Joseph Thierry

französischer Politiker, Mitglied der Nationalversammlung From Wikipedia, the free encyclopedia

Joseph Marie Philippe Thierry (* 20. März 1857 in Haguenau, Département Bas-Rhin; † 22. September 1918 in San Sebastián, Baskenland) war ein französischer Politiker des Republikanischen Bundes FR (Fédération républicaine) und Diplomat, der unter anderem 1913 Minister für öffentliche Arbeiten und 1917 Finanzminister sowie zwischen 1917 und 1918 Botschafter im Königreich Spanien war.

Joseph Thierry

Leben

Joseph Marie Philippe Thierry war der Sohn von Joseph Thierry, der von 1866 bis 1870 letzter französischer Bürgermeister von Haguenau vor der Niederlage in der Schlacht von Sedan (1. bis 2. September 1870) während des Deutsch-Französischen Krieges war. Seine Familie wurde von den Deutschen vertrieben, floh nach Marseille und wohnte dort an der Ecke Boulevard Haguenau und Avenue Saint-Julien. Nach dem Schulbesuch absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Aix-en-Provence sowie anschließend an der Sorbonne, der Universität von Paris, und war nach dessen Abschluss als Rechtsanwalt tätig. Am 22. Mai 1898 wurde er erstmals zum Mitglied der Abgeordnetenkammer (Chambre des députés) gewählt und gehörte dieser nach seinen Wiederwahlen am 27. April 1902, 20. Mai 1906, 8. Mai 1910, 10. Mai 1914 und 16. November 1919 von der siebten bis zum Ende elften Legislaturperiode mehr als 20 Jahre lang zwischen dem 1. Juni 1898 und dem 22. September 1918 an. Während seiner Parlamentszugehörigkeit war er Mitglied der Fraktion der Progressiven sowie von 1914 bis 1918 der Fraktion der Demokratischen Linke (Groupe Gauche démocratique).

Am 22. März 1913 wurde Thierry in das Kabinett Barthou berufen und bekleidete in diesem bis zum 9. Dezember 1913 den Posten des Ministers für öffentliche Arbeiten (Ministre des Travaux publics).[1][2] Während des Ersten Weltkrieges fungierte er im Kabinett Viviani II vom 1. Juli bis zum 29. Oktober 1915 im Kriegsministerium als Staatssekretär für die Versorgung mit Lebensmitteln und die militärische Intendanz (Sous-secrétaire d’État au Ravitaillement) und behielt dieses Regierungsamt zwischen dem 29. Oktober 1915 und dem 12. Dezember 1916 auch im Kabinett Briand V. Am 20. März 1917 übernahm er im Kabinett Ribot V das Amt als Finanzminister und behielt dieses bis zum 12. September 1917.[1][3] Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung löste er am 13. Oktober Léon Geoffray[4] als Botschafter im Königreich Spanien ab und verblieb auf diesem diplomatischen Posten in Madrid bis zu seinem Tode am 22. September 1918, woraufhin Gabriel Alapetite[5] seine Nachfolge antrat. Nach seinem Tode wurde er auf dem Cimetière Saint-Pierre in Marseille beigesetzt.

Einzelnachweise

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