Josias Simler

Schweizer reformierter Theologe und Landeskundler From Wikipedia, the free encyclopedia

Josias Simler (auch Josias Simmler; * 6. November 1530 in Kappel am Albis; † 2. Juli 1576 in Zürich) war ein Schweizer reformierter Theologe und Historiker, bekannt unter anderem durch seine Werke zur Schweizer Landeskunde und Geschichte.

Josias Simmler (Stich aus dem 18. Jahrhundert)

Abstammung

Seine Eltern waren Peter Simler (1486–1557), Konventuale und Prior im Kloster Kappel am Albis, und dessen Ehefrau Anna Huser († 1555). Sein Grossvater war Rudolf Simler (1449–1534), Schultheiss von Rheinau. Er hatte einen Bruder, der jedoch früh verstarb. Seine Schwester Margaretha (* 1541) war mit dem Pfarrer in Embrach, Hans Frey († 1569), verheiratet.[1]

Leben und Wirken

«Haus zur Sul»: Amtswohnung von Ulrich Zwingli (1522–1525) und seiner Mitarbeiter Jacobus Ceporinus (1526), Conrad Pelicanus (1526–1556) und der Lehrer am Grossmünsterstift, Petrus Martyr Vermilius (1556–1562) und Josias Simmler (1563–1576).

Anfänglich besuchte Simler die Schule in Kappel, 1544 ging er nach Zürich, um unter seinem Taufpaten und Förderer Heinrich Bullinger zu studieren. 1546 setzte er sein Studium in Theologie, Sprachen und Naturwissenschaften in Basel und 1547 bis 1549 in Arithmetik und Geometrie in Strassburg fort. Danach schloss er in Zürich sein Theologiestudium ab und wurde 1549 ordiniert.

Simler arbeitete als Pfarrer, zwischendurch als Mathematiklehrer für Conrad Gessner, und er mochte die Naturwissenschaften. 1552 bis 1557 war er als reformierter Pfarrer in Zollikon tätig. 1557 wurde er Diakon der Kirchgemeinde St. Peter, und 1560 Vikar von Peter Martyr Vermigli. Bereits 1552 wurde er in Zürich Professor am Carolinum für Exegese des Neuen Testaments, 1560 für Theologie. In diesem Jahr übernahm er vorübergehend den Lehrstuhl des entlassenen Theodor Bibliander. 1563 wurde er anstelle des verstorbenen Peter Martyr Vermigli zum Professor für Altes Testament berufen und 1564 zudem Scholarch. Er trat vorwiegend als Gelehrter und ab 1559 als Verfasser von Schriften unterschiedlicher Fachrichtungen in lateinischer Sprache in Erscheinung.[2]

Simler übersetzte um 1555 Bullingers Summa christenlicher religion ins Lateinische, die 1556 publiziert wurde. Ab 1555 begann er die Bibliotheca universalis von Conrad Gessner neu herauszugeben. Nach dessen Tod 1565 veröffentlichte im Jahr danach seine Schrift Vita clarissimi philosophi et medici excellentissimi Conradi Gesneri Tigurini. In seinem Werk De Alpibus commentarius von 1574, welches das erste Werk war, das sich umfassend mit den Alpen befasste, sammelte er alle Informationen über das Gebirge aus den Werken verschiedener anderer Autoren, versehen mit Anmerkungen aus eigener Anschauung. Er entwickelte dabei neue Einsichten über das Wesen der Lawinen, den Unterschied von Firn und Eis, die niedrige Temperatur grosser Höhen sowie den Pflanzenendemismus der Alpen.[3]

Zusammen mit Ludwig Lavater gab er die Schriften Vermiglis heraus. Er verfasste die Nachrufe auf Vermigli (1563), Geßner (1566) und Bullinger (1575), es sind bedeutende frühneuzeitliche Biographien. In theologischen Lehrfragen und Auseinandersetzungen gegen die Antitrinitarier und Lutheraner nahm er eine zwinglische Position ein. Aus der Zusammenarbeit mit den Geschichtsschreibern Ägidius Tschudi (1505–1572) und Johannes Stumpf (1500–77/78) entstanden zwei bedeutende Studien.[4]

Simler schrieb zudem weitere Werke über die Schweizer Landeskunde, so auch die Vallesiae Descriptio, ausgehend von antiken Quellen.[5] Ausserdem beriet er Ulrich Campell bei der Abfassung seiner Raetiae alpestris topographica descriptio (Topographische Beschreibung des alpinen Rätiens/rätischen Alpenlandes. Chur 1573). Ihm zu Ehren ist das Simler-Schneefeld in der Antarktis benannt.[6]

