Josef Kayser

deutscher katholischer Priester From Wikipedia, the free encyclopedia

Josef Kayser (* 22. November 1895 in Schmallenberg; † 21. April 1993 in Hovestadt) war ein deutscher katholischer Priester, Prälat, Militärseelsorger und aktiver Gegner des Nationalsozialismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte er als Anstaltsgeistlicher im Landeskrankenhaus Eickelborn und engagierte sich besonders für psychisch kranke und suchtkranke Menschen.

Leben

Jugend und Ausbildung

Josef Kayser wurde in Schmallenberg im Sauerland geboren, wo sein Vater als Textilfabrikant tätig war. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er zunächst als Bergmann und begann anschließend ein Studium der Bergbauwissenschaften in Clausthal-Zellerfeld und Berlin. Während dieser Zeit kam er in Kontakt mit den sozialen Reformideen des katholischen Priesters Carl Sonnenschein, die ihn tief prägten.[1]

1926 entschloss sich Kayser, Theologie zu studieren, und wurde 1931 in Paderborn zum Priester geweiht.[1]

Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Während der NS-Zeit geriet Kayser mehrfach in Konflikt mit dem Regime und wurde von der Gestapo verhört.[1] Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs meldete er sich freiwillig als Militärseelsorger zur Wehrmacht. Er diente an der Ostfront, wo er Verwundete aus vordersten Linien rettete, und wurde im Januar 1943 bei Stalingrad in sowjetische Kriegsgefangenschaft genommen.

In der Gefangenschaft schloss er sich dem Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) an, um ein Zeichen gegen die NS-Herrschaft und die Unterdrückung der Kirchen zu setzen. Im Juni 1944 war er Mitbegründer des „Arbeitskreises für kirchliche Fragen“ innerhalb des NKFD.[1] Im Dezember 1945 kehrte er aus sowjetischer Gefangenschaft nach Deutschland zurück.

Nachkriegszeit und kirchliches Wirken

Nach dem Krieg nahm Kayser seine priesterliche Tätigkeit wieder auf und engagierte sich in der kirchlichen Sozialarbeit. Später wurde er mit dem Ehrentitel Prälat ausgezeichnet.[2] Er verstand sein priesterliches Amt als sozialen Dienst, geprägt von seinen Kriegserfahrungen und seiner seelsorgerischen Verantwortung für Menschen in schwierigen Lebenslagen.

Anstaltsgeistlicher in Eickelborn

Im Jahr 1954 trat Josef Kayser die Stelle des Anstaltsgeistlichen am Landeskrankenhaus Eickelborn bei Lippstadt an – einer der größten psychiatrischen Einrichtungen Westfalens mit rund 2.000 Patienten.[3] Dort betreute er psychisch kranke, suchtkranke und forensische Patientinnen und Patienten. Kayser sah seine seelsorgerische Arbeit in Eickelborn als zweite große Herausforderung seines Lebens und sagte rückblickend: „Die Arbeit mit den psychisch kranken Rechtsbrechern war mein zweites Stalingrad.“

Neben der geistlichen Betreuung engagierte er sich stark für sozialpsychiatrische Reformen. Er war maßgeblich beteiligt an der Gründung einer sozial-psychiatrischen Hilfsgemeinschaft, die sich an Ideen von Carl Gustav Jung orientierte und einen humaneren Umgang mit seelisch Kranken anstrebte.[3] Kayser leitete diese Gemeinschaft über viele Jahre hinweg und blieb über das offizielle Rentenalter hinaus in Eickelborn tätig.

Bedeutung und Vermächtnis

Josef Kayser steht exemplarisch für den kirchlichen Widerstand im Nationalsozialismus und für die soziale Verantwortung der Kirche in der Nachkriegszeit. Sein Engagement im NKFD zeigt die Spannungen zwischen Glaube, Gewissen und politischer Verantwortung im 20. Jahrhundert.

In Eickelborn verband Kayser Theologie, Psychiatrie und soziale Arbeit auf neuartige Weise. Seine Haltung und sein Wirken machten ihn zu einem Pionier der kirchlichen Sozialpsychiatrie. Kayser verbrachte seinen Lebensabend im St. Ida-Stift in Hovestadt, wo er 1993 im Alter von 97 Jahren starb. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof in Eickelborn.

Literatur

  • Erika Richter: „Prälat Josef Kayser 1895–1993 – deutsche Geschichte im Spiegel eines bewegten Lebens“. In: Friedensarbeiter, Antifaschisten und Märtyrer des kurkölnischen Sauerlandes, Bd. 1, hrsg. von Peter Bürger, 2016.
  • Erika Richter: „Prälat Josef Kayser 1895–1993“. In: Westfälische Zeitschrift, Bd. 144 (1994), S. 387–403.
  • Gedenkstätte Deutscher Widerstand (Hrsg.): Biographien deutscher Militärseelsorger 1939–1945.
  • LWL-Archiv für westfälische Geschichte: Texte zur Geschichte des Landeskrankenhauses Eickelborn.

Einzelnachweise

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