Jobless growth

Erholung der Konjunktur ohne Beschäftigungszunahme From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Begriff jobless growth[1] bzw. beschäftigungsfreies Wachstum (auch jobless recovery) bezeichnet die Erholung der Konjunktur ohne Beschäftigungszunahme. Damit wird ein Wirtschaftswachstum oder eine wirtschaftliche Erholung von einer Rezession bezeichnet oder definiert, die jedoch nicht ausreicht, um Arbeitsplätze zu schaffen.[2]

Definition

Geprägt wurde der Begriff in den 1990er Jahren in den USA, um die ökonomische Situation am Ende der Amtsperiode des US-amerikanischen Präsidenten George H. W. Bush zu beschreiben. Genauer wurde der Begriff wurde von dem US-amerikanischen Ökonomen Nicholas Perna geprägt.[3][4] Spätestens ab 1998 war der Begriff und seine Bedeutung auch in Deutschland bekannt.[5]

Das Problem des jobless growth (Wachstum ohne Arbeit) wird im Zusammenhang mit einem sog. voiceless growth (sprachlosem Wachstum, also dass nichtdemokratische Gesellschaften schneller wachsen als Demokratien), einem ruthless growth (rücksichtsloses Wachstum), einem rootless growth (Wachstum ohne Rücksicht auf die verschiedenen Kulturen) und einem futureless growth (Wachstum auf Kosten der natürlichen Ressourcen) genannt.[6] D. h. fünf Situationen, in denen wirtschaftliches Wachstum ohne menschliche Entwicklung oder auf dessen Kosten stattfindet. Diese Probleme werden in dem Index der menschlichen Entwicklung abgebildet.

Öffentliche Beschreibung

Jeremy Rifkin vertrat in seinem Buch Das Ende der Arbeit 1995 die Auffassung, dass Rationalisierung, Automatisierung und Wirtschaftswachstum sogar zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit führen können. In einem Interview erklärte er:[7] „Langfristig wird die Arbeit verschwinden. […] Wir sind mitten in einer Umwälzung, die die industrielle Revolution noch übertrifft. […] die Computer und Informationstechnik von heute machen immer mehr Menschen ganz überflüssig. Selbst die billigste menschliche Arbeitskraft ist teurer als die Maschine.“ Eine maßgebliche Entwicklung sieht Rifkin in der Digitalen Revolution. Weiter führte er aus: „In den 20 größten Volkswirtschaften der Erde sind zwischen 1995 und 2002 mehr als 30 Millionen Arbeitsplätze abgebaut worden. Wohin sie schauen, dasselbe Bild: Die Produktion steigt, die Produktivität steigt, aber die Arbeitsplätze nehmen ab.“[8] Unter dem Eindruck dieser Entkopplung von Beschäftigung und Konjunkturlage befürwortete der Soziologe Claus Offe ein Bürgergeld/Grundeinkommen.[9]

Kritik

Der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Beschäftigungszunahme ist eine traditionelle Theorie in der Ökonomie, jedoch teilweise umstritten. Der Politiker Ralf Fücks schrieb 2013 in seinem Buch Intelligent wachsen – Die grüne Revolution: „Die oft kolportierte These vom »Jobless Growth« hält einer empirischen Überprüfung nicht stand. Der Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Beschäftigung ist nach wie vor intakt. Die Zahl der Erwerbstätigen in der Bundesrepublik hat im Herbst 2012 ein Allzeithoch erreicht. Entgegen dem verbreiteten Eindruck haben dabei die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse stärker zugenommen als die »Minijobs«“.[10]

Das Phänomen wird auch in Ländern wie Indien wahrgenommen.[11] Es wird von Fachleuten stets untersucht oder kritisiert.[12]

Siehe auch

Literatur

  • Ricardo Caballero, Mohamad Hammour: Jobless Growth: Appropriability, Factor Substitution, and Unemployment. National Bureau of Economic Research, Cambridge, MA 1997, doi:10.3386/w6221 (englisch).
  • Christian A. Conrad: Wirtschaftspolitik: Eine praxisorientierte Einführung. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-658-30418-8, doi:10.1007/978-3-658-30419-5.

Einzelnachweise

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