Jerry Hunt

US-amerikanischer Komponist und Performancekünstler From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben

Hunt studierte Klavier und Komposition an der University of North Texas und unterrichtete kurzzeitig an der Southern Methodist University. Er veröffentlichte auf seinem Label Irida experimentelle Musik unbekannter texanischer Komponisten und trat bis 1969 in Dallas als Pianist auf.

Seit seiner Kindheit interessierte er sich für Schwarze Magie und Okkultismus. Er las Untergrundmagazine geheimer Gesellschaften und wurde mit vierzehn Jahren in den Rosenkreuzer­orden aufgenommen. Als Erwachsener bezeichnete sich Hunt als Atheist, blieb aber weiterhin fasziniert vom Okkulten, insbesondere vom mystischen System der Alchemie und des Tarot sowie von den Ideen des Engländers John Dee. Zugleich war er Erfinder musikalischer Technologien, darunter elektronische Schaltungen, Computersoftware und kybernetische Systeme, war an der Entwicklung integrierter Halbleiterschaltungen beteiligt und arbeitete weit vor anderen an der digitalen Sprachsynthese.

Seit 1978 trat er in Performances auf, bei denen er neben elektronischen Instrumenten selbstgebaute Gegenstände und Requisiten wie Rasseln, Zauberstäbe und Glocken einsetzte und schwankend zwischen Ernst und Ironie elektronische Musik mit Okkultismus und einem starken Verbundenheitsgefühl zu Texas vereinigte. („All you need is a map of Texas and a couple of books from 18th Century magicians, and you could figure the whole thing out.“)

In den 1980er und 1990er Jahren arbeitete Hunt mit Künstlern wie der bildenden Künstlerin Maria Blondeel, der Performancekünstlerin Karen Finley und dem Komponisten und Softwareentwickler Joel Ryan zusammen. Mit Finley startete er 1992 The Finley/Hunt Report, eine Persiflage auf die gängigen Fernseh-Talkshows.

1993 veröffentlichte Hunt als seine letzte Arbeit das Video How to Kill Yourself Using the Inhalation of Carbon Monoxide Gas, in dem er direkt zu dem neben einer großen Gasflasche sitzenden Betrachter spricht und praktische Anweisungen zum Suizid gibt. Wenige Tage später nahm sich Hunt kurz vor seinem fünfzigsten Geburtstag das Leben, nachdem er viele Jahre an einem sich stetig verschlimmernden Emphysem und unheilbarem Lungenkrebs gelitten hatte.

Obwohl er zu Lebzeiten nur einem kleinen Kreis von Anhängern bekannt war, beeinflusste seine Musik eine jüngere Generation von elektroakustischen Musikern wie Gordon Monahan, Samm Bennett und Laetitia Sonami. Nach seinem Tod fanden mehrere Gedenkkonzerte statt. Dazu gehörten ein Auftritt im Experimental Intermedia in New York City im März 1994 mit Joseph Celli, Karen Finley und anderen sowie eine virtuelle Zusammenarbeit mit Hunt im Jahr 1996 durch die Komponistin und Sängerin Shelley Hirsch. Am 24. Oktober 2002 führte Rodney Waschka an der North Carolina State University das Programm Keeping the Core Pure: In Memory of Jerry Hunt auf.

Aufnahmen

  • Transform (Stream), digitale Sprachsynthese (1977)
  • Lattice for pianoforte (1979)
  • Fluud (1989)
  • Babylon (1990)
  • Ground: Five Mechanic Convention Streams (1992)
  • Four Video Translations, Video
  • How to Kill Yourself Using the Inhalation of Carbon Monoxide Gas, Video, 1993

Quellen

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