Josef Menges

deutscher Afrikaforscher (1850-1910) From Wikipedia, the free encyclopedia

Jakob Josef Menges (* 7. Oktober 1850 in Limburg an der Lahn; † 4. Januar 1910 ebenda)[1] war ein deutscher Afrikaforscher, Händler und Autor naturwissenschaftlicher Werke. In den 1870er Jahren und bis Ende des 19. Jahrhunderts unternahm Menges kommerzielle und wissenschaftliche Expeditionen in Nordostafrika und im Horn von Afrika.

Josef Menges (1895)

Seine Reisen führten ihn in den Türkisch-Ägyptischen Sudan, das Innere von Britisch-Somaliland und Abessinien im heutigen Äthiopien. Um seine Reisen zu finanzieren, verfasste Menges autodidaktisch Reise- und Forschungsberichte über die Geographie, Zoologie und Ethnologie der Region in deutschen wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Später konzentrierte er sich auf den Tierhandel, die Versorgung europäischer Zoos mit exotischen Tieren sowie auf die Vermittlung von Menschen aus dem damaligen Somalia für Völkerschauen in Europa.

Biographie

Josef Menges war ein Sohn von Joseph Menges und dessen Ehefrau Maria Josepha Diefenbach. Sein Vater war der letzte Thurn- und Taxis’sche Posthalter von Limburg a. d. Lahn, der sich rege in der Kommunalpolitik engagierte und 1877 zum Bürgermeister gewählt wurde. Josef Menges besuchte in Limburg das Prorealgymnasium und absolvierte in Frankfurt am Main eine Ausbildung zum Eisenbahnbeamten.

Forschungsreisen

Nach der Eröffnung des Suezkanals im Jahr 1869 erregten die Küstenregionen des Roten Meers und am Horn von Afrika die wachsende Aufmerksamkeit von ausländischen Regierungen, Unternehmen und privaten Akteuren, die ihre strategischen, wirtschaftlichen und logistischen Vorteile nutzen wollten. Da sich Menges besonders für Nordostafrika interessierte, trat er in den Dienst des Gouverneurs von Äquatoria, Charles George Gordon, im Türkisch-Ägyptischen Sudan. Als Gordons Sekretär reiste er von 1873 bis 1874 entlang des Weißen Nils von Khartum hinunter nach Gondokoro im heutigen Südsudan. Nachdem Krankheit und anderen Schwierigkeiten ihn zwangen, Gordons Dienst zu verlassen, reiste er weiter nach Süden.

Der Mahdi-Aufstand im Sudan (1881–1899) beendete zeitweise den Einfluss der Briten, wodurch weitere Reisen für Europäer im nördlichen Sudan nicht mehr möglich waren. Daraufhin erweiterte Menges seine Aktivitäten nach Abessinien, die Französische Somaliküste (das heutige Dschibuti) und das britische Somaliland. Zu dieser Zeit waren diese Gebiete reich an Wildtieren, von denen ein Großteil entweder in großen Mengen nach Europa verschifft oder lokal als Wild verfolgt wurde.[2]

Geographische Berichte

Die Karawanen-Strassen zwischen Suakin und Kassala, Gotha 1887

Während seines Aufenthalts in Somaliland unternahm Menges mindestens vier große Expeditionen, deren Skizzen anschließend vom Verlag Justus Perthes in Gotha kartographisch verbessert und veröffentlicht wurden. Der Verlag war an diesen Regionen interessiert, weil neue Karten von wenig bekannten Teilen Afrikas Lücken im geografischen Wissen füllten und seinem Verlag exklusives Material vermittelten. Durch den Verkauf neuer Erkenntnisse von Entdeckern vor Ort stärkte der Verlag seinen Ruf, übertraf die Wettbewerber in Frankreich, Großbritannien und Deutschland und verbesserte sein Ansehen im Deutschen Reich als wichtiges Zentrum für Informationen in Übersee.[3]

