John Whorf

amerikanischer Aquarellmaler From Wikipedia, the free encyclopedia

John Whorf (* 10. Januar 1903 in Winthrop, Massachusetts; † 13. Februar 1959 in Provincetown, Massachusetts) war ein amerikanischer Aquarellmaler, der vor allem für seine Landschaftsbilder bekannt ist.[1]

John Whorf in Provincetown, um 1923

Leben

John Whorf wurde in Winthrop als Sohn des Künstlers und Grafikdesigners Harry Church Whorf geboren. Bereits in jungen Jahren zeigte er eine ausgeprägte zeichnerische Begabung. Seine ersten künstlerischen Unterweisungen erhielt er durch seinen Vater. Anschließend studierte er im Atelier von Sherman Kidd in Boston sowie an der School of the Museum of Fine Arts in Boston, wo er Zeichenunterricht bei Philip Leslie Hale und Malerei bei William James erhielt.[2]

Schon als Jugendlicher verbrachte Whorf die Sommermonate regelmäßig in Provincetown, Massachusetts. Nach dem Ersten Weltkrieg war dieser Ort ein bedeutendes Zentrum für Künstler und Schriftsteller. Provincetown war zugleich der Herkunftsort seiner Familie, deren Vorfahren überwiegend als Seeleute tätig gewesen waren. Ab seinem sechzehnten Lebensjahr nahm er dort Unterricht bei George Elmer Browne und Charles Webster Hawthorne. Diese beiden Lehrer prägten seine künstlerische Entwicklung maßgeblich. Von Browne übernahm er insbesondere ein Interesse an stimmungsvollen, oft nächtlichen Szenen. Von Hawthorne, dem Begründer der Kunstkolonie von Provincetown und der Cape Cod School of Art, übernahm er eine Arbeitsweise, die stark auf Tonwerte und Farbe ausgerichtet war und auf raschen Studien nach dem lebenden Modell sowie der Analyse von Licht- und Schattenkontrasten beruhte. Ergänzend zu seiner Ausbildung in den Vereinigten Staaten hielt sich John Whorf mehrfach in Paris auf. Er studierte an der Académie Colarossi, der Académie Julian, der École des Beaux-Arts sowie der Académie de la Grande Chaumière. Diese Aufenthalte vertieften seine akademische Ausbildung und erweiterten sein internationales Netzwerk im Kunstbereich.[2]

1924 erhielt er seine erste Einzelausstellung in der Grace Horne Gallery in Boston. In den folgenden fünfzehn Jahren stellte er dort jährlich aus. Ab 1927 wurde er in New York von der renommierten Milch Gallery vertreten, bei der er bis zu seinem Tod regelmäßig Einzelausstellungen hatte. Weitere Stationen seiner Galerievertretung in Boston waren die Vose Gallery und die Shore Studio Gallery. Der Kunstkritiker Robert Taylor hob hervor, dass John Whorf über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten jährlich ausstellte und dass diese Ausstellungen regelmäßig ausverkauft waren. Neben den meist in Zusammenarbeit mit der Milch Gallery organisierten Einzelausstellungen nahm Whorf auch an Gruppenausstellungen in den Vereinigten Staaten teil.[2]

Ab dem späten Jahrzehnt der 1920er Jahre, als er im Bostoner Vorort Brookline lebte, wandte er sich zunehmend vom Ölbild zugunsten des Aquarells ab. Er begründete diese Entscheidung mit der größeren Spontaneität und Unmittelbarkeit dieses Mediums. Zeitgenössische Kritiker stellten fest, dass Whorf das Aquarell in einer ungewöhnlich kräftigen und schichtenden Technik einsetzte, die sich an Verfahren der Ölmalerei orientierte. Ein weiterer Grund für den Wechsel des Mediums war eine schwere Verletzung aus seiner Jugend: Bei einem Sprung von einem Kai in Provincetown hatte er sich eine Hüftverletzung zugezogen, die zu einer dauerhaften Schwächung eines Beines geführt hatte und den Transport schwerer Malutensilien erschwerte.[2]

