Joseph Mullendore
US-amerikanischer Filmkomponist
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Joseph Milton Mullendore jr. (geboren am 21. Oktober 1914 in Philadelphia, Pennsylvania, USA; gestorben am 19. Juni 1990 in Pasadena, Kalifornien, USA) war ein US-amerikanischer Filmkomponist und Arrangeur. Er trat auch unter dem Namen Mullendore auf und war als Joe Mullendorf bekannt.
Leben und Werk
Der 1914 geborene Joseph Mullendore hielt bereits 1931 das Copyright auf ein Lied.[1] Er studierte an der University of the Arts in Philadelphia Komposition und Klavier.[2] Ab den 1930er Jahren bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges trat er mit verschiedenen Mundharmonikagruppen im Vaudeville auf.[3] Dabei arrangierte er als erster die Musik solcher Gruppen, was Kim Field in seinem Buch über die damalige Mundharmonikamusik als großen Fortschritt bezeichnete. Mullendorf selbst bezeichnete das als Glücksfall, er konnte so etwas eben, und er war Mundharmonikaspieler, was sehr dabei half.[4] Nach dem Krieg ging er nach Hollywood[3] und wendete sich damit von der Mundharmonika ab. Er fürchtete, dass diese Musik seinem Ruf in Hollywood schaden und er immer damit in Verbindung gebracht werden würde.[5] In den nächsten Jahren arbeitete er als Arrangeur oder an der Orchestrierung von Filmmusiken. Bei der klar überwiegenden Mehrheit dieser Filme war Herschel Burke Gilbert für die Musik zuständig.
Spätestens ab 1951 engagierte sich Joseph Mullendore in der American Society of Music Arrangeurs. Er war dort unter Herschel Burke Gilbert als Vizepräsident[6] und als Herausgeber des offiziellen Organs der ASMA, The Score, tätig.[7] Von 1958 bis 1960 war er der Präsident der Vereinigung.[8] Anfang 1961 wechselte er zu Broadcast Music Incorporated.[9] BMI drang zu dieser Zeit aktiv in den Film- und Fernsehmusikmarkt und ermöglichte den Mitgliedern höhere Einkünfte.[10] Gleichzeitig mit ihm wechselten auch viele andere Musiker, darunter Herschel Burke Gilbert, Hugo Friedhofer, John Williams und Jerry Goldsmith.[9]
Ab 1959 arbeitete Mullendore hauptsächlich als Komponist für Fernsehserien, wo er an über 500 Folgen beteiligt war. Er arbeitete fünf Jahre für die Walt Disney Studios, neun für Four Star und sechs für 20th Century Fox.[2] Für Four Star, wo Herschel Burke Gilbert bis 1964 Musikdirektor war,[11] schrieb er die Musik mehrerer Folgen von Abenteuer im wilden Westen und der June Allyson Show. Zudem war er wesentlich bei Heute Abend Dick Powell und Amos Burke tätig. Die Musik von Privatdetektivin Honey West unterstand ihm beinahe vollständig; mit der jazzigen Musik machte er sich einen Namen. Die LP mit der Musik der Serie war laut Jon Burlingame einer der besten Big-Band-Soundtracks ihrer Zeit.[12]
Für die Serie Raumschiff Enterprise schrieb er nur den Score für eine einzige Folge der ersten Staffel, nämlich für Kodos, der Henker. Laut Fred Steiner benötigte diese Folge einen speziellen Score. Der barocke, an Shakespeare erinnernde Stil passte dafür gut.[13] Jeff Bond schrieb in Film Score Monthly, dass dieser aus den dunklen, fortgeschrittenen klingenden Scores hervorsteche. Er schrieb auch, dass Joe Mullendore neben der Arbeit für Privatdetektivin Honey West vor allem für diese Musik bekannt sei. Mullendores Stil beschrieb er als seltsam retro, er erinnere oft an die die Filmscores der 1940er und 1950er Jahre.[14] Seit dieser Zeit gehörte Joseph Mullendore zu der Gruppe der Komponisten der Fernsehserien von Irwin Allen.
