-Fonds)[1] ist ein Schweizer romanistischer Literaturwissenschaftler. Er war von 1997 bis 2012 Professor für Französische Literatur an der Universität Lausanne.

Leben

Jean Kaempfer besuchte die Schulen in La Chaux-de-Fonds und studierte anschliessend Französische Sprach- und Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Genf, wo er 1975 das Lizentiat erwarb.[2] Sein wichtigster akademischer Lehrer war Jean Rousset. Von 1977 bis 1981 war er Assistent für französische Literatur in Genf und von 1981 bis 1984 an der Universität Zürich.[3] Von 1984 bis 1991 war er Oberassistent an der Universität Lausanne. 1987 promovierte er in Genf mit einer von Lucien Dällenbach betreuten Arbeit über Émile Zola.[4] Von 1991 bis 1993 liess er sich vom Unterricht freistellen, um ein Buch über literarische Kriegserzählungen zu schreiben.[3] Er unterrichtete danach als Französischlehrer an einem Gymnasium in Lausanne, ehe er 1997 als ordentlicher Professor für französische Literatur an die Universität Lausanne berufen wurde. 2012 wurde er auf eigenen Wunsch frühzeitig emeritiert.[2]

Kaempfer nahm Gastprofessuren an den Universitäten Bern (1989–1990), Genf (1990–1991, 1998–1999, 2000–2001, 2002–2003) und Zürich (1995–1996) wahr.[3] 2013 wurde er von der Université Blaise Pascal de Clermont-Ferrand zum Ehrendoktor ernannt.[4]

Er war von 1994 bis 2005 Präsident der Jury des Prix Michel-Dentan[5] und von 2016 bis 2020 Jurymitglied der Schweizer Literaturpreise.[6]

Forschung

Kaempfer ist ein Spezialist für die französische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, insbesondere hat er sich mit der Theorie und Praxis des Romans auseinandergesetzt. Er hat Monografien über den Naturalismus Émile Zolas und die Poetik des Kriegsberichts, u. a. bei Claude Simon, veröffentlicht. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung des Romans seit den 1950er Jahren; in Lehrveranstaltungen und Publikationen hat er sich insbesondere auch mit der zeitgenössischen Romanproduktion beschäftigt (u. a. Pierre Bergougnioux, François Bon, Éric Chevillard, Didier Daeninckx, Jean Echenoz, Maurice G. Dantec, Pierre Michon, Richard Millet, Marie Ndiaye, Jean-Philippe Toussaint).[7] Daneben hat er sich mit grösseren Themenkomplexen befasst, die das gesellschaftliche Imaginäre in verschiedenen Zeiten interdisziplinär und komparatistisch in den Blick nehmen: Darstellungen des Kriegs, der Wirtschaft und von Jesus in der Literatur und teilweise der bildenden Kunst.[7]

Publikationen (Auswahl)

Monografien

Herausgeberschaft

  • mit Sonya Florey und Jérôme Meizoz: Formes de l’engagement littéraire (XVe–XXIe siècle). Éditions Antipodes, Lausanne 2006, ISBN 978-2-940146-77-2.
  • Michon lu et relu. Rodopi, Amsterdam 2011, ISBN 9789042033313.
  • mit Alain Boillat, Philippe Kaenel: Jésus en représentations. De la Belle Epoque à la postmodernité. Infolio éditions, Gollion 2011, ISBN 9782884744973.
  • Tensions toniques. Les récits de Marie-Hélène Lafon. Mit bislang unpublizierten Texten von Marie-Hélène Lafon. Archipel, Lausanne 2012, ISBN 9782940355150.

Übersetzung

Einzelnachweise

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