Jean Poperen

französischer Politiker, Mitglied der Nationalversammlung From Wikipedia, the free encyclopedia

Jean Maurice Poperen (* 9. Januar 1925 in Angers, Département Maine-et-Loire; † 23. August 1997 in Paris) war ein französischer Politiker der Parti socialiste (PS), der unter anderem Mitglied der Nationalversammlung und zwischen 1988 und 1992 Minister für die Beziehungen zum Parlament war.

Jean Poperen (1992)

Leben

Jean Maurice Poperen, Sohn von Maurice Poperen und Marie Graffeuil, begann nach dem Besuch des Lycée David in Angers, des Lycée de Rennes und des Lycée Louis-le-Grand in Paris ein Geschichtsstudium an der Pariser École normale supérieure (ENS) und der Sorbonne, der Universität von Paris, das er 1947 mit einer Agrégation d’histoire beendete. Im Anschluss war er als Geschichtslehrer am Lycée de garçons in Amiens und am Lycée Janson de Sailly sowie als Assistenzdozent für Geschichte an der Universität von Paris tätig. Er engagierte sich im Verband Kommunistischer Studenten und schloss sich während seines Studiums 1943 auch der Kommunistischen Partei PCF (Parti communiste français) an, die er allerdings nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes im November 1956 verließ. Er gründete 1958 die Zeitschrift „Tribune du communisme“ und veröffentlichte Bücher in der Reihe „Les classiques du peuple“ beim linken Verlag Éditions sociales. Am 3. April 1960 gehörte er neben Édouard Depreux, Charles Hernu, Alain Savary, Robert Verdier, Jean Arthuys, Claude Bourdet, Henri Longeot, Gilles Martinet sowie Jean Verlhaczu den Mitgründern der Vereinigten Sozialistischen Partei PSU (Parti socialiste unifié) und war Mitglied des Nationalbüros der PSU. In Abkehr von der Parteilinie der PSU gründete er 1967 mit Colette Audry, Yves Jouffa, Jean-Pierre Biondi, Lucien Weitz, Guy Desson und Christiane Mora die Union der Sozialistischen Gruppen und Klubs UGCS (Union des groupes et clubs socialistes), die sich an der Föderation der Demokratischen und Sozialistischen Linken FDGS (Fédération de la gauche démocrate et socialiste) beteiligte und sich auf dem zweiten nationalen Parteitag im Juli 1969 in Issy-les-Moulineaux der neuen Sozialistischen Partei PS (Parti socialiste) anschloss.

Poperen, der 1971 Direktor des Exekutivbüros der Parti Socialiste wurde, wurde bei der Parlamentswahl am 11. März 1973 im neu geschaffenen 13. Wahlkreis des Département Rhône erstmals zum Mitglied der Nationalversammlung (Assemblée nationale) gewählt und gehörte dieser nach seiner Wiederwahl am 19. März 1978 und am 21. Juni 1981 vom 2. April 1973 bis zum 1. April 1986 an. Er schloss sich zunächst der Fraktion Sozialistische Partei und linke radikale Gruppe PSRG (Groupe du Parti socialiste et des radicaux de gauche) sowie 1978 der Fraktion Sozialistische Gruppe SOC (Groupe socialiste) an. Unter dem Ersten Sekretär der PS, François Mitterrand[1] war er Sekretär für Industriepolitik und Landwirtschaft, 1975 Propagandasekretär und Sekretär für Koordination. 1973 wurde er des Weiteren Mitglied des Regionalrates (Conseil régional) der damaligen Region Rhône-Alpes und gehörte diesem bis 1992 an. Am 20. März 1977 wurde er des Weiteren zum Bürgermeister von Meyzieu gewählt und bekleidete dieses Amt nach seinen Wiederwahlen am 13. März 1983, 19. März 1989 und am 18. Juni 1995 bis zum 23. August 1997 mehr als zwanzig Jahre lang.

Grabstätte von Jean Poperen auf dem Pariser Friedhof Cimetière du Père-Lachaise (Grab Nr. 3570).

Jean Poperen, ein Mitglied des linken Flügels der PS, war von 1981 bis 1987 Zweiter Sekretär der Parti Socialiste und damit Stellvertreter von Lionel Jospin,[2] der als Nachfolger Mitterrands zwischen 1981 und 1988 Erster Sekretär der PS war. Bei der Parlamentswahl am 16. März 1986 wurde er im Département Rhône erneut zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt, der er bis zu seinem Mandatsverzicht am 14. Mai 1988 angehörte. Am Tag zuvor wurde er am 13. Mai 1988 als Minister für die Beziehungen zum Parlament (Ministre chargé des Relations avec le Parlement) in das Kabinett Rocard I berufen und bekleidete dieses Ministeramt zwischen dem 29. Juni 1988 und dem 16. Mai 1991 auch im Kabinett Rocard II sowie vom 15. Mai 1991 bis zum 2. April 1992 im Kabinett Cresson.[3] Zwischenzeitlich wurde er bei der Parlamentswahl am 12. Juni 1988 für das Département Rhône noch einmal zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt, legte aber wegen seines Ministeramtes dieses Mandat am 28. Juli 1988 nieder und wurde daraufhin von der „NachrückerinMartine David[4] als Mitglied der Nationalversammlung abgelöst. Für seine Verdienste wurde er am 16. April 1995 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.[5]

Er war von 1960 bis zu seinem Tode 1997 mit Nathalie Valcourt (1923–2016) verheiratet sowie der ältere Bruder des kommunistischen Politikers und Gewerkschafters Claude Poperen (* 1931). Nach seinem Tode wurde er auf dem Pariser Cimetière du Père-Lachaise beigesetzt.

Veröffentlichungen

  • Robespierre, textes choisis, Les classiques du peuple, Éditions sociales, 3 Bände, Paris 1957, Neuauflage 1973
  • Une stratégie pour la gauche, Éditions Fayard, 1969
  • La gauche française, Éditions Fayard, 1972
  • L’Unité de la gauche, 1965–1973, Fayard, 1975
  • Nous sommes tous archaïques, Roblot 1978
  • Le nouveau contrat socialiste.Socialistes et liberté, Ramsay, 1988
  • Socialistes, la chute finale?, Plon, 1993

Literatur

  • Gilles Pudlowski: Jean Poperen et l’UGCS. du PSU au Parti socialiste, itinéraire d’un courant politique, Éditions Saint-Germain-des-Prés, Vorwort Colette Audry, Paris 1975
  • Emmanuel Maurel: Jean Poperen, une vie à gauche, Bruno Leprince, Paris 2005, ISBN 978-2-909634-97-5
  • Marie-Thérèse Mutin: Jean Poperen tel qu'en lui-même, Mutine, Cessey-sur-Tille, 2006, ISBN 978-2-911573-35-4
Commons: Jean Poperen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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