Johan Ferrier

niederländisch-surinamischer Politiker (Gouverneur und 1. Staatspräsident von Suriname) From Wikipedia, the free encyclopedia

Johan Henri Eliza Ferrier (* 12. Mai 1910 in Paramaribo, Suriname; † 4. Januar 2010 in Oegstgeest, Niederlande) war ein surinamischer Politiker der Nationale Partij Suriname. Er war von 1955 bis 1958 Premierminister, von 1968 bis 1975 Gouverneur und von 1975 bis 1980 der erste Staatspräsident von Suriname.

Johan Ferrier (2009)
Das Grab von Johan Ferrier und seiner Ehefrau Edmé Vas auf dem reformierten Friedhof von Oegstgeest

Leben

Ferriers Vorfahren stammten aus vier verschiedenen Bevölkerungsgruppen, nach eigener Aussage waren seine „Wurzeln […] über alle Kontinente verstreut“. Seine Großmutter väterlicherseits wurde als Tochter von Indenturarbeitern aus Indien nach Suriname gebracht; seine Großmutter mütterlicherseits wurde in die Sklaverei hineingeboren und erlebte als Kind die Abschaffung der Sklaverei in den Niederlanden (und ihren Kolonien) im Jahr 1863.

Er selbst wurde nach achtjährigem Schulbesuch mit 14 Jahren Angestellter in einem Handelsbüro, bildete sich aber abends an der Normaalschool zum Lehrer weiter. Er wurde 1927 Hilfslehrer und stieg schon 1931 zum Schulleiter auf. Von 1935 bis 1950 unterrichtete er als Lehrer an verschiedenen Schulen in Paramaribo sowie an Lehrerausbildungsstätten. Parallel setzte er seine eigenen Studien fort und engagierte sich in der Lehrergewerkschaft, deren Vorsitzender er zeitweise war. Während eines Bildungsurlaubs in den Niederlanden studierte er Sozialpädagogik an der Gemeentelijke Universität von Amsterdam, wo er im November 1950 mit einer Arbeit über „Die surinamische Gesellschaft als sozialpädagogische Aufgabe“ promovierte. Nach seiner Rückkehr nach Suriname wurde er 1951 Pädagogikdozent am Lehrerseminar (Surinaamse Kweekschool) und später Direktor des Departements für Bildung und Volksentwicklung.

Ferrier war 1946 Mitbegründer der Nationale Partij Suriname (NPS) und 1946 bis 1948 gewähltes Mitglied in der Volksvertretung der damaligen niederländischen Kolonie, den Staten van Suriname. Mit dem Statuut voor het Koninkrijk der Nederlanden erhielt Suriname 1954 den Status eines selbstverwalteten Landes innerhalb des Königreichs der Niederlande. Vom 16. Mai 1955 bis zum 14. Juli 1958 war Ferrier Vorsitzender des Ministerrates und Minister für Allgemeine Angelegenheiten (Algemene Zaken), sowie Innenminister (Binnenlandse Zaken). Nach der Parlamentswahl im Juni 1958 wurde Ferrier von seinem Parteikollegen Severinus Desiré Emanuels als Regierungschef abgelöst.

Anschließend ging er in die Niederlande, wo er von 1959 bis 1965 Berater im Ministerium für Bildung, Kunst und Wissenschaft wurde. In dieser Zeit vertrat er die Niederlande bei der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC; aus der später die OECD hervorging) und wirkte an der Vorbereitung der European Space Research Organisation (ESRO; Vorläuferin der ESA) sowie der Ansiedlung des Europäischen Weltraumforschungs- und Technologiezentrums im niederländischen Noordwijk mit. Danach kehrte er nach Suriname zurück und wechselte Anfang 1966 als Geschäftsführer der surinamischen Niederlassung der Bergbaugesellschaft Billiton vorübergehend in die Privatwirtschaft.

Im März 1968 wurde Ferrier Gouverneur von Suriname, d. h. oberster Repräsentant der niederländischen Königin Juliana in ihrer damaligen Funktion als Staatsoberhaupt von Suriname. Am 25. November 1975, dem Tag der Unabhängigkeit, wurde Ferrier erster Staatspräsident der Republik Suriname. Nach dem Putsch der Sergeanten im Februar 1980 trat Ferrier am 13. August 1980 unter Druck des Diktators Desi Bouterse zurück und emigrierte in die Niederlande. Sein Amtsnachfolger wurde Henk Chin A Sen.

Johan Ferrier heiratete 1931 Eugenie Lionarons, das Paar bekam sechs Kinder. In zweiter Ehe war er von 1951 bis zu ihrem Tod 1997 mit Edmé Vas verheiratet, mit der er zwei weitere Töchter bekam. Sein ältester Sohn Deryck J. H. Ferrier (1933–2022) war Soziologe und Agrarwissenschaftler sowie Direktor des Zentrums für Wirtschafts- und Sozialforschung (CESWO) in Paramaribo. Die Tochter Cynthia McLeod (* 1936) ist Schriftstellerin, deren Arbeiten die Historie von Suriname zum Thema haben. Seine Tochter Joan Mary Ferrier (1953–2014) wurde in den Niederlanden als Erziehungswissenschaftlerin auf dem Gebiet der Sonderpädagogik, Unternehmerin und Feministin bekannt; ihre Schwester Kathleen Gertrud Ferrier (* 1957) war als niederländische Politikerin Mitglied der Zweiten Kammer (CDA).

Literatur

  • C.F.A. Bruijning u. J. Voorhoeve (red.): Encyclopedie van Suriname. Uitg. Elsevier, Amsterdam u. Brussel 1977, Seite 204
  • John Jansen van Galen: Laatste gouverneur, eerste president. De eeuw van Johan Ferrier, Surinamer. KITLV Uitgeverij, Leiden 2005
  • Jules Sedney: De toekomst van ons verleden. Democratie, etniciteit en politieke machtsvorming in Suriname. Uitgeversmaatschappij VACO, Paramaribo 1997, Seite 187

Siehe auch

Commons: Johan Ferrier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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