Seine De Republica Helvetiorum folgte dem Abriss der Chronik von Johannes Stumpf von 1547/48 und ist in zwei Bände gegliedert. Buch eins stellt die Geschichte der dreizehn Orte ihres Bündnisses dar. Hinzu kommen die Beschreibungen der sogenannten Zugewandten, der verbündeten Länder, der Untertanengebiete, der gemeinen Herrschaften und der Bündnisse der Schweizer mit dem Herzogtum Mailand, Österreich, Burgund, Savoyen und Frankreich.[7] Buch zwei präsentiert die politische Struktur und Organisation der Orte und der gesamten Eidgenossenschaft und erschien nur wenige Tage nach seinem Tod 1576. Simler verband eidgenössisches Staatsrecht mit der Geschichte, beginnend mit den antiken staatlichen Gebilden wie Athen, Achaia und Israel und unlängst auch den Schwäbischen Bund.[8] Es kamen zahlreiche, illustrierte Auflagen heraus, bis 1734 waren es 28 Ausgaben. Das Werk wurde noch im gleichen Jahr ins Deutsche, von Simon Goulart ins Französische (1577) und ins Holländische (1613) übersetzt.[9] Es blieb bis ins 18. Jahrhundert ein Standardwerk über die Verfassung der Schweiz. Johann Heinrich Waser, Josias Simlers Enkel, der Bürgermeister war, sammelte dessen Handschriften.[10]

Familie

Josias Simler heiratete 1551 Elisabeth Bullinger (1532–1565), eine Tochter der Reformators Heinrich Bullinger (1504–1575) und der Anna Adlischwyler († 1564). Nach ihrem Tod heiratete er im Jahr 1566 Magdalena (1550–1625/26), Tochter des Pfarrers Rudolf Gwalther (1519–1586) und der Regula Zwingli (1524–1565). Bekannt sind drei Söhne und eine Tochter:

  • Josias (1567–1588), Pfarrer, starb als Feldprediger im Kriegszug Heinrichs von Navarra.
  • Rudolf (1568; † 15. Februar 1611), Dr. med. in Montpellier, von 1601 bis 1611 Professor für Logik und Rhetorik in Zürich. Ein Sohn war der reformierte Theologe und Dichter Johann Wilhelm Simler (1605–1672).[11]
  • Dorothea (* 1571) heiratete Kaspar Waser (1565–1625), Professor für Theologie in Zürich, sein Enkel aus dieser Ehe war der Zürcher Antistes Hans Caspar Waser (1612–1677).
  • Kaspar (1574–1611), Goldschmiedemeister in Zürich.

Schriften (Auswahl)

De Alpibus commentarius 1574
  • Oratio de vita et obitu clarissimi viri et praestantissimi theologi D. Petri Martyris Vermilii. Zürich 1563 (Nekrolog auf Petrus Martyr Vermilius).
  • Vita clarissimi philosophi et medici excellentissimi Conradi Gesneri. Zürich 1566 (Nekrolog auf Conrad Gessner).
  • De aeterno Dei filio. Christoph Froschauer, Zürich 1568 und 1582 (Über den ewigen Gottessohn).
  • De vera Iesu Christi domini et servatoris nostri secundum humanam naturam in his terris praesentia, orthodoxa & brevis expositio. Christoph Froschauer, Zürich 1574 und 1578.
  • Vallesiae descriptio, libri duo: de alpibus commentarius (Beschreibung des Wallis. Zwei Bände. Kommentar zu den Alpen). Zürich 1574.
    • Neuausgabe/Übersetzung: De Alpibus commentarius. Die Alpen. Bearbeitet, übersetzt, erläutert und eingeleitet v. Alfred Steinitzer. Mit einhundertzwölf Abbildungen. Gesellschaft Alpiner Bücherfreunde, München 1931, OCLC 504343489.
  • Narratio de ortu, vita et obitu reverendi viri D. Henrici Bullingeri, Tigurinae Ecclesiae pastoris. Zürich 1575 (Nekrolog auf Heinrich Bullinger).
  • De Republica Helvetiorum Libri duo. Zürich 1576 (Zwei Bücher über die Schweizer Republik).
    • Regiment Gemeiner loblicher Eydgnoschafft. Christoph Froschauer, Zürich 1576.
    • La république des Suisses, A. Chuppin/F. Le Preux, Genf 1577.
    • La confederazione svizzera. De Republica Helvetiorum, Hg. C. Carena/P. Ostinelli, Einf. von G. Broggini, Armando Dadò Editore, Locarno 1999.

Literatur

Einzelnachweise

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