Josef Habermann
österreichischer Chemiker und Politiker
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Josef Habermann (* 31. Oktober 1841 in Neutitschein; † 20. Mai 1914 in Brünn, Markgrafschaft Mähren) war ein böhmisch-österreichischer Chemiker und Politiker, der in Mähren lebte.[1] Ende des 19. Jahrhunderts war er Mitglied im Wiener Reichsrat.
Leben
Als Sohn eines Riemermeisters absolvierte er das Real-Gymnasium in Troppau, anschließend studierte er an der Technische Hochschule in Wien bei Anton Schrötter von Kristelli. Danach war er Assistent von Schrötter und Heinrich Hlasiwetz an dieser Hochschule. 1875 wurde er dort ordentlicher Professor für Allgemeine analytische und Agrikulturchemie. Seit 1891 war er Professor für Allgemeine analytische Chemie an der Technischen Hochschule in Brünn. Er veröffentlichte gemeinsam mit Hlasiwetz Beiträge zum Verständnis von Zuckern, Proteinen und Glucosiden. Er gilt als Entdecker des Biocytins. Er analysierte die Zusammensetzung des Tabakrauches und verbesserte chemische Apparaturen.[2][3]
Ende des 19. Jahrhunderts engagierte er sich auch in der Landespolitik und war von 1886 bis 1900 Reichsratsabgeordneter. Er starb im Mai 1914.[4]
Politische Funktionen
Er war zunächst Mitglied der Deutschliberalen Verfassungspartei. 1886 trat er dem Deutschösterreichischen Klub bei. 1890 trat er der Vereinigte Deutsche Linke bei. Bei den Parlamentswahlen von 1897 kandidierte er für die Deutsche Fortschrittspartei.[5][6]
Bei den Nachwahlen zum Abgeordnetenhaus des Reichstags am 7. Mai 1886 wurde Josef Habermann zu dem Nachfolger von Alfred Skene gewählt. Er war Abgeordneter des Wahlbezirks Mähren, Städte 10 (Neutitschein, Stramberg, Freiberg, Fulnek, Frankstadt, Mährisch Ostrau, Mistek, Braunsberg) (Gemeindekurie ). Bei der Reichsratswahl 1891 wurde er in dieser Position bestätigt.[7][8][9]
Nach den Wahlen zum Reichsratswahl 1897 vertrat er für die Kurien der Handelskammern den Bezirk Brünn.[10]
Habermann war Berater des Handelsministeriums und Mitglied des Landesschulrats in Mähren und Vorsitzender des Mährischen Gewerbevereins.
Ehrungen und Auszeichnungen
- Orden der Eisernen Krone, 3. Klasse.
- 1908 erhielt er den Titel des Gerichtsrats.
- Am 17. November 1911 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Neutitschein ernannt.[11]
Werke (Auswahl)
- Über die Proteinstoffe (gem. mit H. Hlasiwetz), in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. Bd. 64, 1871, Bd. 67, 1873
- Über das Glycyrrhizin in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. Bd. 74, 1876, Bd. 78, 1878
- weitere Abhandlungen in: Verh. des Naturforschenden Vereins in Brünn, Fesenius Z. für analyt. Chemie, Liebigs Annalen der Chemie