Jozef Schell
belgischer Molekularbiologe
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Jozef Stephaan Schell (auch Jozef Stefaan „Jeff“ Schell; * 20. Juli 1935 in Antwerpen; † 17. April 2003 in Brüssel) war ein belgischer Molekularbiologe und Professor für Genetik. Er erforschte den Gen-Transfer bei Pflanzen.

Leben und Wirken
Jozef S. Schell studierte in Gent Zoologie und Mikrobiologie. Er wurde in Biologie zum Ph. D. promoviert. Von 1965 bis 1995 war er Professor an der Universität Gent in Belgien und gründete dort das „Labor für allgemeine Genetik“. Von 1978 bis 2000 war er Direktor und Leiter der Abteilung „Molekulare Grundlagen der Pflanzenzüchtung“ am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln. Seit 1980 war er zudem Honorarprofessor an der Universität zu Köln und seit 1994 Professor am Collège de France in Paris. Im Jahr 1979 erhielt er den Prix Francqui, 1985 den Alexander-von-Humboldt-Preis und die Gregor-Mendel-Medaille. Des Weiteren bekam er 1990 den Wolf-Preis für Agrarwissenschaft und den Prix Charles-Léopold Mayer, 1992 den Max-Planck-Forschungspreis, 1997 die Grande médaille de l’Académie des sciences und den 1998 zusammen mit Marc van Montagu den Japan-Preis. Er war unter anderem Mitglied der Leopoldina (seit 1982), der National Academy of Sciences (seit 1985), der American Academy of Arts and Sciences (1993) und der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.
Schell war einer der Pioniere der Grünen Gentechnik. Bei seinen Arbeiten zu den Wechselwirkungen von Pflanzen und Bodenbakterien bei der Stickstofffixierung und der Entwicklung pflanzlicher Tumoren zeigte sich, dass einige Bakterien Gene auf Pflanzen übertragen können. Das Ti-Plasmid[1] des Bodenbakteriums Agrobacterium tumefaciens[2] wurde durch Schells Untersuchungen zur Grundlage des ersten und nach wie vor sehr wichtigen Vektors (Genfähre) zur Herstellung transgener Pflanzen.[3] Mit dieser Technik gelang 1983 zum ersten Mal die Herstellung gentechnisch veränderter Tabak-Pflanzen, die resistent gegenüber dem Antibiotikum Kanamycin waren.[4]
Jozef Stephaan Schell war ab 1968 verheiratet mit Elizabeth Schell, geborener Frederick, und hatte zwei Söhne (Peter und Bart).
Literatur
- Jozef Stephaan Schell. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1065.
- Wissenschaftlicher Nachruf von Marc van Montagu: Jeff Schell (1935–2003): steering Agrobacterium-mediated plant gene engineering. In: Trends in Plant Science. Band 8, Nr. 8, August 2003, S. 353–354 (englisch),
- Heinz Saedler: Jozef Stefaan Schell: 20.7.1935–17.4.2003. Nachruf. In: Jahrbuch der Max-Planck-Gesellschaft 2004. München 2004, ISBN 3-927579-18-1, S. 119–120.
Weblinks
- Literatur von und über Jozef Schell im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eintrag über Jozef Stefaan Schell in der Datenbank der Wilhelm-Exner-Medaillen-Stiftung.