Josef Schadler
österreichischer Geologe und Mineraloge
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Leben
Schadler studierte an der Universität Graz Chemie, Mineralogie und Geologie und wurde 1913 promoviert. Im Ersten Weltkrieg diente er zunächst an der Front, kam aber 1916 als Instruktionsoffizier nach Steyr und war als Fachmann für die Karbidindustrie in Dalmatien tätig. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er für das Staatsamt für Landwirtschaft unter anderem in der Phosphatgewinnung in der Drachenhöhle bei Mixnitz (wobei er auch die Höhlenfauna und steinzeitliche Besiedlungsreste untersuchte), dem Phosphatabbau in Siebenbürgen, Arsenprospektion in Österreich und Südamerika sowie bodenkundliche Arbeiten und Kartierungen. Unter anderem kartierte er am Dachstein. 1931 bis 1946 war er am Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz. Er befasste sich mit den Phosphoritsanden bei Linz und Prambachkirchen und der geologischen Kartierung der Umgebung von Linz (Geologische Spezialkarte Linz-Eferding 1:75000, erschienen 1952).
Wirken in der NS-Zeit
Unmittelbar nach dem „Anschluss“ Österreichs wirkte Schadler bei der Errichtung des Konzentrationslagers Mauthausen mit. Darüber wird in einem internen Schreiben des Wiener Magistratsdirektors an den Wiener Bürgermeister wie folgt berichtet:
- „Heute [8. April 1938] haben der Sturmbannführer [Arthur] Ahrens der Reichsführung der SS-München, Karlsstraße 10, und der Geologe des Landesmuseums in Linz, Professor Dr. Schadler, bei mir vorgesprochen und mitgeteilt, dass in Mauthausen ein staatliches Konzentrationslager für 3000 bis 5000 Leute errichtet werden soll. In Betracht kommen 2 Steinbrüche, die der Stadt Wien gehören, und zwar der außer Betrieb stehende Steinbruch ‚Wiener Graben‘ und der in Betrieb stehende Steinbruch ‚Bettelberg‘. Nach Ansicht des Prof. Dr. Schadler ist die Möglichkeit einer Verwertung der beiden Steinbrüche gegeben. Die beiden Herren haben gebeten, dass sie bis heute 16:00 Uhr die grundsätzliche Zustimmung erhalten, dass die beiden Steinbrüche der Reichsführung SS zur Verfügung gestellt werden. […]“[1]
1944 leitete er auch kurz die Zweigstelle Wien des Reichsamts für Bodenforschung und hatte zuvor die Zweigstelle in Linz gegründet. Er leitete auch kurzzeitig das Oberösterreichische Landesmuseum. Im Zweiten Weltkrieg war er als Baugeologe unter anderem mit Autobahnen befasst und auch in Norwegen und Griechenland. 1946 wurde er wegen seiner Tätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus beim Landesmuseum entlassen.
Nachwirken
Nach dem Krieg war er Korrespondent der Geologischen Bundesanstalt in Wien und war als angewandter Geologe tätig (Baugrundgutachten unter anderem bei der Westautobahn und für Kraftwerke, Wasserversorgung, Rutschungen und Bergfälle, Heilquellen, Rohstoffversorgung). Er kartierte auch die Salzberge im Salzkammergut. Schadler war bergsteigerisch aktiv und seit 1908 im Österreichischen Alpenverein.[2] Er engagierte sich im Naturschutz und war Obmann der Landesgruppe Oberösterreich des österreichischen Naturschutzbundes.
Werk
Schadler gliederte die tertiären Küstensedimente und damit korrelierten Tiefwasserablagerungen am Südrand der Böhmischen Masse und in Zentral-Oberösterreich (Linzer Sande, Phosphoritsande, Schlier). Dabei klärte er den Zusammenhang von Linzer Sanden und Phosphoritsanden.
Als Geologe arbeitete er im Auftrag des Landes an einer Geologie von Oberösterreich, konnte sie aber nicht vollenden. 1966 erschien noch seine Geologische Karte von Linz und Umgebung (1:50.000) des Atlas von Oberösterreich.
Er befasste sich mit dem Meteoriten von Prambachkirchen von 1932 in Zusammenarbeit mit dem Wiener Astronomen Justus Rosenhagen.[3]
Er entdeckte die Mineralien Scharizerit und Ardealit.
Würdigung
Er erhielt 1951 als einer der Ersten die Haidinger-Medaille der Geologischen Bundesanstalt, den Ehrenring der Stadt Linz und das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Er war Ehrenmitglied der Geologischen Gesellschaft Wien, die für Schadler den Professoren-Titel erwirkte, und des Oberösterreichischen Musealvereins, Ehrensenator der Universität Innsbruck und Korrespondent des Naturhistorischen Museums Wien.
Literatur
- Gunnar Mertz: „Das Braun der Erde“: Die Träger der Haidinger-Medaille der Geologischen Bundesanstalt und der Nationalsozialismus. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 160, Wien 2020. S. 359–408. (Online)
- Siegmund Prey: Professor Dr. Josef Schadler (29.8.1889–8.4.1978). In: Verhandlungen der Geologischen Bundesanstalt. Jahrgang 1979, Heft 3, S. 279–284 (mit Werkverzeichnis, zobodat.at [PDF]).
Weblinks
- Eintrag im Mineralienatlas
- Nachlassverzeichnis Österreich, Eintrag Schadler
- Prof. Dr. Josef Schadler. In: ZOBODAT.at. OÖ Landes-Kultur GmbH (mit Publikationsliste).