Insgesamt legte Menges rund 626 Kilometer zu Fuß zurück und dokumentierte eine Region mit einer Fläche von etwa 6.000 Quadratkilometern. Mit täglichen meteorologischen Messungen, regelmäßigen Höhenbestimmungen sowie der Erfassung der Temperatur dokumentierte Menges die klimatischen Bedingungen auf seinen Reisen. Anhand seiner Itinerar-Aufzeichnungen, einer zusammenfassenden Darstellung von Verkehrswegen und Straßen, sowie der Beschreibung der Vegetation und Bergformationen konnten detailgetreue kartographische Werke der von ihm bereisten Landstriche erstellt werden. Gemeinsam mit den von Menges verfassten Reiseberichten wurden diese in Petermanns Geographischen Mitteilungen veröffentlicht. Diese Zeitschrift, gegründet von August Heinrich Petermann, war die älteste deutschsprachige Fachzeitschrift für Geographie, in der alle bedeutenden geographischen Entdeckungen des 19. und 20. Jahrhunderts publiziert wurden. Der Gründer war zudem einer der bekanntesten Geographen und Kartographen des 19. Jahrhunderts. Für seine Zeitschrift arbeiteten auch die Kartographen Bruno Hassenstein und Carl Barich; beide erstellten detailgetreue Karten zu den Aufzeichnungen von Menges.[3]

Menges erstellte seine Skizzen für Karten nach einheitlichen Prinzipien. Seine Ausrüstung bestand aus einer Uhr, einem Thermometer, einem Kompass, einem Barometer und einem Gradkreis. Er arbeitete maßstabsgetreu, berechnete in seinem Notizbuch 1 mm auf etwa 100 Schritte im Gelände und passte seine Daten auch an langsamere Reisen an, zum Beispiel in Bergregionen. Diese Entwürfe dokumentierten seine Route mit genauen Stunden und Minuten für jeden Richtungswechsel, zeigten auch die Orientierung in Bezug auf die Nord-Süd-Achse und vermerkten wichtige Sehenswürdigkeiten. Er verwendete gängige kartografische Zeichen – Linien für Routen, Kreise für Höhen – und entwickelte zusätzliche Symbole für bemerkenswerte Bäume, Festungen, Wasserbrunnen und Ruinen.[3]

Zoologische und ethnographische Berichte

Menges interessierte sich auch für die Menschen, denen er begegnete. Er veröffentlichte seine Beobachtungen zu ihren Lebensweisen und Kulturen in wissenschaftlichen Zeitschriften und pflegte Kontakt zu führenden Ethnologen und Museen für Völkerkunde. Während seiner Reisen wurde er nicht nur mit fremden Ländern und Kulturen vertraut, sondern auch mit ihrer Flora und Fauna. Er zeichnete Beobachtungen von Wildtieren mit der gleichen Sorgfalt auf, die er auf Landschaften und Klimazonen anwandte, und veröffentlichte seine Ergebnisse in Zeitschriften wie Der Zoologische Garten und Globus – Illustrirte Zeitschrift für Länder und Völkerkunde. In seinem 1887 erschienenen Bericht Ausflug ins Somaliland beschrieb er zwei lokale Antilopenarten und den somalischen Wildesel. 1883 erhielt er ein Fohlen dieses seltenen Tieres und transportierte es nach Hamburg, wo es für eine gewisse Zeit in Gefangenschaft gehalten wurde. Die Antilopenart Beira wurde 1894 durch Menges erstmals wissenschaftlich beschrieben und zunächst bei den Klippspringern (Oreotragus megalotis) eingeordnet.[4]

Neben Englisch, Französisch und Italienisch lernte Menges mehrere afrikanische Dialekte. Um Informationen zu erhalten und seine Position zu etablieren, war er weitgehend auf die Unterstützung der Einheimischen angewiesen. In einem Brief vom 11. April 1883 an die Herausgeber von Petermanns Geographischen Mitteilungen schrieb er folgendes:[3]

„Auch habe ich nicht versäumt die begleitenden Eingeborenen, die Handbreit jede Land kannten, auszufragen um die Namen der verschiedenen Lokalitäten zu notieren, so daß ich glaube eine so richtige Skizze fertig stellen zu können, wie es bei einem Jagdzuge, der ja keine wissenschaftliche Zwecke verfolgt, überhaupt möglich ist.“

Tierhändler

Zur finanziellen Unterstützung seiner Expeditionen verband Josef Menges sich bereits 1876 mit dem Hamburger Tierhändler Carl Hagenbeck, lieferte ihm Angaben zu den gesichteten Tierbeständen, den Möglichkeiten des Fangs und des erfolgreichen Transportes zur Küste und nach Europa.

Menges wurde ob seiner herausragenden Kenntnisse über Fang, Haltung und Pflege von Wildtieren zum gefragten Experten und Lieferanten der Zoologischen Gärten und Menagerien. Im Februar 1887 übernahm er eine Tierhandlung in Triest und eröffnete dort seine eigene Handelsniederlassung. Er richtete eine Quarantänestation ein, in der die Tiere versorgt und gepflegt wurden, bevor sie ihre Weiterreise zu den europäischen Tierparks antraten. Neben Hamburg wurde der Zoologische Garten in Frankfurt zum wichtigsten Umschlagplatz der von Menges nach Europa eingeführten Tiersammlungen. Als am 1. April 1893 Adalbert Seitz Direktor des Frankfurter Zoos wurde, stellte er Menges ein Zwischenlager zur Verfügung, sodass seine großen Tierimporte zuerst im Frankfurter Zoo gezeigt und verkauft werden konnten.

