John Braham

Tenor und Opernsänger in England From Wikipedia, the free encyclopedia

John Braham, eigentlich Abraham Braham oder Abraham Abrahams (geboren am 20. März 1774 in London; gestorben am 17. Februar 1856 ebenda) war ein englischer Komponist und Opernsänger (Tenor).

Braham als Lord Aimworth (Stahlstich Thomson/Foster, 1818)

Leben

Braham war ein Sohn jüdischer Eltern, die aus Deutschland nach England ausgewandert waren. Er wurde bereits in jungen Jahren zum Vollwaisen und versuchte sich mit dem Verkauf von Bleistiften in den Straßen der Stadt seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er wurde von Herrn Myer Lyon (1750/1752 – 1796/1797) adoptiert, der ein naher Verwandter gewesen sein soll,[1] und als „Meshorrer“ (singender Junge, Sängerknabe) in der Großen Synagoge angestellt, in der Lyon (später besser bekannt unter dem italienischen Namen „Michael Leoni“) ein Amt bekleidete. Dieser erteilte ihm auch Gesangsunterricht.[2]

Erstes Debüt

Am 21. April 1787 gab Braham im Covent Garden Theatre sein Debüt, wo er zwischen den Akten der Oper The Duenna von Richard Brinsley Sheridan die Lieder The soldier tired of war’s alarms und Ma chère arrive vortrug. Anschließend sang er etwa zwei Jahre lang in dem am 30. Juni 1787 von John Palmer eröffneten Royalty Theatre am Wellclose Square, bis seine Stimme in den Stimmbruch kam. Am 3. Juni 1788 trat er als Joe in Poor Vulcan im Covent Garden auf, doch etwa zu dieser Zeit ging sein Unterstützer Leoni bankrott und er war wieder auf sich allein gestellt. Daher verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit Klavierunterricht. Nach seinem Stimmbruch soll er zunächst falschem Namen in Norwich und in Ranelagh aufgetreten sein und lernte einen wohlhabenden Gönner kennen, ein Mitglied der Familie Goldsmid. Nach wenigen Jahren hatte sich seine Stimme zu einem Tenor von außergewöhnlich reiner und voller Qualität entwickelt und Braham ging auf Anraten des Flötisten Ashe nach Bath.[2]

Zweites Debüt

1794 gab Braham bei den Bath Concerts sein zweites Debüt. Der Dirigent Venanzio Rauzzini ermöglichte Braham eine weitere sorgfältige Gesangsausbildung. Anschließend trat er am 30. April 1796 im Drury Lane Theatre in der Oper Mahmoud von Stephen Storace in London auf, der kurz vor der Fertigstellung verstorben war, so dass seine Schwester Nancy Storace das Werk vollendete. Im darauffolgenden Jahr erhielt er, aufgrund seines großen Erfolges, ein Engagement an der Italienischen Oper und sang am 26. November 1796 in der Oper Zémire et Azor von André-Ernest-Modeste Grétry, in Arvire et Evelina von Antonio Sacchini sowie in den jährlichen Oratorien und beim Three Choirs Festival in Gloucester.[2]

Um seine Kunst zu perfektionieren, reiste er im Herbst 1797 mit der Sopranistin Nancy Storace nach Italien. Unterwegs gab er einige Konzerte in Paris, die so erfolgreich waren, dass er dort acht Monate blieb. In Italien trat Braham in allen bedeutenden Opernhäusern auf und sang in Florenz, Genua, Livorno, Mailand, Triest und Venedig auf. In Genua erhielt er Kompositionsunterricht bei G. Isola.[3] 1799 wirkten beide an der Mailänder Scala in der Uraufführung der Oper Il Ritratto von Niccolò Antonio Zingarelli mit. 1800 ging er nach Hamburg und 1801 kehrte er in seine Heimat zurück und trat in der Oper The Chains of the Heart von Joseph Mazzinghi und William Reeve im Covent Garden auf und sang danach am Lyceum Theatre und am Her Majesty’s Theatre.

Bei seinen Konzerten in England fiel er unter anderem durch eigene Kompositionen auf, die er auf seine persönlichen gesanglichen Fähigkeiten zuschnitt. Am 20. Juli 1824 sang er die Rolle des Max in der englischen Fassung von Carl Maria von Webers Oper Der Freischütz und am 12. April 1826 war er der erste Sir Huon bei der Uraufführung von Webers Oberon.[3]

Letzte Jahre

Braham tätigte zwei unglückliche Großspekulationen. So erwarb er 1831 das Colosseum im Regent’s Park für 40.000 Pfund und ließ 1836 für 26.000 oder 30.000 Pfund das St. James’s Theatre in der King Street im Bezirk St. James’s errichten. Beide Projekte erwiesen sich als Desaster, und er war gezwungen, auf die Bühne und in den Konzertsaal zurückzukehren.[2]

Mit fortschreitendem Alter wurde seine Stimme tiefer, weshalb er 1838 auch die Titelrollen von Rossinis Wilhelm Tell am Drury Lane Theatre und 1839 Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni sang.[4] 1840 reiste er mit seinem Sohn Charles Braham nach Amerika. Die Tournee verlief jedoch erfolglos und nach ihrer Rückkehr gaben sie ein Konzert, bei dem Vater und Sohn die einzigen Interpreten waren. Braham trat noch mehrere Jahre öffentlich auf, hauptsächlich in Konzerten und bei regionalen Festivals, und zog sich im März 1852 endgültig zurück. Braham komponierte selbst mehrere Vokalstücke, die von ihm selbst gesungen wurden. Sie hatten jedoch keinen bleibenden Erfolg. Einzig The Death of Nelson, ursprünglich 1811 als Teil der Oper The American geschrieben, zählte lange zu den bekanntesten englischen Volksliedern. Nach seinem Rückzug von der Bühne lebte er auf dem Gutshof The Grange, wo er 1856 starb. Er wurde auf dem Friedhof von Brompton beigesetzt.[2]

Familie

Seit dem 11. November 1816 war Braham mit Frances Elisabeth (geborene Bolton; 1799–1846) verheiratet, mit der er mehrere Kinder hatte:

  • John Hamilton Braham (1818 – 22. Dezember 1862) wurde Sänger
  • Augustus Braham (1819–1889) wurde Sänger (Tenor)
  • Charles Bampfylde Braham (1800/1823 – 11. Juni 1884) wurde Sänger
  • Frances Braham (4. Januar 1821 – Juli 1879) ⚭ John James Henry Waldegrave; Sie wurde eine bekannte Gesellschafterin im viktorianischen England.

Ein Sohn aus seiner Verbindung mit Nancy Storace

  • William Spencer Harris Braham (* 3. Mai 1802) wurde Priester und nahm später den Namen Meadows an.[5]

Werke (Auswahl)

Die folgende Liste ist unvollständig und beinhaltet Eigenkompositionen, Kollaborationen mit anderen Komponisten sowie Einlegearien zu präexistenten Werken.[3]

  • The Cabinet (1802)
  • Family Quarrels (1802)
  • The English Fleet in 1342 (1803)
  • Thirty Thousand, or Who's the richest? (1804)
  • Out of Place, or The Lake of Lausanne (1805)
  • False Alarms, or My Cousin (1807)
  • Kais, or The Love in a Desert (1808)
  • The Americans (1812)
  • Narensky, or The Road to Yaroslav (1814)
  • Zuma, or The Three of Health (1818)
  • The death of Weber (1826), für Stimme und Klavier[6]
  • Isidore de Merida, or The Devil's Creek (1827)
  • The Taming of the Shrew (1828)

Literatur

Commons: John Braham – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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