Joseph Luns

niederländischer Politiker, Diplomat und NATO-Generalsekretär From Wikipedia, the free encyclopedia

Joseph Antoine Marie Hubert Luns (* 28. August 1911 in Rotterdam; † 17. Juli 2002 in Brüssel) war ein niederländischer Diplomat und Politiker (bis 1972 KVP). Er war von 1952 bis 1971 Außenminister der Niederlande und anschließend bis 1984 NATO-Generalsekretär.

Joseph Antoine Marie Hubert Luns (1979)

Leben

Joseph Luns war ein Sohn des Malers und Kunstprofessors Huib Luns. Er besuchte Schulen in Amsterdam und Brüssel. Im Alter von 20 Jahren ging er als Matrose ein Jahr zur Koninklijke Marine (Niederländische Marine).

Von 1933 bis 1936 war er Mitglied des NSB, der nationalsozialistischen Partei, obwohl dies Katholiken von den Bischöfen verboten war. Erst 1979 wurde diese Mitgliedschaft enthüllt, und Luns zwang seinen Bruder zu behaupten, dieser habe ihn ohne sein Wissen angemeldet.

1937 schloss er sein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Leiden und der Universität Amsterdam ab, anschließend studierte er noch an der London School of Economics und der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, bevor er 1938 in den diplomatischen Dienst trat.

Während des Zweiten Weltkrieges war er Gesandter bzw. Geschäftsträger der niederländischen Exilregierung in der Schweiz und Portugal. Von 1944 bis 1949 war er Attaché bei der niederländischen Botschaft in London. Im Jahr 1949 ging er bis 1952 als Erster Sekretär bzw. Botschaftsrat zur Ständigen Vertretung der Niederlande bei den Vereinten Nationen nach New York.

Als Mitglied der Katholischen Volkspartei (KVP) wurde er im September 1952 zum Minister ohne Portefeuille im Kabinett Drees II ernannt. Bis Oktober 1956 war er im Außenministerium (unter dem parteilosen Minister Johan Willem Beyen) für Politik der Vereinten Nationen, Benelux-Angelegenheiten und internationale Verkehrspolitik zuständig. Faktisch teilten sich Beyen und Luns in dieser Zeit die Rolle des Außenministers. Dies war ein Kompromiss zwischen der KVP, die das Außenministerium für Luns beansprucht hatte, und dem sozialdemokratischen Premierminister Willem Drees, der eine Dominanz katholischer Politiker bei den Verhandlungen zur Gründung der Europäischen Gemeinschaften befürchtete, sowie der Königin Juliana, die sich für Beyen starkmachte und Luns für zu unerfahren hielt. Auf die Frage seines französischen Amtskollegen, warum ein so kleines Land wie die Niederlande zwei Außenminister benötige, soll Luns geantwortet haben: „Weil unser Land so klein ist, ist das Ausland so groß“.[1] Im Kabinett Drees III wurde Luns dann selbst (alleiniger) Außenminister und blieb dies auch in den sechs folgenden Regierungen bis Juli 1971. Im Jahr 1957 unterzeichnete er für sein Land die Römischen Verträge.

Im Jahr 1971 übernahm er das Amt des NATO-Generalsekretärs von Manlio Brosio, das er bis 1984 innehatte. Er ist damit bis heute der NATO-Generalsekretär mit der längsten Amtszeit. Ihm folgte Peter Carington, 6. Baron Carrington.

Auszeichnungen u. a.

Das Grab von Joseph Luns und seiner Ehefrau Elisabeth Bsee van Heemstra auf dem katholischen Friedhof St. Petrus Banden in Den Haag
Commons: Joseph Luns – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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