Veröffentlichungen

Josef Menges’ Reisen auf das Hochplateau der Somali-Halbinsel im Januar und Dezember 1884

Reiseberichte

  • Fahrt auf einer ägyptischen Eisenbahn, 1876
  • Die heißen Quellen von Eilet (Abessinien), 1877
  • Reise in den ägyptischen Sudan, 1883
  • Ausflug in das Somali-Land, 1884.
  • Die Karawanenstraße zwischen Suakin und Kasalla, 1887
  • Reisen zwischen Kasalla und dem Setit, 1888
  • Streifzüge in das Küstenland der Habr Auel, 1894

Berichte aus dem Bereich der Zoologie

  • Bemerkungen über den deut. Tierhandel von Nord-Ost-Afrika, 1876
  • Einige Mittheilungen über das Warzenschwein (Phacochoerus Aeliani), 1876
  • Jagdzug nach dem Mareb und oberen Chor Baraka, März–April 1881, 1884
  • Das Nilpferd des Zoologischen Gartens zu Hamburg, 1882
  • Die Einführung des Dromedars in Südafrika, 1885
  • Verwilderte Kamele in Arizona, 1886
  • Jagdausflug in das nördliche Somaliland, 1886
  • Bemerkungen über die Gazella Walleri des nördl. Somalilandes, 1887
  • Der Wildesel des Somalilandes, 1887
  • Die Verwendbarkeit des Elefanten zur Erschließung Afrikas, 1888
  • Ausdauer eines Leoparden, 1888
  • Eine neue Antilope des Somalilandes, 1894.

Berichte aus dem Bereich der Ethnologie

  • Die Ursachen des ägyptisch-abessinischen Krieges, 1876
  • Die Bewaffnung und Kriegführung der Sudanesen, 1884
  • Die Basen oder Kunama (am oberen Setit und Gasch), 1885
  • Von der Somaliküste, 1885
  • Die Bewohner des Hochplateaus der Somali-Halbinsel, 1886
  • Die Zeichensprache des Handels in Arabien und Ost-Afrika, 1885
  • Bemerkungen über einige in Nord-Ost-Afrika vorkommende Krankheiten und deren Behandlung durch die Eingeborenen, 1886
  • Der Sklavenhandel am Rothen Meer und am Golf von Aden, 1888
  • Die Küstenlandschaft des Somalilandes östlich von Berbera, nebst Bemerkungen über die Folgen der englischen Herrschaft, 1891
  • Zustände im östlichen Sudan, 1894.

Vermittler für Völkerschauen

Als Carl Hagenbeck begann, „afrikanische Eingeborene“ für Völkerschauen in Europa zu rekrutieren, lieferten seine Gewährsleute aus der Region nicht nur Wildtiere, sondern auch Nubier, Somalis und andere Menschen für solche Ausstellungen. Mindestens eine Tierlieferung scheint Hagenbeck erreicht zu haben, bevor Gruppen aus Somalia für Ausstellungen rekrutiert wurden. Es gibt Hinweise darauf, dass Menges zunächst versuchte, unabhängig mit somalischen Partnern zu verhandeln und sich eine eigene Position in diesem Geschäft aufzubauen. Darauf deuten mindestens zwei ethnografische Ausstellungen hin, die vor 1895 in der Schweiz stattfanden. Eine davon im Jahr 1889 hieß „Menges’ Ostafrikanische Karawane“ und eine weitere im Jahr 1891 „Menges’ somalische Karawane“.[5][2]

Carl Hagenbeck's Somali Truppe

Zunächst engagierte Menges den Somalier Hersi Egeh Gorseh, der später zum Anführer einer somalischen Truppe und zu einem vertrauten Mitarbeiter von Carl Hagenbeck und seiner Familie wurde. Hersi, der in der Hafenstadt Berbera ansässig war, wurde damit beauftragt, die Gefangennahme und den Transport von Wildtieren von der nördlichen somalischen Küste und dem Hinterland zu organisieren, wobei er Teams von Wildjägern aus seinem Clan zusammenstellte. Nachdem er durch mehrere erfolgreiche Transporte seine Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt hatte, überzeugte Menges ihn, mit seiner Gruppe von Somalis nach Europa zu reisen, um an Völkerschauen teilzunehmen. Die erste somalische Truppe unter der Leitung von Hersi Egeh, die von Hagenbeck in Zusammenarbeit mit Menges organisiert wurde, erreichte Hamburg 1895.[2]

