John Wilbur Chapman
presbyterianischer Pastor, Autor, Kirchenführer und Evangelist
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John Wilbur Chapman oder J. Wilbur Chapman (* 17. Juni 1859 in Richmond, Wayne County, Indiana; † 25. Dezember 1918 in New York City) war ein US-amerikanischer presbyterianischer Pastor, Autor, Kirchenführer, Kirchenlieddichter und Evangelist, der mit dem Gospelsänger Charles McCallon Alexander als Erweckungsprediger in den USA, in Asien und in Europa unterwegs war.

Leben und Wirken
Chapman war das zweitjüngste von neun Kindern von Alexander Hamiltion (1826–1878) und Lorinda Chapman, geborene McWhinney (1837–1872). Von seinen Geschwistern sind namentlich Ida Lorinda Chapman Thompson (1857–1945), Anna Mary Chapman († 1862), Edwin Garner (1862–1937), Anna May (* 1863), Luella (* 1867)[1] und Jessie Chapman Dubois (1867–1940) bekannt.[2] Er besuchte am Sonntag eine Schule der Quäker in West Florence und am Nachmittag die Sonntagsschule der Methodisten. Dann folgte die Highschool in Richmond. Mit Hilfe der Sonntagsschullehrerin Blinkley nahm er mit 17 Jahren einen persönlichen christlichen Glauben an und schloss sich im September der Richmond Presbyterian Church an. Ab 1876 besuchte er das Lake Forest College, das ehemalige Oberlin College, und erhielt dort seinen Bachelor of Arts und seinen Master am Lane Theological Seminary in Cincinnati, Ohio. 1878 hörte er erstmals den Evangelisten Dwight Lyman Moody in Chicago an einer Evangelisationsversammlung predigen. Einen Doktortitel in Theologie wurde ihm vom College of Wooster und von der Universität Heidelberg zugesprochen.
Am 13. April 1881 fand Chapmans Ordination zum Pastor in Probate Court, im Butler County, in Ohio, statt. Er trat 1882 in den pastoralen Dienst der presbyterianischen Kirche in College Corner, Ohio und in Freedom, Indiana, ein. 1883 bis 1885 war er Pastor der Niederländischen reformierten Kirche in Schuylerville und 1885 bis 1890 in Albany, beides Städte im Bundesstaat New York. 1890 bis 1892 und 1896 bis 1899 amtete er als Pfarrer der Bethany Presbyterian Church in Philadelphia und 1899 bis 1902 an der 4. presbyterianischen Kirche in New York City. 1900 reiste er mit seiner Familie per Schiff über Gibraltar nach Ägypten und ins Heilige Land und über Europa wieder zurück, worüber er auch berichtete.
1893 begann Chapman mit dem bekannten Evangelisten Chicagos, Dwight Lyman Moody, zu predigen und leitete auch eigene evangelistische Veranstaltungen. Er hatte einen großen Einfluss auf den Dienst des Evangelisten Billy Sunday. 1895 wurde er zum korrespondierenden Sekretär des Evangelisationsausschusses der Presbyterianischen Generalversammlung ernannt, der die Aktivitäten der 51 Evangelisten, die in 470 Städten tätig waren, überwachte. 1904 begann er in Pittsburgh und Syracuse selbst mit großen evangelistischen Kampagnen, um den anderen Evangelisten ein gutes Beispiel zu geben. Ab 1905 finanzierte John H. Converse, ein wohlhabender presbyterianischer Philanthrop und Unternehmer, den vollzeitlichen evangelistischen Dienst von Chapman. Mit dem bekannten Gospelsänger Charles McCallon Alexander gründete er die Chapman-Alexander Simultaneous Campaign. Die erste gemeinsame Kampagne fand vom 12. März bis 19. April 1908 in verschiedenen Stadtteilen von Philadelphia statt, knapp ein Jahr später erfolgte eine ähnliche Kampagne in Boston. Neben dem Sänger Alexander arbeiteten weitere Sänger für ihn, so von 1909 bis 1913 Ernest W. Naftzger, dann von 1913 bis 1918 Albert Brown (1913–1918). Der Pianist Robert Harkness begleitete ihn von 1908 bis 1913 und Henry Barraclough von 1914 bis 1917. Die Predigt Chapmans Ivory Palaces nach Psalm 45,8 EU 1915 in Montreat inspirierte Barraclough zum gleichnamigen Lied.[3]
Die erste weltweite Kampagne von Chapman-Alexander verließ per Schiff Vancouver in British Columbia am 26. März 1909 und kehrte erst am 26. November 1909 zurück. Die Reise führte zuerst nach Honolulu in Hawaii und auf die Fidschi-Inseln, dann nach Melbourne, Sydney, Ipswich, Brisbane, Adelaide, Ballarat, Bendigo und Townsville in Australien. Die Weiterreise erfolgte über Papua-Neuguinea, Mindanao, Manila, Hongkong und Kowloon, Kanton, Shanghai, Hankow, Peking und Tientsin in China; Seoul in Korea und Kobe, Kyoto, Tokio und Yokohama in Japan. Nach den vielen Veranstaltungen dienten ihm die Rückreise und die Weihnachten 1909 als Erholung.
