Josef Blau

sudetendeutscher Lehrer und Heimatforscher From Wikipedia, the free encyclopedia

Josef Blau (* 12. August 1872 in Ober Neuern, Bezirk Klattau, Österreich-Ungarn; † 22. Oktober 1960 in Straubing) war ein sudetendeutscher Lehrer, Heimatforscher und Volkskundler.

Leben

Als ältester Sohn einer Handwerker- und Ackerbürgerfamilie geboren, trat er nach der Schulausbildung und einer vierjährigen Tätigkeit als Schreibgehilfe eines Rechtsanwalts in Neuern und Bilin im Jahr 1890 in die Deutsche Lehrerbildungsanstalt in Prag ein. Nach deren Abschluss wurde er Lehrer und Oberlehrer an verschiedenen Schulen im Böhmerwald, zuletzt in seiner Geburtsstadt Neuern bei Klattau. 1910 besuchte Josef Blau einen Volkshochschulkurs in Eger, dem heutigen Cheb, wo er durch den Prager Universitätsprofessor Adolf Hauffen erste Anregungen für seine spätere Tätigkeit als Heimatforscher erhielt. Er publizierte seit dem Ersten Weltkrieg Druckschriften mit den Ergebnissen seiner Heimatforschung. Er wurde Initiator und einer der bedeutendsten Repräsentanten der Heimatforschung, Heimatbildung und Volkskunde der Ersten Tschechoslowakischen Republik und trat selbst forschend im Bereich der Kultur des Böhmerwaldes hervor.

Josef Blau war mit Betty Jindřichvá verheiratet. Er ist der Schwager des chodischen Komponisten Jindřich Jindřich.[1]

Frühzeitig, schon 1929, wurde er in den Ruhestand versetzt, um sich ganz seiner Forschungsarbeit widmen zu können. Lernend und lehrend hat Blau den Böhmerwald durchwandert, hat er der Vergangenheit, der Eigenart, dem Leben und der Arbeit der Böhmerwäldler nachgespürt wie kaum ein anderer. Für seine Forschungen besuchte er die Orts- und Pfarrarchive, die Schlossarchive und Grundbuchämter seiner Heimat, die Staats- und Landesarchive in Prag, München und Landshut. Auch suchte er überall vom Volk zu hören und zu lernen, schrieb die mündlichen Überlieferungen nieder, beobachtete und beschrieb die Bräuche, vor allem aber das Arbeitsleben der Waldler. Haus und Hof, Möbel und Tracht, Zierformen und Stoffmuster und das heute vielfach schon verschollene alte Arbeitsgerät hat er auf seinen Wanderungen gezeichnet und fotografiert, auch vieles gesammelt, um es dem Wiener Volkskundemuseum zu übereignen.

In rascher Folge erschienen weitere heimatgeschichtliche und volkskundliche Schriften, zusammen über dreißig Bücher und Broschüren und Hunderte von Aufsätzen. Blau war nie ein Vergangenheitsschwärmer: Er stand mitten im tätigen Leben, er sah mit ungetrübtem Blick die sozialen Verhältnisse im Böhmerwald - und er suchte sie zu bessern.

Aus seiner eigenen Arbeit gewann Blau schon in jungen Jahren die Erkenntnis, dass gerade der Volksschullehrer Hervorragendes auf dem Gebiet der Heimatforschung leisten könnte und auch im Interesse seiner Unterrichtsaufgabe leisten sollte. Darum forderte er leidenschaftlich die heimatkundliche Grundlegung und Ausrichtung der gesamten Schul- und Volksbildungsarbeit. Zur Einführung in diese heimatkundliche Arbeit und Unterrichtung schrieb Blau das für seine Zeit bahnbrechende Werk „Der Lehrer als Heimatforscher“ (Prag 1915), das in kurzer Zeit drei Auflagen erlebte und das von berufener Seite ein „Leuchtturm der Heimatforschung“ genannt worden ist.

Schon im Sommer 1905 begann die Freundschaft Blaus mit dem Dichter Hans Watzlik (geboren 1879 in Unterhaid bei Kaplitz, gestorben 1948 auf Gut Tremmelhausen bei Regensburg), der damals Fachlehrer an der Bürgerschule in Neuern war. Gemeinsam wurde nun die Heimat durchwandert, und reger Gedankenaustausch befruchtete das Schaffen beider. Josef Blau hat dem Dichter Watzlik zahlreiche Anregungen für sein Werk gegeben.