Im selben Jahr präsentierten Hagenbeck und Menges diese Truppe zusammen mit Tieren aus verschiedenen Regionen Afrikas auf der Afrika-Ausstellung 1895 im Crystal Palace in London. Zu der Tiergruppe gehörten 25 einheimische Pferde, 20 Dromedare, ein halbes Dutzend Löwen, sechs Strauße, Geparden, Pumas, Leoparden, Schafe und Vögel. Dazu schrieb die englische The Times: „Herr Menges hatte seit der Aufnahme dauerhafter Beziehungen zu den Stämmen an der Küste so viele Expeditionen ins Landesinnere unternommen, dass er über umfassende Kenntnisse über das Land verfügte und kaum Schwierigkeiten hatte, die Zustimmung von etwa 70 Somalis verschiedener Stämme für die Reise zu erhalten.“[6]

Rezeption

In den 1880er Jahren wurden Berichte von Menges im Scottish Geographical Magazine[7] und in den Mitteilungen der Zoological Society of London erwähnt.[8] In seinem 1886 erschienenen Buch über die Geschichte des Zweiten Punischen Krieges zwischen dem antiken Rom und Karthago berichtete der englische Schriftsteller William Thomas Arnold über zwei Briefe, die Menges in der Kölner Zeitung veröffentlicht hatte und in denen er die Möglichkeit der Zähmung afrikanischer Elefanten als Lasttiere beschrieb. Da die britische Armee unter General Gordon im ägyptischen Sudan indische Elefanten eingesetzt hatte, schlug Menges vor, dass auch die afrikanische Art gezähmt werden könnte.[9]

Im Jahr 2017 erschien eine Biografie zu Menges in deutscher Sprache, die sich weitgehend auf sein umfangreiches persönliches Archiv stützte, das aus seiner Korrespondenz mit den Geografen des Perthes-Verlags, Reisetagebüchern, geschäftlichen und privaten Briefen besteht. Laut der Autorin Monika Jung ermöglichten ihr diese Dokumente, die in der Sammlung Perthes der Universität Erfurt archiviert sind, eine Darstellung, die eine individuelle Lebensgeschichte mit dem größeren historischen Kontext verknüpft.

In seinem Artikel „A Brief History of Staging Somali Ethnographic Performing Troupes in Europe, 1885–1930“ (Eine kurze Geschichte der Inszenierung somalischer ethnografischer Truppen in Europa, 1885–1930) aus dem Jahr 2022 konzentrierte sich der Autor auf die Beziehung von Menges zu Hagenbeck und Hersi Egeh, dem Anführer der Somalier. Diese historische Analyse bestätigte die Rolle von Menges als Hagenbecks Agent und Vermittler, der dabei half, Tiere und Darsteller für Völkerschauen in Europa zu beschaffen.[2]

Ein Artikel aus dem Jahr 2024 über das Leben und Werk von Menges mit besonderem Schwerpunkt auf seinen Skizzen für Karten von Nordostafrika ging davon aus, dass britische Beamte in Aden solche Karten möglicherweise für das spätere Protektorat Somaliland verwendet haben. Außerdem könnten die Karten auch den lokalen Bewohnern gedient haben, indem sie ihnen halfen, ihr Territorium besser zu verstehen. Darüber hinaus könnten regionale Mächte wie das Khedivat Ägypten, wo Menges seine Karriere begann, und das Äthiopien von Kaiser Menelik II. diese kartografischen Informationen als strategischen Vorteil für ihre territoriale Expansion angesehen haben.[3]

Originale der Karten, die auf Reisen und Skizzen von Menges basieren, sind in der Sammlung Perthes der Universitätsbibliothek Erfurt, der Universität Jena,[10] der Digitalen Bibliothek von Chambéry[11] in Frankreich und der Bibliothek der University of Illinois[12] in den USA archiviert. Objekte aus dem Nachlass von Menges befinden sich in den Sammlungen des Ethnologischen Museums Berlin sowie in anderen öffentlichen Sammlungen in Deutschland.[13]

Literatur

  • Monika Jung: Josef Menges – Forschungsreisender, Ethnologe, Naturforscher, Zoologe und Tierhändler. Cardamina-Verlag, Limburg 2017, ISBN 978-3-86424-392-9

Einzelnachweise

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