Johan Bruyneel
belgischer Radrennfahrer
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Johan Bruyneel (* 23. August 1964 in Izegem, Belgien) ist ein ehemaliger belgischer Profi-Radrennfahrer und Radsportmanager, der wegen seiner Verwicklung in die Dopingaffäre des disqualifizierten Tour-de-France-Siegers Lance Armstrong lebenslang gesperrt wurde.
| Johan Bruyneel (2007) | |
| Zur Person | |
|---|---|
| Geburtsdatum | 23. August 1964 |
| Geburtsort | Izegem |
| Nation | |
| Disziplin | Straße |
| Fahrertyp | Zeitfahrer |
| Körpergröße | 1,82 m |
| Renngewicht | 71 kg |
| Karriereende | 1998, 2012 |
| Internationale Team(s) | |
| 1987–1989 1990–1991 1992–1995 1997 1998 |
SEFB Lotto ONCE Rabobank ONCE |
| Team(s) als Sportlicher Leiter | |
| 1999–2004 2005–2007 2008–2009 2010–2011 2012 |
US Postal Discovery Channel Team Astana Team RadioShack RadioShack-Nissan |
| Letzte Aktualisierung: 30. Dezember 2025 | |
Karriere
Bruyneel war zwischen 1989 und 1998 Radprofi. Er gewann in dieser Zeit insgesamt 29 Radrennen, darunter zwei Etappen der Tour de France.
Nach Beendigung seiner Karriere als Fahrer wurde er Sportlicher Leiter des US Postal Service Teams (später Discovery Channel) um Lance Armstrong. In dieser Zeit gewann Armstrong sieben Mal die Tour de France.
Nach der Auflösung des Teams wurde er vom Team Astana engagiert. Zur Saison 2010 wechselte er zum neugegründeten Team RadioShack, welches zur Saison 2012 in das Team Leopard-Trek integriert wurde. Er übernahm im fusionierten Team RadioShack-Nissan die Funktion des General Managers.
Im Oktober 2012 veröffentlichte die US-Antidopingagentur USADA die Ergebnisse ihrer Dopingermittlungen im Fall Armstrong. Der Report führte aus, dass das von Bruyneel geführte US Postal Team (später: Discovery Channel) das anspruchsvollste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm der Sportgeschichte betrieben habe.[1] Grundlage waren u. a. belastende Aussagen von elf ehemaligen Fahrern seiner Mannschaft, darunter Frankie Andreu, Tyler Hamilton, George Hincapie, Floyd Landis und Levi Leipheimer, welche den Gebrauch von Erythropoietin (EPO), Bluttransfusionen, Testosteron und anderen verbotenen Substanzen und Methoden im Team beschrieben.[2] Am 22. Oktober erkannte der Weltradsportverband UCI auf dieser Grundlage alle von Armstrong seit dem 1. August 1998 erzielten Ergebnisse wegen Dopings ab, also auch alle sieben Tour-de-France-Siege.[3]
Infolgedessen entschied Ende Oktober 2012 der Betreiber des Teams RadioShack-Nissan, sich von Bruyneel zu trennen.[4]
Im April 2014 wurde Bruyneel durch den Disziplinarausschuss der American Arbitration Association AAA (engl., dt. etwa Amerikanische Sportschiedsrichter-Vereinigung) auf Anklage der US-amerikanischen Antidopingagentur USADA wegen seiner Rolle in der Armstrong-Affäre für zehn Jahre gesperrt.[5][6] Die Welt-Anti-Doping-Behörde WADA legte Einspruch gegen dieses Urteil ein, im Oktober 2018 wurde er daraufhin zu einer lebenslangen Sperre verurteilt.[7]
Nach einer Klage von US Postal verurteilte das Bundesgericht in Washington Bruyneel 2018 zu einer Strafe von 369.000 Dollar und einer Wiedergutmachung von 1,2 Millionen Dollar.[8]
Palmarès
- 1988
- eine Etappe Tour de la Communauté Européenne[9]
- 1989
- zwei Etappen Tour de Suisse
- eine Etappe Tour de la Communauté Européenne
- 1990
- Tour de la Communauté Européenne
- eine Etappe Tour du Vaucluse
- 1991
- eine Etappe Grand Prix Midi Libre
- Rund um den Henninger-Turm
- eine Etappe Baskenland-Rundfahrt
- 1992
- eine Etappe Vuelta a España
- Coppa Placci
- Grand Prix des Nations
- eine Etappe Katalonien-Rundfahrt
- 1993
- eine Etappe Tour de France
- eine Etappe Setmana Catalana
- 1994
- zwei Etappen Vuelta a La Rioja
- 1995
- eine Etappe Tour de France
- eine Etappe Grand Prix Midi Libre
- 1996
- eine Etappe Höfbrau Cup
- 1997
- Flèche Namuroise
Literatur
- Johan Bruyneel mit Bill Strickland: Die Kunst zu siegen – Meine Erfolgsgeschichten von acht Siegen bei der Tour de France. Sportwelt Verlag, Betzenstein 2009, ISBN 978-3-941297-01-2