Zu dieser Gruppe gehörten auch Alexander Courage und der junge John Williams.[14] Er arbeitete mit dieser Gruppe unter anderem an den Serien Time Tunnel, Die Seaview – In geheimer Mission, Verschollen zwischen fremden Welten und Planet der Giganten. Für Planet der Giganten wurde Joseph Mullendore damit beauftragt, die Titelmusik und die Musik für den Abspann zu schreiben. Irwin Allen war mit dem Ergebnis aber nicht zufrieden. So stammte die in der Serie dafür verwendete Musik wie schon bei Time Tunnel und Verschollen zwischen fremden Welten von John Williams. Trotzdem schrieb Joseph Mullendore die Musik für fünf Folgen von Planet der Giganten.[15] Danach ging die Karriere von Joseph Mullendore zu Ende.
Joseph Mullendore war fast vierzig Jahre lang[16] mit seiner Frau Virginia verheiratet und hatte zwei Kinder mit ihr.[2]
Filmografie (Auswahl)
Musik
Fernsehserien, wenn nicht anders vermerkt
- 1955: Pantherkatze (New York Confidential, Spielfilm)
- 1959–61: Abenteuer im wilden Westen (Dick Powell’s Zane Grey Theater, 17 Folgen)
- 1960: The Westerner (Folge 1x13)
- 1960–61: June Allyson Show (The DuPont Show with June Allyson 27 Folgen)
- 1961–63: Heute Abend Dick Powell (The Dick Powell Show, 48 Folgen)
- 1962: McKeever and the Colonel (2 Folgen)
- 1963–65: Amos Burke (Burke’s Law, 63 Folgen)
- 1965: Gauner gegen Gauner (The Rogues, Folge 1x29)
- 1965–66: Privatdetektivin Honey West (Honey West, 28 Folgen)
- 1966: Blue Light (3 Folgen)
- 1966: Time Tunnel (The Time Tunnel, Folge 1x08)
- 1966: Raumschiff Enterprise (Star Trek, Folge 1x13)
- 1966–70: Daniel Boone (11 Folgen)
- 1967: Big Valley (The Big Valley, 2 Folgen)
- 1967: Die Seaview – In geheimer Mission (Voyage to the Bottom of the Sea, Folge 4x14)
- 1967–68: Verschollen zwischen fremden Welten (Lost in Space, 3 Folgen)
- 1968–70: Planet der Giganten (Land of the Giants, 5 Folgen)
- 1968–70: Lancer (13 Folgen)
- 1970: Mannix (Folge 4x06)
- 1976: Happy Days (Folge 4x02)
Arrangement und Orchestrierung
- 1946: Junior Prom
- 1946: Freddie Steps Out
- 1948: Open Secret
- 1950: The Jackie Robinson Story
- 1950: Three Husbands
- 1951: Der maskierte Kavalier (The Highwayman)
- 1951: The Magic Face
- 1952: Achtung! Blondinengangster (Without Warning!)
- 1952: Models Inc.
- 1952: Ich bin ein Atomspion (The Thief)
- 1953: Wolken sind überall (The Moon Is Blue)
- 1953: Sittenpolizei (Vice Squad)
- 1953: Project Moonbase
- 1953: Hände weg, Jonny! (Wicked Woman)
- 1954: Terror in Block 11 (Riot in Cell Block 11)
- 1954: Zeugin des Mordes (Witness to Murder)
- 1956: Um jeden Preis (Comanche)
- 1956: Die Bestie (While the City Sleeps)
- 1956: Ein Fetzen Leben (The Bold and the Brave)
- 1959: Der unheimliche Zotti (The Shaggy Dog)
Auszeichnungen und Nominierungen
1963 wurde Joseph Mullendore in der Kategorie Original Music für seine Arbeit in Heute Abend Dick Powell für einen Emmy nominiert.[17]
1998 wurde er für die Musik aus Privatdetektivin Honey West in die Hall of Fame der TV Music Archives aufgenommen.[18]