Johann Belzer

deutscher Baumeister und Unternehmer From Wikipedia, the free encyclopedia

Johann Baptist Belzer (* 16. Mai 1796 in Weisenbach; † 19. April 1868 ebenda) war ein deutscher Baumeister und Unternehmer.

Porträt Johann Belzer

Leben

Familie

Johann Belzers Vater, Wendelin Belzer, stammte aus Gruol. Als Maurerpolier kam er für den Neubau der Pfarrkirche[1] nach Weisenbach, da die St.-Wendelinus-Kapelle für die wachsende Gemeinde zu klein geworden war.

Im November 1818 heiratete Johann Belzer Viktoria (geb. Gerstner) aus Weisenbach; gemeinsam hatten sie dreizehn Kinder, von denen bei seinem Tod noch vier am Leben waren. Zu diesen gehörten unter anderem:

Als er starb, hatte er elf Enkel. Zu seinen Nachkommen gehörte unter anderem der badische Landrat Rudolf Belzer.

Frühe berufliche Entwicklung

Belzer ergriff früh das Handwerk seines Vaters und betätigte sich daneben auch im Steinbrechen, Steinhauen und Holzschnitzen. Sein Aufstieg begann mit kleinen, aber eigenständigen Bauvorhaben; das erste größere Projekt war die Kapelle zu Reichental bei Gernsbach, bei dem er nicht nur Steine brach und mauerte, sondern auch mit eigener Hand den Altar und die Leuchter schnitzte und vergoldete. Das entscheidende Jahr seiner Karriere war 1824, als eine Überschwemmumg im Murgtal zahlreiche Brücken zerstörte.[4] Diese Katastrophe bot Belzer die Gelegenheit, ohne Konkurrenzbedenken anderer Handwerker tätig zu werden.

Ein Wendepunkt kam beim Bau der Brücke in Oos, wo Oberstleutnant Johann Gottfried Tulla Belzer kennenlernte; von da an folgten Aufträge zu Staatsbauten. Durch die Unterstützung von einigen Staatsbeamten, die ihm Bücher und Baurisse zur Weiterbildung aushändigten war es ihm möglich sich autodidaktisch weiterzubilden.

Bauvorhaben (1830–1840)

Belzer begründete im frühen 19. Jahrhundert die Murgtäler Granit- und Bauindustrie und entwickelte sie zu einem der größten Bauunternehmen in Mittelbaden.

Großherzog Leopold übertrug Belzer bedeutende Aufträge, darunter den Bau der Fürstenkapelle[5] im Kloster Lichtenthal[6] und der Monumente Karl Friedrichs und der 400 Pforzheimer[7] in der Stiftskirche in Pforzheim.[8][9] Für diesen letzteren Bau verlieh ihm der Großherzog die badische Goldene Zivilverdienstmedaille.

Seine Bautätigkeit erstreckte sich auf zahlreiche öffentliche und kirchliche Bauwerke: die Kirche in Langenbrand, den Aquädukt der Spinnerei[10] in Ettlingen, viele Schul- und Pfarrhäuser im Murgtal, das Amtshaus, das Dampfbad und die berühmte Trinkhalle in Baden. 1837 erhielt er von der Gemeinde Weisenbach den Auftrag ein Schulhaus zu erstellen; das Gebäude dient heute als Rathaus.[11]

Ab Ende der 1830er Jahre arbeitete Belzer mit dem Architekten Heinrich Hübsch zusammen. Auf dessen Anraten errichtete Belzer 1840 ein Granitwerk in Weisenbach, das die Basis für die industrielle Expansion des Unternehmens bildete.

Weitere Unternehmertätigkeiten (1842–1845)

Um das Jahr 1842 erreichte Belzers Geschäftstätigkeit ihren Höhepunkt durch zwei monumentale Projekte: den Bau der Eisenbahnen und der Festung Rastatt. Er errichtete unter anderem die Portale des Rappensteintunnels und sämtliche Eisenbahnbrücken von der Federbach bis Sinzheim und lieferte fast alle Steinhauerarbeiten zur Festung Rastatt, wo er als einziger privater Bauunternehmer maßgeblich beteiligt war. Gleichzeitig führte er Bauarbeiten an Spitälern, Kasernen und Schleusen durch und beschäftigte sich mit den Schwallungen, (siehe Herrenwieser Schwallung)[12] der Schwarzenbach und Hundsbach sowie dem Bau der Kirche zu Weisenbach, die 1833 bei einem Brand starke Brandschäden erlitten hatte.[13][14]

Etwa 1200 Maurer und Steinhauer arbeiteten damals unter Belzers Leitung in den Orten zwischen der Herrenwiese, Karlsruhe und Sinzheim.