Es folgten weitere Kampagnen in Amerika und im englischsprachigen Europa. Chapman war zudem Direktor der Winona Lake Bible Conference in Indiana, und er beteiligte sich an den Sommerbibelkonferenz in Montreat in North Carolina. Die Konferenzen der Stony Brook Assembly auf Long Island, die 1909 gegründet wurden, hatten aufgrund der Nähe zu New York City am meisten Zuspruch. Die Stony Brook Schule mit der Adresse Chapman Parkway 1 wurde erst nach seinem Tod 1922 ins Leben gerufen.
Ihre letzte Tournee führten Chapman und Alexander vom 6. Januar bis 13. Februar 1918 durch, seine letzte Predigt hielt Chapman in der First Presbyterian Church of Jamaica, New York. Im Mai 1918 wurde Chapman zum Leiter der Generalversammlung der Presbyterianischen Kirche gewählt, diese anspruchsvolle Aufgabe konnte er nur noch wenige Monate wahrnehmen, da er am Weihnachtstag 1918 in New York City nach kurzer Krankheit verstarb. Er wurde auf dem Woodlawn Cemetery in Bronx bestattet, seine Grabstelle befindet sich am Highland Plot, Sektion 55.[4]
Familie
1882 heiratete Chapman Irene E. Steddon (1860–1887). 1886 gebar sie eine Tochter, Bertha Irene Chapman Goodson (1887–1969), aber im Jahr darauf verstarb seine Frau. Dann heiratete er am 4. November 1888 Agnes Pruyn Strain (1868–1907). Sie hatten zusammen vier Kinder: Robert, John Wilbur Jr. (1891–1924), Alexander Hamilton (1901–1975) und Agnes Pruyn. Seine zweite Frau starb am 25. Juni 1907. Erneut heiratete Chapman am 30. August 1910 Mabel Cornelia Moulton (1880–1969) als dritte Frau.[5][6]
Schriften (Auswahl)
- Ivory Palaces of the King, 1893.
- Received Ye the Holy Ghost (Power), 1894.
- And Peter, 1895.
- The Lost Crown, 1899.
- The Secret of a Happy Day, 1899.
- Kadesh-Barnea (or) The Power of a Surrendered Life, 1899.
- Spiritual Life of the Sunday School, 1899.
- Present Day Parables, 1900.
- Revivals and Missions, 1900.
- From Life to Life, 1900.
- The Life and Work of D. L. Moody, 1900.
- Present Day Evangelism, 1903.
- Fishing for Men, 1904.
- Samuel Hopkins Hadley of Water Street, 1906.
- Another Mile, 1908.
- The Problem of Work, 1911.
- Chapman's Pocket Sermons, 1911.
- Revival Sermons, 1911.
- The Personal Touch, 1912; BoD, 2018, ISBN 978-3-7340-1848-0.
- When Home Is Heaven, 1917.
- The Minister's Handicap, 1918.
- Day After Day, 1919.
- Evangelistic Sermons, 1922.