Blau sind aber im Leben und Wirken auch Leid und Unglück nicht erspart geblieben: Ein Unfall entriss ihm die erste Frau, Krankheit die zweite, und im Ersten Weltkrieg verlor er den Sohn, das einzige Kind. Obwohl er zunächst von der Heimatvertreibung verschont blieb, beantragte er 1947 die freiwillige Ausreise aus der tschechoslowakischen Republik, deren Staatsbürgerschaft er besaß und die ihm auch genehmigt wurde, aber erst 1948 vollzogen wurde.[2] In der neuen Heimat in Niederbayern setzte er seine Forschertätigkeit fort.

Sein erster Zufluchtsort im nachbarlichen Bayern war das Grenzdorf Schachten bei Eschlkam, dann zog er nach Neuhausen bei Metten, dann nach Deggendorf und schließlich in die Gäubodenstadt Straubing. Dort starb Josef Blau am 22. Oktober 1960 im Alter von 88 Jahren. Den schriftlichen Nachlass und die Bücher erwarb die Staatliche Glasfachschule in Zwiesel, nachdem zuvor noch Blau einen Teil seiner Unterlagen dem Böhmerwaldmuseum in Passau gegeben hatte.[3]

Ehrungen

(Quelle: [3])

  • 1910 Ehrenmitglied des Museums für österreichische Volkskunde in Wien
  • 1913 Konservator des k. k. Archivrates in Wien für Westböhmen
  • 1914 Korrespondent des Prager Landesdenkmalamtes
  • 1919 korrespondierendes Mitglied der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften und Künste in Prag
  • 1932 Ehrenbürger seiner Heimatstadt Neuern
  • 1939 Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften und Künste in Prag
  • 1953 verlieh ihm Bundespräsident Professor Theodor Heuss den Verdienstorden der Bundesrepublik am Band
  • 1954 verlieh ihm der Bayerische Lehrerverein den Goldenen Ehrenbrief für fünfzigjährige treue Mitgliedschaft in einem deutschen Lehrerverein

Werke (Auswahl)

  • Der Lehrer als Heimatforscher. Eine Anleitung zu heimatkundlicher Arbeit. Haase, Prag 1915; 2. umgearbeitete und bedeutend erweiterte Auflage: Der Heimatforscher. 1920.
  • Böhmerwäldler Hausindustrie und Volkskunst. 2 Bände. Prag 1917/1918.
  • ABC der Heimatkunde. Haase, Leipzig/Prag/Wien 1921.
  • Landes- und Volkskunde der Tschechoslowakischen Republik. Sollor, Reichenberg 1921; 2., vermehrte Auflage 1927.
  • Der Gemeindechronist und seine Aufgaben. Staatliche Verlagsanstalt, Prag 1931.
  • Geschichte der Juden in Neuern. In: Hugo Gold: Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart. Ein Sammelwerk. Jüdischer Buch- und Kunst-Verlag, Brünn/Prag 1934.
  • Geschichte der künischen Freibauern im Böhmerwalde. Erste Westböhmische Druckindustrie-A.G., Pilsen 1934.
  • Die Glasmacher im Böhmer- und Bayerwald in Volkskunde und Kulturgeschichte. Lassleben, Kallmünz 1954–1956.
  • zusammen mit Emil Lehmann (1880–1964): Herausgeber der Heimatbildung, Monatsblätter für heimatlisches Volksbildungswesen

Erzählungen

  • Der Honigbaum und andere Geschichten von Josef Blau, Roland Verlag Morawitz Prag
  • Sudetendeutsche Sagen, Verlag von Hegel & Schade, Leipzig 1929
  • Josef Blau, Die goldene Säule Roman Verlag Josef Habbel, Regensburg, 1958

Literatur

  • Heribert Sturm: Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum. Band I, R. Oldenbourg, München/Wien 1979, ISBN 3-486-49491-0, S. 107.
  • Kurt Oberdorffer: Ein Träger der Böhmerländischen Heimatbewegung — Josef Blau, in: Bohemia-Jahrbuch des Collegium Carolinum. Bd. 2 (1961), S. 652–659
  • Theo Keil: Die deutsche Schule in den Sudetenländern. Lerche, München 1967, S. 413 ff.
  • Mitteilungen des Adalbert Stifter-Vereins. Bd. 9 (1961), H. 2.
  • Lebens- und Arbeitsbilder sudetendeutscher Lehrer. Bd. 1, Pollak, Brünn 1933, S. 68–71.

Einzelnachweise

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