Unter seiner Leitung entstand der Marstall auf Schloss Eberstein.

Granit- und Steinbearbeitung (ab 1845)

1845 erschloss sich ein neuer Geschäftszweig, als Belzer Granitfindlinge bei Raumünzach bearbeiten ließ – zunächst durch italienische Arbeiter, später ausschließlich durch Weisenbacher Handwerker. Der Granit wurde vielfältig verwendet: Granitsäulen für das Hoftheater[15] und den Kuppelbau der Orangerie, Porphyrsäulen für den sogenannten Porphyrsaal in Karlsruhe sowie Granitsäulen für die katholischen Kirchen zu Ludwigshafen und Bietigheim. Von Belzers Werkstätten stammten auch die granitenen Piedestale der Denkmäler von Schiller, Goethe und Wieland in Weimar, des Grafen Eberhard in Stuttgart und Friedrich Lists in Reutlingen.

Der Granit wurde auch bei Brückenbauten, etwa an der neuen Kilpenstraße von Simmonswald gegen Gütenbach, sowie als Zierde monumentaler Bauwerke verwendet.

Regionale und überregionale Expansion

Belzer erweiterte sein Tätigkeitsgebiet. Nach Norden baute er den württembergischen Bahnhof in Bruchsal; nach Süden errichtete er mit seinen Weisenbachern die Eisenbahnübergänge für die Rheintalbahn bei Laufenburg, Hauenstein und Albbruck. In seinen letzten Jahren konzentrierte er sich vermehrt auf Baden und führte dort Bauarbeiten an der evangelischen, katholischen (siehe Stiftskirche (Baden-Baden)), englischen und griechisch-orthodoxen Kirche (siehe Stourdza-Kapelle)[16], der Gottesacker-Kapelle, die heutige St.-Wendelinus-Kapelle sowie mehreren Privathäusern durch.

Um 1860 erweiterte er die St.-Wendelinus-Kapelle in Weisenbach um einen Anbau zur Grabkapelle und als Ruhestätte seiner Familie.[17]

Nebengeschäfte und Wohltätigkeit

Während seiner Haupttätigkeit betrieb Belzer zeitweise eine Mahlmühle und unterzog sich noch in späteren Jahren der Prüfung als Müllermeister, und eine Sägemühle. Als Mitglied der Murgschifferschaft war er zudem im Holzhandel tätig.

Nachlass und Unternehmensfortbestand

Nach Belzers Tod 1868 übernahmen seine beiden Söhne Bernhard und Isidor das Unternehmen. Eine Aufteilung der Firma folgte: Bernhard Belzer führte den Betrieb in Baden weiter, während Isidor Belzer in Rastatt verblieb und die Firma in den 1890er Jahren an die Baufirma Degler übergab.

Der Nachlass Johann Belzers, bestehend aus zehn Regalmetern von Dokumenten und Materialien, wurde von der Familie Belzer im März 2014 dem Kreisarchiv Rastatt übergeben.[18] Die Sammlung wurde von Kurt Belzer von Albertis (* 1894 Konstanz), Urenkel Johann Belzers, zusammengetragen und von seinem Sohn Klaus Belzer von Albertis (* 17. Januar 1935 in Würzburg; † 14. November 2024 in Freiburg im Breisgau)[19] gestiftet.

Ehrungen und Auszeichnungen

Wohnhaus von Johann Belzer

Johann Belzer erhielt die Goldene Zivilverdienstmedaille.

In Weisenbach wurde eine Straße (Belzerweg) sowie die Johann-Belzer-Schule[20] und der Dorfbrunnen[21] nach ihm benannt. An seinem Geburts- und Wohnhaus wurde eine Gedenktafeld angebracht.

Franz Wieland verfasste 1934 ein Lobgedicht auf Johann Belzer.[22]

Im Jahr 1955 wurde zu Ehren von Belzer und dem Fabrikanten Eugen Ludwig Holtzmann (1848–1901) die Belzer-Holtzmann-Stiftung in Weisenbach ins Leben gerufen, die den Preis für den Schulbesten der dortigen Johann-Belzer-Schule verlieh[23]; 2025 wurde die Stiftung aufgelöst.[24]

Literatur

Einzelnachweise

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