Kirchenlieder (Auswahl)
John Wilbur schrieb auch einige Kirchenlieder.[7] Sie wurden vereinzelt auch ins Arabische, Chinesische, Portugiesische, Spanische und Swahili übersetzt[8], in deutscher Sprache sind zwei Übersetzungen bekannt:[9]
- Glorious Day (Living He Loved Me),
- Herrlicher Tag (Für uns geboren), Text: Albert Frey, Melodie: Michael Bleecker und Mark Hall, in 3 deutschen Liederbüchern enthalten (2011, 2015 und 2024).
- God bless our splendid men.
- Hail to the Savior, whose passion is waiting.
- Holy Spirit, heavenly Dove, Lift my heart to things above.
- I know of a world that is sunk in shame, 1909.
- Inside the Veil.
- Jesus is all in all to me, O what a Savior is He.
- Jesus, what a Friend for Sinners (Our Great Saviour), 1910.
- Just to see Jesus, whose love is so precious.
- Living he loved me, dying, he saved me.
- My sins like a chain have fettered my soul.
- Name of all the names the dearest, wonderful, counselor, prince of peace.
- One day when heaven was filled with his praises, 1910, Melodie von Charles Howard Marsh.[10]
- Als einst der Himmel erfüllt war mit Ehren, 2002, Text von C. A. Daniel, Melodie und Arrangement von Fred und Ruth Coleman.[11]
- The judgment day is coming on, God's Word declares it true, 1911.[12]
- The name of Jesus is so sweet, Its music thrills my soul.
- The Savior has died to redeem You.
- There’ a full reward waiting us in Glory.
- Tis Jesus.
- When we go home we know not when nor do we care if only then.
Literatur
- Charles M. Alexander: Alexander’s Gospel Songs, Fleming H. Revell, New York 1910.
- Charles M. Alexander: Victorious Life Hymns, Sunday School Times, Philadelphia 1919.
- Helen C. Alexander und J. Kennedy McLean: A Romance of Song and Soul Winning: Charles M. Alexander, Sword of the Lord, Murfreesboro 1920.
- Ford C. Ottman: J. Wilbur Chapman, a Biography, Doubleday Page & Co, VerlagCreative Media Partners, 2022, ISBN 978-1-01-742038-8.
- Ross A. Purdy: The Development of John Wilbur Chapman’s Life and Thought (1859-1918), Dissertation, Universität Stirling, Stirling 2016.
- Mark Sidwell: J. Wilbur Chapman and American Evangelism, JBTW 5/1, 2024.[13]
Weblinks
- John Wilbur Chapman, 17 June 1859–25 December 1918, 96H5-2C9, FamilySearch, Website ancestors.familiysearch.org (2026, englisch).
- Ford C. Ottman: J. Wilbur Chapman - A Biography, Doubleday & Page, New York 1920, Website archive.org (Ausführliche Biographie in Englisch).
- John Wilbur Chapman, Website deutscheslied.com (236 Treffer, von Chapman: Als einst der Himmel erfüllt war von Ehren, 2002).
- Info über und 3 Lieder von John Wilbur Chapman, Website evangeliums.net
- John Wilbur Chapman in der Datenbank Find a Grave (11. September 2009, englisch).
- John Perry: J. Wilbur Chapman, Website hymnary.org (24 Liedtitel mehrheitlich englisch).
- Richard W. Adams: John Wilbur Chapman, 1858−1918, Website hymntime.com (12. November 2019, 15 Hymnen in englisch).
- Guide to the John Wilbur Chapman Papers, Website Presbyterian Historical Society (englisch).
- J. Wilbur Chapman Contributor, Website Preaching (2023, Kurzbiographie und 10 Predigten von Chapman in amerikanischem Englisch).
- J. Wilbur Chapman. 81 Sermons. 1 Books. 2 Images, Website sermonindex.net (2026, in amerikanischem Englisch).
- David Cloud: Hymns - Jewels From John Wilbur Chapman, Website wayoflife.org (11. Juli 2024, amerikanisches Englisch).
- Papers of John Wilbur Chapman - Collection 77, Billy Graham Center Archives, Website wheaton.edu (englische Dokumente).
- Ed Reese: The Life and Ministry of John Wilbur Chapman, Website wholesomwords.org (1996–2026, englische Biographie, Schriften und Lebensdaten von Chapman).