Trotz seiner körperlichen Einschränkung unternahm John Whorf in den frühen Jahren seiner Laufbahn ausgedehnte Reisen nach Frankreich, Spanien, Nordafrika, in die Karibik sowie in verschiedene Regionen der Vereinigten Staaten und Kanadas. In dieser Zeit entstanden unter anderem Darstellungen von Paris-Montparnasse, marokkanischen Marktszenen, bretonischen Dörfern, Fischern, Badefiguren und Küstenlandschaften. Ende der 1930er Jahre beendete John Whorf diese ausgedehnten Reisen und ließ sich dauerhaft in Provincetown nieder. Von da an konzentrierte sich sein Werk vor allem auf Motive aus Provincetown, Boston und dem ländlichen Neuengland, darunter Fischerboote, schmale Gassen, Gärten und Küstenszenen.[2]

Zu den wichtigsten Auszeichnungen, die John Whorf erhielt, zählt die Logan Medal des Art Institute of Chicago, die ihm im Jahr 1928 verliehen wurde. 1938 erhielt er als erster zeitgenössischer Maler einen Ehrendoktortitel (Master of Arts) der Harvard University. Im selben Jahr wurde er als einer von nur zwei Künstlern aus Boston vom Museum of Modern Art für eine Ausstellung in Paris ausgewählt. 1939 widmete ihm das Art Institute of Chicago eine Sonderausstellung, in der seine Aquarelle gemeinsam mit Werken von Edward Hopper und Henri Matisse gezeigt wurden. 1947 wurde er in die National Academy of Design und 1948 in die American Watercolor Society aufgenommen. In Provincetown war er zudem aktives Mitglied der Künstlervereinigung „Beachcombers“. Im März 1925 heiratete er Vivienne Wing, mit der er vier Kinder hatte. John Whorf starb 1959 im Alter von 56 Jahren in Provincetown.[2]

Werk

John Whorfs künstlerisches Werk umfasst Landschaften, Marinen, Akte und Ballettszenen. Besonders geschätzt wurden seine Schneelandschaften. Er war vorwiegend als Aquarellmaler tätig und zählte zu den in den Vereinigten Staaten anerkannten Vertretern dieser Kunstrichtung seiner Zeit. Seine Arbeiten wurden regelmäßig ausgestellt, unter anderem jährlich in den Milch Galleries in New York. Seine Werke befinden sich in zahlreichen privaten Sammlungen sowie in bedeutenden öffentlichen Institutionen in den Vereinigten Staaten und weltweit, darunter das Smithsonian American Art Museum, das Metropolitan Museum of Art, das Brigham Young University Museum of Art, das Brooklyn Museum, das RISD Museum, das MIT List Visual Arts Center, die National Academy of Design, das Art Institute of Chicago, das Indianapolis Museum of Art, die Addison Gallery of American Art, das Provincetown Art Association and Museum, das Pilgrim Monument and Provincetown Museum, das Fogg Art Museum, das Canton Museum of Art, das Butler Institute of American Art, das Baltimore Museum of Art, die Galleria Palatina und das National Museum of Denmark.[2]

Literatur

  • Franklin Turner Reuter Jr.: Animal & Sporting Artists in America, Ayer Publishing, Middleburg, Virginia, 2008.
  • Allgemeines Künstlerlexikon – Internationale Künstlerdatenbank – Online, herausgegeben von Andreas Beyer, Bénédicte Savoy und Wolf Tegethoff, De Gruyter, 2009.
  • Thieme-Becker, Band 35, 1942.
  • Vollmer, Band 5, 1961.
  • Art in America, Band 14, 1925/1926, S. 195 f.
  • The Art News, Band 24, 1925/1926, Nr. 28, S. 7; Band 25, 1926/1927, Nr. 29, S. 11; Band 31, 1932/1933, Nr. 30, S. 5.
  • The Brooklyn Museum Quarterly, Band 16, 1929, S. 64.
  • The Studio, Band 111, 1936, S. 169.
  • Museum News, The Toledo Museum of Art, Nr. 108, 1945, S. 3/11.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 14: Valverde – Zyw. Paris, 2006.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI